Die ganz normalen Abenteuer mit der Frankenbahn

Region Notwendiger Hochleistungssport und praktische Verspätungen: Auszüge aus dem Tagebuch einer Zugpendlerin

Von Franziska Renner

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Aus- und umsteigen: Viele fahren mit der Bahn zur Arbeit oder zur Schule. Verspätungen sollten aber immer einkalkuliert sein.Foto: Archiv/Seidel

Region Notwendiger - Ich wohne in Siglingen, einem Teilort von Neudenau, der praktischerweise an der Frankenbahn-Strecke liegt. Im August machte ich ein Praktikum in der Redaktion der Heilbronner Stimme. Da die Spritpreise das Budget einer Schülerin sprengen, fuhr ich mit dem Zug nach Heilbronn. Schließlich ist die Bahn eines der umweltfreundlichsten Verkehrsmittel.

Montag, 3. August

Böse Zungen nennen sie Frankenstein-Bahn, da die eine oder andere Horrorgeschichte kursiert. Die Opfer darin: arglose Zugreisende. Vor etwa fünf Wochen hatte ein Lokführer vergessen, die Zugtüren in Jagstfeld zu entriegeln. Die verzweifelten Fahrgäste hämmerten und traten, doch die Türen blieben zu. Der Fehler wurde zu spät bemerkt: Als die Reisenden erleichtert in ihre Freiheit stürzten, suchten sie vergebens nach ihren Anschlusszügen. Die waren abgefahren - und die Fahrgäste saßen in Jagstfeld fest. Ich bin unbesorgt. Seit Jahren fahre ich mit dem Zug in die Schule nach Möckmühl. Für Notfälle habe ich die Nummern meiner Kollegen notiert. Ein Handy hat jeder Profi-Bahnreisende bei sich.

Mittwoch, 5. August

Ich liebe Zugfahren: Die RB 19875 kommt pünktlich um 8.52 Uhr in Siglingen an. Ich zerre die Türen auf und setze mich in ein ruhiges Abteil. Warum ist es hier so heiß? Wahrscheinlich läuft die Heizung mal wieder mitten im Sommer auf Hochtouren und treibt die Temperatur auf Sauna-Niveau. Ich öffne ein Fenster. An mir fliegt die wunderschöne Landschaft des Jagsttals vorbei. In Jagstfeld muss ich umsteigen. Ich nehme den nächsten Zug nach Heilbronn, wo ich um 9.25 Uhr ankomme. 35 Minuten, um gemütlich zur Stimme-Redaktion an der Allee zu laufen.

Dienstag, 11. August

„Sänk ju for träwäling wiz Deutsche Bahn“: Mein Zug hat heute Morgen genau die vier Minuten Verspätung, die ich in Jagstfeld zum Umsteigen brauche. Noch dazu fährt er mit einem Karacho an, dass ich befürchte, der Lokführer habe die Haltestation vergessen. Wer einmal seinen Zug an sich vorbeirauschen sah, weiß, wovon ich spreche. Aber er hält - wenn auch fast in Neudenau. Ich renne 50 Meter und steige ein. In Jagstfeld angekommen, ramme ich die Türen auseinander und flitze los. Mit wehenden Haaren stolpere ich auf Gleis 11. „Halt!“, brülle ich. Ich sehe mich um. Kein Zug. O Gott, ich habe ihn verpasst. Nein: Die Lautsprecher-Dame teilt mir mit, dass dieser Zug heute leider ausfällt. Der nächste fährt erst in einer halben Stunde. Naja, da komme ich gerade noch rechtzeitig zur Redaktionskonferenz. Doch weit gefehlt: Der RE 4833 hat fünf Minuten Verspätung. Chancen, noch pünktlich zur Arbeit zu kommen: null.

Montag, 17. August

Verflixt, ich bin spät dran. Wieder einmal rase ich in Rekordzeit aus der Redaktion Richtung Hauptbahnhof. Wenn ich den Zug verpasse, warte ich 81 Minuten auf den nächsten. Nein, danke! 18.44 Uhr, pünktlich auf die Minute, komme ich keuchend und mit hochrotem Kopf auf Gleis drei an, wo mein Zug schon wartet. Oder nicht. Aus dem Lautsprecher ertönt eine mechanische Frauenstimme: „Meine sehr geehrten Damen und Herren auf Gleis drei: Der RE 4954 hat voraussichtlich fünf Minuten Verspätung.“ „Wenn man sich auf etwas bei der Bahn verlassen kann“, murmelt das Mädchen neben mir, „dann auf die Verspätungen.“

Dienstag, 25. August

Es regnet. Und ich kann meinen Schirm nicht finden. Als ich das blöde Ding endlich unter einem Schal entdecke, habe ich noch eine Minute, bis der Zug fährt. Von meinen Nachbarn angefeuert, sprinte ich los. Gott sei Dank kommen Züge nie zu früh. Das wäre für manche Fahrgäste fatal. Zum Beispiel für mich jetzt. Um 8.53 Uhr, eine Minute zu spät, bin ich am Bahnhof. Doch der Zug hat glücklicherweise selbst drei Minuten Verspätung. Zwar wird es in Jagstfeld knapp, aber inzwischen bin ich Kurzsprints gewohnt. Ohne Atemnot erreiche ich Gleis 11.

Fazit

Pendeln mit der Frankenbahn ist günstig, aber nervenaufreibend. Die sportlichen Leistungen in Sprint und Dauerlauf verbessern sich stark. Für gelassene Hochleistungssportler ist die Bahn also die ideale Reisemöglichkeit. Und: Nicht alle Verspätungen kommen ungelegen.