Das war 2005: Als wir Papst und Kanzlerin wurden

Region Heilbronn - Und dann blättert man nach in all den Papieren, die der persönlichen Erinnerung dankenswerterweise auf die Sprünge zu helfen vermögen, und besinnt sich mit Staunen: 2005 war ein Jahr mit weltbewegenden Personalien, sowohl geistlich wie weltlich.

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Drei Jahre war er verhüllt und eingerüstet, jetzt sind die Blicke auf das sanierte Heilbronner Wahrzeichen Kiliansturm wieder frei.Foto: Archiv/Kugler

Region Heilbronn - Und dann blättert man nach in all den Papieren, die der persönlichen Erinnerung dankenswerterweise auf die Sprünge zu helfen vermögen, und besinnt sich mit Staunen: 2005 war ein Jahr mit weltbewegenden Personalien, sowohl geistlich wie weltlich.

Weißer Rauch

Fast könnte man nachträglich meinen, mit bloßen Augen von Heilbronn bis nach Rom gesehen zu haben, so gespannt verfolgten wir in der Zeitungsredaktion Mitte April die Nachrichten, die von der Sixtinischen Kapelle kamen. Fast könnte man meinen, wir hätten den weißen Rauch tatsächlich gesehen, der schließlich signalisierte: Ein neuer Papst ist gewählt.

"Wir sind Papst", titelte die "Bild"-Zeitung tags darauf - die kürzestmögliche Zusammenfassung der historischen Tatsache, dass erstmals seit 480 Jahren ein deutscher Staatsangehöriger katholisches Kirchenoberhaupt wurde. Es ist Joseph Ratzinger, seitdem besser bekannt unter dem Namen Benedikt XVI.

Mächtig

Als wir Papst und Kanzlerin wurden
Erste Frau an der Spitze der deutschen Regierung: Angela Merkel.Foto: dpa
"Wir sind Kanzlerin", konnte im September die weibliche Einwohnerschaft der Bundesrepublik im Stillen hinzufügen: Nach Gerhard Schröders Vertrauensfrage und vorgezogenen Parlamentswahlen war zum ersten Mal in der bundesdeutschen Geschichte der mächtigste Mensch der politischen Republik eine Frau.

Eine Frau noch dazu (aber das können wir erst aus heutiger Sicht wissen), die knapp vier Jahre später die Stirn besaß, den Papst zu ermahnen. Als "nicht akzeptable Einmischung in Kirchenangelegenheiten" rügten Bischöfe und Unionspolitiker im Februar 2009 die Tatsache, dass Angela Merkel eine klare Haltung des Vatikan im Fall des Holocaust-Leugners Bischof Richard Williamson anzumahnen wagte. Aber zurück ins Jahr 2005.

Auch direkt vor unserer regionalen Haustür wechselte hier und dort das Personal: Detlef Piepenburg folgte Klaus Czernuska als Heilbronner Landrat, an der Spitze der IHK beerbte Thomas Philippiak Günter Steffen, und im Heilbronner Rathaus wurde Harry Mergel Kulturbürgermeister - sechs Jahre nach seiner Kandidatur für das Amt des Oberbürgermeisters.

Zukunftweisend

Als wir Papst und Kanzlerin wurden
Erster deutscher Papst nach 480 Jahren: Benedikt XVI.Foto: dpa
Zwei zukunftweisende Entscheidungen fallen im Jahr 2005: Die Stadt Heilbronn erhält die Option zur Ausrichtung der Bundesgartenschau 2019, und die ECE bekommt die Baugenehmigung, auf dem Landerer-Areal ein City-Shoppingcenter zu erstellen. Während die stadtprägende Buga heute aus finanziellen Gründen noch nicht beschlossene Sache ist, so kann man doch inzwischen sicher sagen: Die einst mit dem ECE-Center verbundene Befürchtung, die umliegende Handelslandschaft könnte "veröden", hat sich nicht bewahrheitet. Eher im Gegenteil.

Zwei Dingen sollten wir noch kurz unseren Blick zuwenden, bevor wir uns aus dem Jahr 2005 wieder verabschieden. Der erste Blick gilt dem Kiliansturm. Nach drei Jahren Bauzeit steht das sanierte Wahrzeichen endlich wieder unverhüllt da. Ein wahrer Grund zur Freude.

Teurer Sprit

Weniger erfreulich war aus damaliger Sicht der Blick auf die Benzinpreise: "Teuer wie nie" schienen uns Journalisten 1,29 Euro für den Liter Normalbenzin und 1,31 Euro für Super. Abgesehen davon, dass es inzwischen gar kein Normalbenzin mehr gibt: Heute sind uns diese Größenordnungen geläufig - und allemal lieber als die über 1,50 Euro, um die wir 2008 nicht herumkamen.