Das war 2002: Elbe-Hochwasser und Europa-Währung

Das war 2002: Das Jahr, in dem schon einmal die schlimmste Finanzkrise der Nachkriegsgeschichte ausgerufen wurde

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Die Eishalle sollte nur umgebaut werden, doch dann wurde für 7,5 Millionen Euro (also 15 Millionen Mark) fast ein Neubau daraus. Das Eisstadion, in dem 4000 Zuschauer die Spiele des HEC verfolgen können, heißt damals Knorr-Arena.Foto: Archiv/Dirks

Region - Der Euro 300 Millionen Menschen in zwölf europäischen Staaten haben Schlag 1. Januar eine gemeinsame Währung: Der Euro löst die gute alte D-Mark ab. Die Umstellung halbiert die Schulden - und die Einnahmen, rein optisch. Heilbronn spricht von der schlimmsten Finanzkrise der Nachkriegsgeschichte. Im Jahr 2002 brechen der Regionsmetropole und anderen Kommunen die Gewerbesteuereinnahmen weg. Steueroasen wie Norderfriedrichskoog werden als Schuldige ausgemacht. Im Jahr 2009 werden die negativen Superlative neu definiert.

Doch es gibt auch einen wahren Geldsegen für die Kommunen, die Zeag-Stromaktien an den Energieversorger EnBW verkaufen: 178 Millionen Euro erlöst Heilbronn, 59 Millionen Euro fließen in den Landkreis. Schulden werden getilgt. Heilbronn legt einiges auf die hohe Kante. Für Zukunftsinvestitionen, heißt es damals. 2009 wissen wir: Es werden laufende Ausgaben damit bezahlt und Einnahmelöcher gestopft.

Elbe-Hochwasser und Europa-Währung
Die Stadtbahn des New Yorker Künstlers James Rizzi.Foto: Archiv/Scheffler
Die Wirtschaft in der Region Heilbronn wird im Jahr 2002 von schlechten und guten Nachrichten gleichermaßen ereilt. Palmbräu muss Insolvenz anmelden - das Trauerspiel um die Eppinger Traditionsbrauerei hält bis ins Jahr 2009 an. Daneben gibt es die (noch) guten Nachrichten: Der Getriebehersteller Getrag feiert in Untergruppenbach Einweihung. Bei Bosch in Abstatt wird gebaut.

Auch das ist 2002: Im Januar ein Frostrekord von minus 16 Grad, im Juni 37 Grad Hitze. Der Pop-Art-Künstler Rizzi gestaltet eine Stadtbahn mit Heilbronn-Motiven. Im Landkreis werden reihenweise Bürgermeister gewählt: Joachim Weller (Untergruppenbach), Ralf Steinbrenner (Leingarten), Peter Dolderer (Bad Friedrichshall), Timo Frey (Eberstadt), Norbert Heuser (Neuenstadt), Wolfgang Rapp (Ellhofen).

Autobahn

Was bleibt, was nicht? Heilbronn darf sich erstmals (und 2009 immer noch) sicherste Großstadt nennen, der Trinker-Erlass für öffentliche Plätze hält nicht lange, die umstrittene Videoüberwachung bringt Erfolg, weshalb sie überflüssig wird. Über den Neitech redet seit 2002 keiner mehr, aber immer noch über den sechsspurigen Ausbau der A6. Für den unterschreiben 50 000 Menschen dieser Region. Die regionale Wirtschaft und die an der überlasteten Autobahn liegenden Stadt- und Landkreise beschließen die Vorfinanzierung eines ersten Planungsstückes. Heute wissen wir: Es werden weitere folgen. Und: Das Problem ist noch nicht gelöst.