Geschichte mit Romantik, Bollenhut und Explosionen

Neuenstadt - Letzte Proben für Premiere der Freilichtspiele laufen

Von Alexander Klug

Neuenstadt - Viel scheint sich seit 1828 nicht verändert zu haben: Peter Munk will seinen anstrengenden, schlecht bezahlten und wenig respektierten Job als Holzkohlenbrenner loswerden und gegen Geld, Ruhm und Frauen eintauschen. Wilhelm Hauff hat die Geschichte unter dem Titel "Das kalte Herz" als Märchen veröffentlicht − davon inspiriert schrieb Autor Paul Wanner in den 80er Jahren ein Bühnenstück gleichen Namens. Die romantische Geschichte um Gier und Gefühle ist von Freitag, 10. Juni, bis Sonntag, 24. Juli, auf der Freilichtbühne Neuenstadt zu sehen.

Pyrotechnik

Das Stammpublikum der Aufführungen in Neuenstadt nimmt weite Wege auf sich: "Unsere Besucher kommen aus einem Gebiet von Stuttgart bis Würzburg und von Mannheim bis Crailsheim", sagt Pressesprecher Peter Zeh. Die persönliche Ebene ist wichtig in Neuenstadt: Autor Paul Wanner hat sein Stück persönlich dem Neuenstädter Urgestein und Regisseur Eberhard Birn zur Aufführung angeboten; einige Mitwirkende entstammen der vereinseigenen Jugendgruppe, "von hier" ist auch Hauptdarsteller Jörg Schönbeck. "Ohne das ehrenamtliche Engagement wäre das alles hier nicht machbar", meint Peter Zeh. Denn ein bisschen geht es natürlich auch um Geld: Bei rund 100 000 Euro liegt der Etat der Freilichtspiele. "So ungefähr ab 16 000 Besuchern landen wir in den schwarzen Zahlen", meint Vorstandssprecher Andreas Großkopf. Allein Licht, Ton und Pyrotechnik schlagen mit 20 000 Euro zu Buche. Die ist eine Neuerung in Neuenstadt − es kracht gewaltig im beschaulichen Ort: Bengalisches Feuer, Explosionen, Flammenwerfer. "Mit Brandschutzfarbe für die Holzelemente, Feuerlöschern, Sand, fließendem Wasser und einem separaten Techniker hinter der Bühne wird es sehr sicher zugehen", sagt Technikchef Peter Rot.

Schwarzwaldmädchen

"Die Zusammenarbeit ist hervorragend", meint Schauspieler Jörg Schönbeck. Insgesamt stehen 17 Schauspieler und zehn Statisten auf der Bühne am Fuße des Neuenstädter Turms. Das sei auch wichtig: 52 Proben waren zu bewältigen, 23 Aufführungen stehen bevor. "Ich muss mich jeweils drei Mal umziehen, da bleibt kaum Zeit für einen Schluck Wasser", meint der 35-Jährige schmunzelnd. "Am schwersten ist mir das Totsein gefallen", meint seine "Ehefrau Elisabeth", die in Wirklichkeit Jessica Colquhoun heißt. Allein das Schminken des Schwarzwaldmädchens mit dem Bollenhut auf dem Kopf dauere eine Stunde. Auch Schneiderin und Kostümbildnerin Antje Austel hat sich ins Zeug gelegt: 18 der 40 Kostüme sind eigens für "Das kalte Herz" in zahlreichen Arbeitsstunden entstanden.