Endlager in Region nicht denkbar

Heilbronn/Neckarsulm - Nach dem möglichen Aus für das Atommüllendlager Gorleben schließt das Landesumweltministerium die Region Heilbronn als alternativen Standort aus. Für den Fall, dass beim Bund dennoch entsprechende Überlegungen konkret würden, kündigte Neckarsulms Oberbürgermeister heftigsten Widerstand an.

Von Andreas Tschürtz

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Salzbergwerk
Heilbronn/Neckarsulm - Nach dem möglichen Aus für das Atommüllendlager Gorleben schließt das Landesumweltministerium die Region Heilbronn als alternativen Standort aus. Ein Sprecher sagte, die Salzschichten seien viel zu dünn für ein Endlager. Für den Fall, dass beim Bund dennoch entsprechende Überlegungen konkret würden, kündigte Neckarsulms Oberbürgermeister heftigsten Widerstand an.

Ablehnung

„Wenn Gorleben mit viel tieferliegenden Schichten nicht in Frage kommt, macht es aus unserer Sicht keinen Sinn, hier nach einem Endlager zu suchen“, sagt Joachim Scholz und verweist auf einen weiteren Unterschied: „Wir haben hier auch eine ganz andere Siedlungsstruktur. Da liegt ja Bebauung von Heilbronn, Bad Friedrichshall und Neckarsulm über den Stollen.“

Heilbronns Erste Bürgermeisterin Margarete Krug hält „ein mögliches Atomendlager in unseren Salzstollen für ausgeschlossen. Wir machen uns auch nach dem vom Bundesumweltminister erklärten Aus für Gorleben keine Sorgen.“ Salzwerke-Vorstandssprecher Ekkehard Schneider betont, jeder wisse, dass die Stollen in der Region nicht für die Lagerung atomaren Mülls geeignet seien (siehe Nachgefragt).

Keine Suche

Es wird derzeit auch gar nicht gesucht. Ein Sprecher des Bundesamts für Strahlenschutz (BfS) sagt auf Nachfrage: „Es gibt keine konkrete Standortsuche. Und keine Einigung in der Politik, wie es weitergeht.“ Das BfS widerspricht der Darstellung der Atomindustrie, die Vertragsdauer der Nutzungsrechte in Gorleben könnte ausreichen, um die Erkundung des Salzstocks abzuschließen. „Einen Eignungsnachweis wird man in frühestens 15 Jahren haben.“ Schon in sechs Jahren enden viele Verträge mit Grundstücksbesitzern, die Voraussetzung für die Erkundung sind. „Die Verträge schließen eine Errichtung eines Endlagers zudem aus.“

Zuletzt untersuchte das Landesamt für Geologie 2005 mögliche Endlagerstätten in Baden-Württemberg. „Da ging es um Tongesteine. Salz wurde nie untersucht“, sagt Karl Franz, Sprecher vom Umweltministerium in Stuttgart. „In Ihrer Region sieht man auf den ersten Blick, dass das Salzvorkommen für ein Endlager nicht geeignet ist.“ Ein Grund: Radioaktiver Müll ist in tiefen geologischen Schichten zu lagern. Die Lager Konrad, Asse, Morsleben und Gorleben liegen 500 bis 1000 Meter unter der Erde - viel tiefer als die Stollen der Region.