Früherer US-Soldat mahnt zu Geduld

Heilbronn - Als der neue Hoffnungsträger feierlich seinen Amtseid ablegt, schaut David Fredlund im Wohnzimmer in Horkheim auf CNN genau zu. 18.05 Uhr ist es. Und obwohl zwei Millionen Zuschauer vor dem Kapitol in Washington jubeln, sagt der US-Amerikaner ehrlich: „Eigentlich fühle ich jetzt gar nichts.“ Barack Obama ist der neue Präsident der USA. „Einen sehr historischen Moment“ nennt der 57-Jährige dies für die Vereinigten Staaten. Dass ein Schwarzer Präsident werde, hätte er nie gedacht.

Video: Stimmen aus der Region zu Obamas Amtsantritt.

Von Carsten Friese

Email


Heilbronn - Als der neue Hoffnungsträger feierlich seinen Amtseid ablegt, schaut David Fredlund im Wohnzimmer in Horkheim auf CNN genau zu. 18.05 Uhr ist es. Und obwohl zwei Millionen Zuschauer vor dem Kapitol in Washington jubeln, sagt Fredlund ehrlich: „Eigentlich fühle ich jetzt gar nichts.“

Barack Obama ist der neue Präsident der USA. „Einen sehr historischen Moment“ nennt der 57-Jährige dies für die Vereinigten Staaten. Dass ein Schwarzer Präsident werde, hätte er nie gedacht. Doch er ist von der Euphorie nicht angesteckt. Er ist ein nüchterner Mensch. „Obama muss 43 Prozent, die ihn nicht gewählt haben, erst überzeugen“, sagt Fredlund. „Auch mich.“

In Philadelphia ist der Mann mit dem Vollbart aufgewachsen, war zehn Jahre in der US-Armee, zuletzt in Heilbronn. Er blieb hier. Nach einer Schweißerlehre arbeitete er zunächst bei einer Stahlfirma, ehe er „per Zufall“ bei den Städtischen Museen einen Job bekam. Für die Lagerung und EDV-Erfassung von 7000 Objekten ist er dort zuständig.

Die Euphorie um Obama kann er nachvollziehen. Es sei menschlich, jemanden „zum Übermenschen zu machen“ und persönliche Hoffnungen an ihn zu knüpfen. In der Wahlkampagne sei „viel Sternenstaub“ ausgestreut worden. Doch Obama sei ein ganz normaler Mensch, dem Grenzen durch das politische System gesetzt seien. „Allein kann er nichts bewegen, er kann nur Impulse setzen.“ Fredlund zählt die Berater, den Außen-, den Verteidigungsminister auf, die Ausschüsse für Innen-, Außen- und Verteidigungspolitik, die „sehr mächtig“ seien.

Der Ex-Soldat sieht eine Gefahr, dass die Euphorie umkippt und es einen harten Aufprall gibt, wenn nach einem halben Jahr nicht gleich erste Erfolge greifen. „Die Menschen sind von Natur aus ungeduldig.“

Die vielen Erwartungen weltweit nennt Fredlund „total irrsinnig“. Die US-Wirtschaft in Schwung zu bringen und nach der Finanzkrise im eigenen Land funktionierende Kontrollorgane zu schaffen, werde schwer genug. Wenn die Regierung nur ein Viertel ihrer Vorhaben schaffe, wäre das „sehr viel“.

Noch ist Fredlund skeptisch, aber auch optimistisch, dass die USA die Krise überwinden werden. „Ich wünsche der Regierung das Beste - denn wenn Amerika den Bach runter geht, dann gehen wir alle mit.“