Das war 2006: Sommermärchen und Schattenseiten

Region - Gute Stimmung bei Fußball-WM und in der Wirtschaft, aber auch Arbeitskampf und Abfallprobleme

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Die Fußball-WM 2006 versetzt auch die Menschen in der Region in einen kollektiven Freudentaumel. Im "Hip Island" in Heilbronn feiern Fußballfans mit einer Fahne für zwei Nationen.Fotos: Archiv/Veigel

Region  - Nicht nur Sportfreunde verbinden mit dem Jahr 2006 vor allem eines: die Fußballweltmeisterschaft. Die Spielfreude von Klinsmanns Team springt auf das ganze Land über. Die Deutschen scheinen einen unverkrampften Patriotismus zu entwickeln. Überall wehen schwarz-rot-goldene Fahnen. Auch die Region erlebt bei traumhaften Temperaturen ein Sommermärchen: beim sogenannten Public Viewing auf der Heilbronner Theresienwiese, auf dem Neckarsulmer Marktplatz, im Autokorso, in der Kneipe, daheim, überall. Zwei Tage vor dem Finale trübt am 7. Juli ein Unwetter die Stimmung und verursacht im Zabergäu Millionenschäden.

Fahnen und Transparente wehen über Wochen hinweg schon zu Jahresbeginn, allerdings aus einem ganz anderen Grund. Im öffentlichen Dienst sind Streiks angesagt. Straßenreiniger, Theaterleute, sogar Ärzte legen die Arbeit nieder. Es geht nicht nur um Arbeitszeiten und Stundenlohn, sondern auch um die Gesundheitsreform. Trotz Turbulenzen besiegeln die Stadt- und Landkreis Kliniken (SLK) Heilbronn eine Holding mit Hohenlohe, die Klink Löwenstein wird gekauft.

Sommermärchen und Schattenseiten
Lautstarke Proteste bei den Streiks im öffentlichen Dienst.Foto: Archiv/Sattar

Müllprobleme

Dicke Luft herrscht beim Hausmüll. Ein Wechsel bei der Abfuhr bewirkt, dass im Landkreis wegen logistischer Probleme zu Jahresbeginn die Mülltonnen nicht abgeholt werden. Eine biologisch-mechanische Müllbehandlungsanlage im Heilbronner Osthafen sorgt für Gestank, unter dem vor allem Neckarsulmer leiden. Gut läuft im letzten Quartal die Verteilung der neuen Mülltonnen, die alten hatten keine Rollen. Derweil werden im Kernkraftwerk Neckarwestheim die ersten Castoren mit Atommüll eingelagert, in neu geschaffenen Stollen ist für 151 Platz. Das GKN versucht mit einem Tag der offenen Tür die Bevölkerung zu beruhigen.

Das Audi-Werk öffnet im Herbst zu einem erfreulicheren Anlass die Tore. Vor 100 Jahren wurde in Neckarsulm das erste Automobil gebaut, gleichzeitig markiert das große Festwochenende den Produktionsstart des Sportwagens R8. Im Jubiläumsjahr verzeichnet der Standort mit 250 000 Autos einen Produktionsrekord. Am Jahresende kommt es zu einem spektakulären Wechsel: Der erfolgreiche Audi-Chef Martin Winterkorn soll in der Nachfolge von Bernd Pischetsrieder den kriselnden VW-Konzern auf die Erfolgsspur lenken.

Die Wirtschaft brummt wie zuletzt in den Boomjahren der Wiedervereinigung. Viele Unternehmen florieren und investieren: Audi, Kolbenschmidt, Würth, Layher, Salzwerke. Nicht alle Branchen profitieren vom Aufschwung. Während Maschinenbauer händeringend Ingenieure suchen, werden im Finanz- und Immobiliensektor kaum neue Stellen geschaffen. Auch auf dem Bau sind die Aussichten verhalten.

Derweil scheiden sich in Heilbronn an zwei Großprojekten die Geister. Nach jahrelangen Diskussionen wird auf dem brachliegenden Landerer-Areal im August der Grundstein für die ECE-Stadtgalerie gelegt. Kurz darauf gelingt im Beilharz-Komplex der Durchbruch, die Verträge zum Klosterhof-Kaufhaus kommen unter Dach und Fach. Leuchtturmcharakter hat der Glaskubus auf dem Kaiser's Turm am Neckar.

Sommermärchen und Schattenseiten
Auf dem Landerer-Areal wird der Grundstein für die Stadtgalerie gelegt.

Bei insgesamt 400 Aktionen spenden Bürger und Firmen der "Unicef-Kinderstadt Heilbronn" 1,55 Millionen Euro. Mit neuen Betreuungsmöglichkeiten werden die Weichen für eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf gestellt. In Obersulm öffnet der Neubau des evangelischen Paul-Distelbarth-Gymnasiums die Pforten.

Raubmord

Für Schlagzeilen sorgt nach wie vor der Raubmord von Siegelsbach. Nach 558 Tagen in Haft und einer Prozessdauer von einem Jahr wird der Bäcker Alfred B. im April 2006 frei gesprochen. Weil er seine Frau und deren Liebhaber erschießt, wird im November ein Polizist aus Bad Friedrichshall zu 13 Jahren Haft verurteilt.