Flatrate-Bordell ist hier kein Thema

Region - Die Rotlichtszene hat ihre Schlagzeilen, seit die Polizei Flatrate-Bordellen den Kampf angesagt hat. In Heilbronn gibt es solche Angebote nicht. Im Landkreis ist Prostitution verboten, weil Landesrecht sie erst ab 35 000 Einwohnern zulässt.

Von Carsten Friese

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Geld gegen Sex: Auch im Rotlichtmilieu wird der Preiskampf härter.Foto: dpa

Region - Die Rotlichtszene hat ihre Schlagzeilen, seit die Polizei Flatrate-Bordellen den Kampf angesagt hat. In Heilbronn gibt es solche Angebote nicht, sagt einer, der es wissen muss. Adi Kegel (71), seit 40 Jahren Zuhälter, sieht dafür auch keine Chance. „Das konnte ja nicht gut gehen, die haben die Behörden ja richtig rausgefordert.“

Mit „die“ meint er die Betreiber des Pussy-Clubs in Fellbach. Nach einer Razzia wurde der Club, in dem 89 Prostituierte vor allem aus Osteuropa arbeiteten, geschlossen. Anzeigen, in denen Männer mit freien Getränken und Sex „so oft und wie du willst“ für 70 (tagsüber) oder 100 Euro (abends) gelockt wurden, hatten Behörden hellhörig gemacht.

 „Unser Milieu hat das nicht gestört“, sagt Adi Kegel. Er hat sich in Fellbach selbst ein Bild gemacht. 90 Prozent der Gäste seien junge Türken gewesen, die die gute Stimmung bei freien Getränken, Disco-Tanz mit den Frauen und dem Sex-Angebot genossen hätten. Im Innern sei es jedoch verdreckt gewesen. Kegel ist sich sicher: Deutsche Frauen würden es „nicht mit sich machen lassen“, derart für alle Kunden verfügbar zu sein.

Einzeltäterinnen

„Überschaubar“ nennt Heilbronns Kripo-Chef Volker Rittenauer die Rotlicht-Szene der Region. Zwei Bordelle gibt es in der Hafen- und der Neckarsulmer Straße, daneben Szene-Clubs wie die Regina Bar, einen Straßenstrich an der Theresienstraße und wechselnden Standorten. Zudem nennt Rittenauer Terminwohnungen, in denen Frauen ihre Dienste anbieten. Einzelakteure stünden hinter den Angeboten. „Wir haben keine Struktur, in der eine Gruppe dies steuert.“

Im Landkreis ist Prostitution verboten, weil Landesrecht sie erst ab 35 000 Einwohnern zulässt. „Einzeltäterinnen“ gibt es auch hier. Rittenauer verweist auf drei bis fünf Verfahren pro Jahr, in denen die Polizei Frauen anzeigt. Die Ordnungsamtsleiter in Eppingen und Neckarsulm bestätigen die Tendenz: keine Fälle in den letzten Jahren. Es ist ruhig.

Rund 50 Prostituierte nutzen regelmäßig das Beratungsangebot der Mitternachtsmission der Heilbronner Diakonie. Die Dunkelziffer sei aber „sicher hoch“, ist Alexandra Gutmann überzeugt.

Ein Flatrate-Bordell wird in Heilbronn jedenfalls keine große Chance haben. Als „menschenverachtend“ stuft Ordnungsamtsleiter Bernd Werner das Angebot ein. Die Stadt werde so etwas nicht zulassen.