Durchgemachte und durchgefrorene Nächte für Daniel Craig

Und Action! Einmal James Bond live erleben. Dafür hat Sabine Carle gerne gefroren und drei Nächte durchgemacht. Die Architektin aus Heilbronn- Böckingen war drei Tage bei den Dreharbeiten für den neuen James-Bond-Film im Festspielhaus in Bregenz. Ihre Auswahl war pures Glück

Von Melanie Kräuter

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Sabine Carle
Heilbronn/Bregenz - Und Action! Einmal James Bond live erleben. Dafür hat Sabine Carle (Foto: Kräuter) gerne gefroren und drei Nächte durchgemacht. Die Architektin aus Böckingen war drei Tage bei den Dreharbeiten für den James-Bond-Film im Festspielhaus in Bregenz. Ihre Auswahl war pures Glück.

Das Casting: Ein Aufruf im Radio, eine Schwester, die bei Bregenz wohnt, ein Freitag im März, ein Abendkleid im Gepäck, Kampf durch hunderte Mitbewerber nach vorne. Im Theater: Fragebogen ausfüllen, Abendkleid an, Nummer bekommen, Lächeln, Castingfoto.

Beim Dreh am 1. Mai spielen etwa 300 Statisten Theatergäste. Sabine Carle bekommt in der Maske ein schwarzes Abendkleid, wird mit Schmuck ausstaffiert, frisiert und geschminkt. Die gleiche Prozedur bei allen Statisten, an jedem Drehtag. „Ich hätte nicht gedacht, dass sie für alle Komparsen so einen Aufwand machen“, sagt die 36-Jährige.

Drehbeginn

Erst warten bis es dunkel ist, dann um 22 Uhr endlich Action! „Nicht in die Kamera schauen“, ist die Order. Einige Statisten fahren in noblen Privatautos vor, andere laufen paarweise zum Eingang des Festspielhauses und unterhalten sich im Foyer. „Die Szene wurde mindestens zehnmal wiederholt“, erzählt Carle. „Zwei Minuten hat der Dreh gedauert, dann schaute sich die Crew alles an.“ Auch in den Pausen amüsiert sich Carle super. „Die Stimmung unter den Statisten war sehr gut.“ Schnitt. Zweite Szene: Der Bösewicht kommt durch den Haupt-, James Bond durch den Nebeneingang. „Da habe ich mich schon ein bisschen geärgert, dass ich nicht dort stand.“ Um halb sechs morgens ist der Dreh zu Ende. Schnitt.

Nächster Drehtag: Wieder dunkel, noch kälter. Es wird draußen rund um die Seebühne gedreht. 1500 Statisten werden als Zuschauer auf die Tribüne gesetzt. Sabine Carle friert. Jeder bekommt eine Decke und warme Getränke. „Immer wenn gedreht wurde, mussten wir die Decken unter den Sitz legen.“ Dann endlich sieht sie James-Bond-Darsteller Daniel Craig. Die Szene: Im Hintergrund das spektakuläre Bühnenbild von Tosca, ein blaues Riesenauge. James Bond springt geschätzte eineinhalb Meter von der Bühne auf einen Steg, rennt über den See die Zuschauerränge hoch. „Leider mussten wir auf die Bühne gucken“, bedauert die 36-Jährige. „Aber wenigstens konnten wir ihn kurz sehen, als er wieder runtergegangen ist.“ Blond, blauäugig und durchtrainiert war er. „Die Actionszenen haben wir leider nicht gesehen, die wurden ohne Statisten gedreht.“ Ist ja alles geheim. Schnitt.

Drei durchgemachte und durchgefrorene Nächte, aber keine Erkältung. „Bis 4 Uhr ging es immer ganz gut, da hat der Kaffee noch geholfen. Die letzten zwei Stunden waren am schlimmsten“, erinnert sich Carle. „Es war beeindruckend, es wurde von 22 bis 6 Uhr gedreht. Im Film sind es nur zehn Minuten.“ Dass sich Carle im Kinofilm sieht, bezweifelt sie. „Mich interessiert jetzt auch viel mehr die Umsetzung.“ The End.