Ein Füllhorn historischer Kostbarkeiten

Baron von Gemmingen: Schätze auf Burg Hornberg sind unverkäuflich

Von Wolfgang Müller

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Das Turnierbuch der Kraichgauer Ritter aus dem Jahr 1616 gibt es weltweit nur noch einmal in abgespeckter Form im Archiv des Vatikans in Rom.Fotos: Wolfgang Müller

Neckarzimmern - Als es in der Nacht zum Heiligen Abend in seinem Archiv zu regnen begann, war das Weihnachtsfest für Baron Dajo von Gemmingen gelaufen. Ein Kälteeinbruch hatte Wasserrohre auf Burg Hornberg bersten lassen. Das Nass tropfte von der Decke und lief die drei Meter dicken Steinwände herunter. "Ich habe noch in der selben Nacht irgendwie mehrere Lufttrockner organisiert", erinnert sich der Baron. Denn in seinen Regalen, Vitrinen und Schränken hoch über Neckarzimmern schlummern Schätze: 165 laufende Meter Archivalien aus Jahrhunderten sind hier untergebracht. Dazu 900 Pergamenturkunden, darunter päpstliche, königliche und kurpfälzische Dokumente aus dem Mittelalter. Eine karolingische Handschrift aus dem neunten Jahrhundert gehört dazu − und der Vertrag, mit dem Götz von Berlichingen Burg Hornberg kaufte.

Dreißigjähriger Krieg Ein historisches Kochbuch ist beschädigt. Und einige Briefe und Handschriften unter anderem aus dem Dreißigjährigen Krieg sind verloren. Drei Monate später arbeiten die Lufttrockner noch immer. Den Schrecken hat sich der Burgherr aber inzwischen aus den Gliedern geschüttelt. Die Luftfeuchtigkeit in der Bibliothek liegt wieder bei unter 70 Prozent. "Und die wertvollen Sachen sind Gott sei Dank unversehrt."

Wertvoll − dazu zählt der 46-Jährige das Turnierbuch der Kraichgauer Ritter, das Wolf Conrad Greck von Kochendorf 1616 fertigstellen ließ. In gebundenem Leder sind die Papierseiten in tadellosem Zustand. Die 400 Jahre alten Farben strahlen in allen Schattierungen. Mit diesem Buch wollten sich die Kraichgauer Ritter vor den Begehrlichkeiten des Pfalzgrafen in Heidelberg wappnen, indem sie sich vom niederen Adel absetzten und ihre Reichsunmittelbarkeit dokumentierten. Denn an Turnieren durfte nur teilnehmen, wer mindestens in dritter Generation rein adliger Herkunft war.

"Der Anblick einer solchen bibliophilen Kostbarkeit berührt mich tief", sagt Wappen-Kenner Hanno L. Monauni, der mit dem Verein Aderlass das Bad Wimpfener Stauferfest mitorganisiert und einen Blick auf die Schätze des Barons werfen darf. Das Turnierbuch gibt es im Original nur noch einmal im Archiv des Vatikans − aber in abgespeckter Form. Und ohne, dass der unbekannte Autor dafür jemals einen Auftraggeber gefunden hätte.

Von unschätzbarem Wert ist auch das 14 Kilogramm schwere Buch über den Eichstätter Garten des Fürstbischofs Johann Konrad von Gemmingen aus dem Jahr 1613 mit 266 großformatigen Kupferstichen. Einzelne Seiten ähnlicher Bücher haben schon für bis zu 20 000 Dollar den Besitzer gewechselt, sagt von Gemmingens Verwalter, Michael Graf von Savary. Neben dem Archiv und der rund 4500 Bücher umfassenden Bibliothek haben die von Gemmingen über zwölf Generationen viele historische Raritäten gesammelt, darunter Gemälde, Waffen, eine umfangreiche Kupferstichsammlung, Rüstungen − darunter eine von Götz von Berlichingen sowie Panzer der Ehrengarde des Kaisers aus dem 19. Jahrhundert. "Ein Herr Hopp alleine könnte das alles gar nicht bezahlen. Vielleicht wenn er mit Herrn Schwarz und Herrn Würth zusammenlegen würde", sagt von Savary.

Findbuch Der Burgherr denkt aber gar nicht daran, Teile der Sammlung zu Geld zu machen. Für von Gemmingen steht fest: "Diese Schätze sind unverkäuflich." Seine 165 laufenden Meter will er jetzt aber als Depositum ins Generallandesarchiv nach Karlsruhe geben. Hier sind sie nicht nur vor Wasser geschützt, die Unterlagen werden auch digital erfasst. Wer derzeit in Gemmingens Archiv ein bestimmtes Dokument sucht, kann zwar ein Findbuch zu Rate ziehen. Einen Treffer zu landen, ist aber eher Glückssache.

Ein Füllhorn historischer Kostbarkeiten
Baron Dajo von Gemmingen blättert im Buch über den Eichstätter Garten.