Ein Mann zwischen zwei Frauen

Freilichtspiele stehen vor der Premiere von "Piroschka" am 4. Juni

Von Angela Groß

Mann zwischen zwei Frauen
Das sind Piroschka und Andreas, zwei Hauptfiguren im Stück Piroschka. Ihr Flirt spielt sich an der Bahnstation mit original altem Stellwerk ab.Foto: Andreas Veigel

Neuenstadt - Momentan ist Regisseur Hajo Baumgärtner noch eindeutig im Vorteil. Für die diesjährige Aufführung der Neuenstädter Freilichtspiele hat er das Stück "Piroschka" mehr oder weniger umgeschrieben und weiß zumindest, wie diese komplizierte Liebesgeschichte auf der Bühne ausgeht. Es geht um einen Mann − Andreas als Austauschstudent in Ungarn unterwegs, der auf zwei Frauen trifft, die er beide ziemlich klasse findet.

Qual der Wahl: Dieses Gefühl werden die Zuschauer auf den 841 Sitzplätzen im Halbrund der Freilichtspiele bestimmt teilen. Doch wem fliegen die Herzen zu. Piroschka? Dem Mädchen vom Lande. Spontan und unangepasst, mit dem drolligen Dialekt. Oder Greta? Der Städterin. Rational, karrierebewusst, aber merkwürdig unentschieden. Im Spaß hat sich Hajo Baumgärtner schon mal überlegt, wie es wäre, Fragebogen im Publikum zu verteilen, bezweifelt aber, ob er überhaupt ehrliche Antworten bekommen würde. Dies gilt vor allem für die Männer. "Die wollen bestimmt beides. Greta als Hausfrau und Mutter und Piroschka als Geliebte", vermutet der Leingartener Filmemacher.

Lebensentwürfe Abgesehen davon, letztlich wäre es nicht richtig gewesen, "Piroschka" auf eine Liebesgeschichte zu reduzieren. Nein, es geht um mehr, um verschiedene Lebensentwürfe. Der Regisseur formuliert es so: "Es geht um den immerwährenden Konflikt zwischen Freiheit und Domestizierung."

Engagement Dafür haben sich hundert Akteure auf und hinter der Bühne seit Wochen ins Zeug gelegt und bringen das Karussell der Kontraste in Schwung. Auf die Zuschauer warten schließlich nicht nur Piroschka und Greta, sondern auch die ungarische Provinz und das mondäne Budapest. Bühnenbildnerin Brigitte Klein-Wallner hat mit Liebe zum Detail ungarische Farbtupfer auf die Bühne gebracht, Silvia Birn berichtet von den Schwierigkeiten einer Requisiteurin, ein Hackbrett − das ist ein ungarisches Instrument − aufzutreiben. Man hätte eines kaufen können, aber das hätte das Budget gesprengt. Fürs Auge gibt es bei dieser opulenten Aufführung farbenfrohe Kostüme. Und Tänze, für deren Choreographie Robert Zapatka aus Jagsthausen steht. "Es ist sehr, sehr schön inszeniert", sagt Peter Zeh, zuständig für Öffentlichkeitsarbeit, über dieses Element, das wiederum auf unterschiedliche Welten verweist.

Mit dem Klassiker des Nachkriegskinos hat die Neuenstadter Inszenierung nichts am Hut. "Der Film ist total daneben", stellt Hajo Baumgärtner klar. Und wer weiß, vielleicht fällt die Wahl der Herzen beim Publikum ganz anders aus. Der Auftritt von acht weißen Gänsen dürfte ungeteilter Aufmerksamkeit gewiss sein.