Die Zeit der Ächtung scheint vorbei

Bad Friedrichshall - Eigentlich ist es ein ganz gewöhnlicher Sonntagvormittag: Auf dem Parkplatz vor der kleinen Kapelle „Sieben Schmerzen Mariens“ am Ortsrand von Bad Friedrichshall drängen sich die Autos. Die Kirche ist gut besucht, wie immer. Bis zu hundert Teilnehmer bei einer Messe sind die Regel, sagt Pfarrer Gerd Heumesser. Und doch ist es für seine Gemeinde und ihn ein ganz besonderer Tag. Heumesser ist Mitglied der Priesterbruderschaft St. Pius. Er feiert den ersten Gottesdienst, nachdem der Vatikan die Exkommunikation von vier Bischöfen seiner Kongregation aufgehoben hat.

Von Siegfried Lambert

Die Zeit der Ächtung scheint vorbei

„Die katholische Tradition ist nun nicht mehr exkommuniziert.“

Bernhard Fellay, Generaloberer

Bad Friedrichshall - Eigentlich ist es ein ganz gewöhnlicher Sonntagvormittag: Auf dem Parkplatz vor der kleinen Kapelle „Sieben Schmerzen Mariens“ am Ortsrand von Bad Friedrichshall drängen sich die Autos. Die Kirche mit dem weithin leuchtenden goldenen Kreuz auf dem First und den frommen Deckenmalereien ist gut besucht, wie immer. Bis zu hundert Teilnehmer bei einer Messe sind die Regel, sagt Pfarrer Gerd Heumesser.

Und doch ist es für seine Gemeinde und ihn ein ganz besonderer Tag. Heumesser ist Mitglied der Priesterbruderschaft St. Pius. Er feiert den ersten Gottesdienst, nachdem der Vatikan die Exkommunikation von vier Bischöfen seiner Kongregation aufgehoben hat. „Wir freuen uns alle, dass der Papst eingelenkt hat. Denn diese Verurteilung hat viele Menschen abgeschreckt“, sagt der 29-Jährige ruhig.

Legal und illegal

Die erzkonservativen Traditionalisten sind in der katholischen Kirche nicht wohlgelitten. Daran hat auch die Geste von Benedikt XVI. nur wenig geändert. Schließlich lehnen Gruppen wie die in Bad Friedrichshall Reformen ab und fordern Messfeiern in lateinischer Sprache. Nach Ansicht von Kirchenrechtlern steht die Bruderschaft nicht im Dienst der römisch-katholischen Kirche. Offiziell gelten ihre Bischöfe als „illegal Geweihte“.

Aber der junge Seelsorger ist an diesem Vormittag optimistisch gestimmt, wie viele in seiner Gemeinde. „Ich hoffe, dass als nächster Schritt aus Rom die Rehabilitierung unseres Gründers Marcel Lefebvre kommt“, sagt er und verabschiedet sich, um die Beichte abzunehmen. Zuvor hat er die Stellungnahme des Generaloberen der Bruderschaft zur erfreulichen Entwicklung im Vorraum ausgehängt. „Die katholische Tradition ist nicht mehr exkommuniziert“, steht dort. Und dass Gespräche über Glaubensfragen mit Rom gewünscht werden.

Am Schwarzen Brett können die Mitglieder auch die Reaktion auf die Äußerungen des Holocaust-Leugners Richard Williamson nachlesen, die für erheblichen Wirbel sorgten. Der Traditionalisten-Bischof hatte die Ermordung von sechs Millionen Juden bestritten. „Unsere Oberen haben dazu alles gesagt“, erklärt Heumesser dazu knapp und verweist auf die klare Distanzierung.

Diese Erklärung lesen an diesem Tag viele aufmerksam, bevor sie in die Kirche gehen. Der Gottesdienst wird wie immer in lateinischer Sprache abgehalten. Auf das „Dominus vobiscum“ (Der Herr sei mit euch) antwortet die Gemeinde „Et cum spiritu tuo“ (Und mit deinem Geiste). Die „neue katholische Messe“ hat in der Kirche, die vor elf Jahren eingeweiht wurde, keine Chance. Lefebvre hat sie einmal „ein für den Glauben schädliches Gift“ genannt.

Kein Thema

In der Predigt streift Heumesser die aktuellen Ereignisse mit keinem Wort. Er spricht über „lässliche Sünden“.

„Die Judenmorde sind für uns kein Thema“, sagt später eine ältere Frau aus einer Landkreisgemeinde. „Unser Pfarrer würde so etwas niemals sagen.“ Eine Frau aus Gundelsheim stimmt ihr zu. „Dass der Papst auf uns zukommt, ist wunderbar. Ich will die Messe so feiern, wie es schon meine Eltern getan haben. Was soll daran falsch sein?“

Einige Mitglieder nehmen lange Wege in Kauf, um an diesem Gottesdienst teilzunehmen. „Ich bin jeden Sonntag da“, sagt ein 40-Jähriger aus Dallau im Neckar-Odenwald-Kreis. „Ich muss zwar eine Stunde fahren, aber dafür höre ich die Messe, wie es sich gehört, in Latein.“