Hohe Kosten, kleine Hoffnung

Zabergäu - Hat die Zabergäubahn noch eine Chance? Die neue Landesregierung verspricht in ihrer Koalitionsvereinbarung zu prüfen, wo die Reaktivierung von Schienenstrecken sinnvoll ist. Dennoch ist die Hoffnung der Bahnfreunde nicht mehr als ein zartes Pflänzchen.

Von unserem Redakteur Reto Bosch

Hohe Kosten, kleine Hoffnung
Im Jahr 1994 wurde der Betrieb auf der Zabergäustrecke eingestellt. Das ist den Anlagen wie hier in Brackenheim-Meimsheim anzusehen. Foto: Reto Bosch

Zabergäu - Hat die Zabergäubahn noch eine Chance? Die neue Landesregierung verspricht in ihrer Koalitionsvereinbarung zu prüfen, wo die Reaktivierung von Schienenstrecken sinnvoll ist. Dennoch ist die Hoffnung der Bahnfreunde nicht mehr als ein zartes Pflänzchen. Auf Landkreis und Kommunen würden hohe Ausgaben zukommen. Ein neues Gutachten soll nun den Nahverkehr im Zabergäu unter die Lupe nehmen.

Die Aktion der Freunde der Zabergäubahn hat hohen Symbolwert. An diesem Samstag wollen sie das Gleisbett zwischen Brackenheim und Frauenzimmern von Gestrüpp und Bäumen befreien. Damit soll die Zabergäubahn auch im Bewusstsein von Bürgern und politischen Entscheidungsträgern verankert werden. Als Gast am Samstag hat sich Gisela Splett angekündigt. Sie ist Staatssekretärin im Landesverkehrsministerium.

Kommunen

Ohne Hilfe des Landes hat die Strecke keine Zukunft. Das betont Landrat Detlef Piepenburg. "Es ist klar, dass enorm hohe Kosten aufzubringen sind. Ohne Zuschuss kann die Zabergäubahn nicht realisiert werden." Der Güglinger Bürgermeister Klaus Dieterich sieht das genauso. "Ohne finanzielle Unterstützung des Landes glaube ich nicht, dass die Kommunen die Finanzierung stemmen können." Bei allen finanziellen Problemen macht Dieterich aber klar: Die Bahn ist wichtig für das Zabergäu." Der Landkreis hat 60 000 Euro für ein neues Gutachten eingeplant. Es soll Verbesserungsmöglichkeiten des Nahverkehrs im Zabergäu − unter Berücksichtigung der Stadtbahn − an den Tag bringen. Demnächst steht die Auftragsvergabe an. "Ein Ergebnis wird Ende 2012/Anfang 2013 vorliegen", erklärt Landkreissprecher Hubert Waldenberger.

Laut 2005 erhobener Zahlen würden die Investitionen in Gleisbett, Gleise, Bahnübergänge und Bahnhöfe rund 30 Millionen Euro kosten. Dazu kommen Ausgaben für Planung von 3,6 Millionen Euro und etwa 16 Millionen Euro für vier Stadtbahnfahrzeuge. Die Betriebskosten beziffert Hubert Waldenberger auf drei Millionen Euro pro Jahr.

Wer ist zuständig? Laut Waldenberger wurde die Zabergäubahn dem Ländlichen Raum zugeordnet. "Das Land hat bisher keine Bereitschaft erklärt, sich an den Betriebskosten zu beteiligen, weil die Stilllegung der Strecke vor der Privatisierung der Deutschen Bahn lag." Deshalb stünden keine Regionalisierungsmittel zur Verfügung.

Leitbild

Das Verkehrsministerium verweist auf das ÖPNV-Leitbild Heilbronn, das die Zabergäubahn beinhalte. "Kommunalpolitische Entscheidungen zur Umsetzung dieses konkreten Ziels sind uns bisher nicht bekannt", erklärte Sprecher Edgar Neumann auf Anfrage. Ein Vorstoß in Richtung Landesförderung sei nicht unternommen worden. Der Bund habe signalisiert, wegen der relativ geringen Verkehrsnachfrage eine Reaktivierung nicht zu unterstützen. "Aus Sicht des Landes kam eine Förderung aufgrund der schwierigen Situation sowohl bei den Mitteln für den Infrastrukturausbau als auch bei den Betriebskosten bislang nicht in Frage."

Als endgültiges Aus will das Ministerium dies aber nicht verstanden wissen. Für die Zukunft werde die Landesregierung die Situation neu bewerten, sofern die Region die Reaktivierung weiter verfolgt. Gertrud Schreck, Vorsitzende des Vereins Zabergäu pro Stadtbahn beobachtet die Entwicklung aufmerksam. Sie sagt: "Ich habe die Hoffnung, dass die neue Landesregierung andere Prioritäten setzt. Ich halte aber nichts von Wolkenkuckucksheimen."