Heilbronner Siedlungen erinnern an US-Präsidenten

Heilbronn - Hoover? Die junge Frau an der Bushaltestelle der Herbert-Hoover-Siedlung ist ehrlich: „Ich wohne zwar hier, aber ich habe keine Ahnung, wer das ist.“ Die Frage nach dem Namen von Barack Obama, der heute in sein Amt als amerikanischer Präsident eingeführt wird, beantwortet sie dagegen mühelos.

Von Siegfried Lambert


Heilbronn - Hoover? Die junge Frau an der Bushaltestelle der Herbert-Hoover-Siedlung ist ehrlich: „Ich wohne zwar hier, aber ich habe keine Ahnung, wer das ist.“ Die Frage nach dem Namen von Barack Obama, der heute in sein Amt als amerikanischer Präsident eingeführt wird, beantwortet sie dagegen mühelos. So ist das mit Hoffnungsträgern, die noch dazu viel von Show verstehen. Ihr Name prägt sich innerhalb kürzester Zeit ein. Herbert Hoover dagegen (1874 -1964, Fotos: dpa) ist längst Geschichte.

„War das nicht der Chef des FBI?“, fragt eine ältere Frau irritiert, die in der Hoover-Straße wohnt und gerade ihren gelben Briefkasten leert. Nein, der hieß mit Vornamen John Edgar. Und ein Rentner, der nebenan im Nieselregen den Papiercontainer füllt, findet die Frage höchst unschicklich: „Weiß nicht. Wissen Sie's?“ Aber ja. Herbert Hoover war der 31. Präsident der USA zwischen 1929 und 1933. Doch es ist keine Bildungslücke, wenn man seinen Namen erst einmal nachschlagen muss.

Heilbronn hat bei den Straßennamen ein ausgewogenes Verhältnis zu den amerikanischen Präsidenten hergestellt: Es gibt den großen Unbekannten ebenso wie die Lichtgestalt: Eine vielbefahrene vierspurige Straße trennt im Süden der Stadt die Hoover- von der John-F.-Kennedy-Siedlung.

Signal

Nach dem Abzug des amerikanischen Militärs im Jahr 1992 wurden die Wohngebiete, die bei den US-Soldaten „Upper und Lower Housing“ hießen, vom Gemeinderat nach den beiden US-Präsidenten umbenannt. Das war vor 15 Jahren und sollte ein dauerhaftes Zeichen der Verbundenheit und Freundschaft mit den USA sein. Anschließend entstanden dort mit Millionenaufwand durch die Stadtsiedlung zahlreiche Sozialwohnungen. Bei einem genaueren Blick stellt sich heraus: Es gibt erstaunlich viele Parallelen zwischen Herbert Hoover und Barack Obama. Der neue Amtsinhaber im Weißen Haus wird ebenfalls daran gemessen werden, wie er mit der schwersten Finanz- und Wirtschaftskrise seit den dreißiger Jahren in den USA fertig wird. Wie Herbert Hoover gilt er als genialer Handwerker der Macht.

Eine Lichtgestalt und ein großer Unbekannter
Herbert Hoover
Hoover hatte den Ruf, die Wirtschaft wirkungsvoll zu unterstützen und für Wohlstand im ganzen Land zu sorgen. „Worte ohne Taten sind die Mörder des Idealismus“, stellte er als Motto heraus. Gegen die „Große Depression“ hatte er jedoch die falschen Rezepte und scheiterte.

Erinnerung

„Natürlich war jede Amtseinführung eines Präsidenten ein Feiertag für die amerikanische Gemeinde in Heilbronn“, erinnert sich Erwin E. Kressl. Der 78-Jährige war über 20 Jahre beim US-Militär beschäftigt. „Gefeiert wurde aber eher im kleinen Kreis, und von Umzügen in Heilbronn weiß ich nichts.“ Kennedy war beliebt bei den US-Soldaten, sagt Kressl. Wahrscheinlich auch deshalb, weil er Anstalten machte, den Vietnamkrieg zu beenden. „Aber so ein ,Inauguration day', wie er jetzt bei Obama geplant ist, mit so viel Aufwand und Pomp, den gab es bislang noch nie.“

Eine Lichtgestalt und ein großer Unbekannter
John F. Kennedy
Obama und Kennedy - beide stehen für Hoffnung und Wandel. Kennedy (1917 - 1963) war mit 43 Jahren der 35. und jüngste Präsident und der bislang einzige Katholik. Obama ist der erste Afroamerikaner in diesem Amt.

Seinen berühmten Amtsvorgänger kennt in der Kennedy-Siedlung offenbar jedes Kind. „Na klar,“ antwortet der neunjährige Timo auf die Frage. „Das war doch der mit dem Spruch ,Ich bin ein Berliner'.“ Stimmt, gut aufgepasst.


Hintergrund: Amtseinführung

Zur Amtseinführung des gewählten US-Präsidenten Barack Obama werden heute rund zwei Millionen Menschen in Washington erwartet. Fast 250.000 Tickets wurden allein für die Zeremonie der Amtseinführung am Kapitol ausgegeben. Obama war am Samstag nach einer symbolträchtigen Bahnfahrt zu seiner Amtseinführung in Washington eingetroffen.

Die Zeremonie heute wird in Deutschland von ARD, ZDF und RTL sowie den TV-Nachrichtenkanälen live übertragen. Gegen 18 Uhr (MEZ) wird Obama durch den Obersten Richter am Supreme Court, John G. Roberts, vereidigt, anschließend hält er seine Amtsantrittsrede.