Für 2124 Kinder zahlt Vater Staat den Unterhalt

Wenn Väter (oder Mütter) nicht können oder wollen, treten die Jugendämter in Vorleistung. Für 843 Kinder in Heilbronn und 1281 im Landkreis sind sie derzeit Zahlväter

Von Ulrike Bauer

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Für seine eigenen Kinder bleibt ein Mann unterhaltspflichtig, auch wenn er mit einer anderen Frau und deren Kindern zusammenlebt.Foto: dpa

Heilbronn - Verzweiflung, Empörung, Wut. Mit solchen Gefühlen ihrer Klientinnen und Klienten sehen sich die Mitarbeiter des städtischen Jugendamts oft genug konfrontiert. Sie haben es zu tun mit Eltern, die sich getrennt haben und die nun um den monatlichen Scheck fürs Kind streiten: Das Team um Elke Schmitz bearbeitet die Leistung Unterhaltsvorschuss. Für 843 Kinder in Heilbronn und 1281 im Landkreis sind die Jugendämter derzeit Zahlväter.

Kaum Mütter Diese staatliche Ersatzleistung bekommen Kinder, deren anderswo lebende Väter gerade ihrer finanziellen Unterhaltsverpflichtung nicht nachkommen. Sei es, weil sie nicht können, sei es, dass sie nicht wollen. Mütter, die nicht bei ihren Kindern wohnen und zahlen müssten, kann man an zwei Händen abzählen.

Gleichzeitig versuchen die Behörden, das Geld wieder einzutreiben. Voraussetzung: Das Elternteil wird als finanziell leistungsfähig eingestuft – entweder vom Gericht oder nach eigenen Recherchen des Jugendamts. Die monatliche Überweisung vom Amt ist deutlich geringer als der gesetzliche Mindestunterhalt: 125 Euro für Kinder unter sechs, 168 Euro im Monat für Kinder unter zwölf. Maximal sechs Jahre haben Kinder Anspruch auf diese Leistung, deren Finanzierung sich Bund, Land und Kommunen zu je einem Drittel teilen.

Millionen Die Stadt Heilbronn hat 2007 rund 1,4 Millionen Euro Unterhaltsvorschuss ausbezahlt, beim Landkreis Heilbronn belasteten zahlungsunwillige oder zahlungsunfähige Elternteile die Allgemeinheit mit Ausgaben in Höhe von 2,2 Millionen Euro.

Der Versuch, die Gelder wieder einzutreiben, ist durchaus von Erfolg gekrönt. Im städtischen Jugendamt gibt es dafür 2,3 Sachbearbeiterstellen. Sie holten letztes Jahr von den Vätern 300 000 Euro zurück, das sind 21 Prozent. Im Landkreis liegt die Quote bei einem Drittel: 732 000 Euro. Manche Väter zahlen freiwillig, bei anderen muss man Lohnpfändungen einleiten oder rechtzeitig beim Finanzamt den Daumen auf Rückerstattungen halten. Ob ein Vater nach längerer Arbeitslosigkeit wieder einen Job hat und zahlen könnte, lässt sich nicht lange verbergen. Das Amt fragt bei der Arbeitsagentur oder der Krankenkasse nach. Die Arbeitsagentur selbst schickt Mütter zum Beantragen von Unterhaltsvorschuss zum Jugendamt – um den Arbeitslosengeldanspruch zu senken.

Zahlungsunfähigkeit bei Kindesunterhalt hat für Elke Schmitz viele Facetten. Zum Beispiel komplexe Familienverhältnisse: Viele Väter arbeiten, verdienen aber wenig, sie haben Kinder mit zwei oder mehr Frauen und für alle reicht das Geld nicht. Dann muss der Staat ran.