Der Gegner gratuliert sogar

Region Heilbronn - Für den Heilbronner FDP-Kreisvorsitzenden und Stuttgarter Wirtschaftsstaatssekretär Richard Drautz ist ganz klar, wo die Schuldigen sitzen. In der CDU-Fraktion gebe es eine große Unzufriedenheit mit Angela Merkel: "Das war eine Abstrafung der Kanzlerin."

Region Heilbronn - Für den Heilbronner FDP-Kreisvorsitzenden und Stuttgarter Wirtschaftsstaatssekretär Richard Drautz ist ganz klar, wo die Schuldigen sitzen. In der CDU-Fraktion gebe es eine große Unzufriedenheit mit Angela Merkel: "Das war eine Abstrafung der Kanzlerin."

Störerrolle

Drautz ist gerade auf dem Weg nach Berlin zum parlamentarischen Abend in der Landesvertretung und zur heutigen Vereidigung des vorgestern gewählten Bundespräsidenten Christian Wulff, als die Heilbronner Stimme ihn erreicht. Da legt er dar, dass nicht etwa die Liberalen den gemeinsamen Kandidaten beinahe hätten über die Klinge springen lassen: "Bei der FDP gab es genau vier Wahlmänner, die erklärt haben, dass sie Wulff nicht wählen. Diese vier aber hätten nicht zur Nichtwahl geführt." Die CSU habe die "Störerrolle in der Koalition". Nach dem "Warnschuss" hofft der liberale Landespolitiker, dass "das jetzt mal aufhört" und die Berliner Koalition "nun endlich durchstartet".

"Er wird ein sehr bürgernaher Bundespräsidenten mit eigenem Stil sein." Dr. Bernhard Lasotta, Vorsitzender des Kreisverbandes von Stadt- und Landkreis-CDU, ist vom neuen Staatsoberhaupt Christian Wulff überzeugt. Dass die Wahl zur "Hängepartie" wurde, habe nichts mit Wulff zu tun, sondern "mit der Unzufriedenheit darüber, was im letzten Jahr in der Koalition lief". Werde der "Warnschuss" von der Kanzlerin nicht ernst genommen, bekomme die Koalition "wirklich Probleme". Man erwarte in der Partei wie auch bei den Bürgern nun "klare Entscheidungen und klare Linien für die wichtigen Themen" wie Gesundheit, Pflege, Vereinfachung des Steuerrechts und Entscheidungen zur Kernenergie.

"Eine vertane Chance" nennt Rainer Hinderer, der SPD-Kreisvorsitzende Heilbronn-Stadt, Wulffs Wahl − dem er trotz allem gratuliert und ihm "eine glückliche Hand" wünscht. Dass Joachim Gauck nicht gewählt wurde, "bedauere ich sehr. Er wäre ein Präsident mit großer Ausstrahlung gewesen, genau das, was wir in der Krise brauchen". Er habe politische Aufbruchstimmung und Begeisterung ausgelöst. Als "besonders ärgerlich" bezeichnet es Hinderer, dass Die Linke es nicht schaffe, "sich von ihrer SED-Vergangenheit loszulösen".

Kein Populismus

Dass Die Linke Gauck nicht wählen konnte, liegt für Florian Vollert nicht an dessen Umgang mit den Stasi-Unterlagen. Das Mitglied im Heilbronner Kreisvorstand der Partei nennt inhaltliche Gründe: Bei Sozialthemen vertrete der Konservative Gauck keine linken Positionen, dem Afghanistaneinsatz der Bundeswehr stehe er nicht ablehnend gegenüber. Nur darauf zu schielen, dass man mit seiner Wahl der Koalition womöglich hätte den Todesstoß versetzen können, das wäre für Vollert "nur Populismus gewesen". iba/kal