Butler Karl ist sein Geld wert

„Maskerade“ zeigt in der Ballei, was ambitioniertes Laientheater in der Kulturregion Heilbronn leistet

Von Claudia Schönberger

Tante Lieselotte bringt Charly dazu, ihr einen Heiratsantrag zu machen: Am Samstag, 15. März, 19.30 Uhr, auch in der Lauffener Stadthalle.Foto: Marc Schmerbeck  

Neckarsulm - Ein sturzbetrunkener Hauptdarsteller, ein Modellkleid in x-facher Ausfertigung, mehrere Liebespaare und ein Butler, der die Fäden zieht: Das waren die Zutaten für den äußerst vergnüglichen Auftakt des Theaterprojekts der Kulturregion Heilbronn mit dem Stück „Drei Tanten für Charly“.

„Vorhang auf“ hieß es am Samstagabend in der Neckarsulmer Ballei für das Ensemble „Maskerade“ der Kreissparkasse Heilbronn, das seit 26 Jahren in wechselnder Besetzung auf der Bühne steht. 80 weitere Auftritte von Laientheatergruppen aus Stadt- und Landkreis sowie Hohenlohe werden 2008 noch folgen.

Identifikation „Regional und lokal geprägte Kunst und Kultur dienen der Identifikation der Menschen mit der Kommune, in der sie leben“, betonte Jagsthausens Bürgermeister und Kulturregions-Vorsitzender, Roland Halter, zur Begrüßung. Und Neckarsulms Bürgermeister Klaus Grabbe bezeichnete „all die, die zur Bereicherung der Kulturszene beitragen“, als Ehrengäste.

Die Lacher auf seiner Seite hatte von Anfang an Charly (Ralf Andraschek). Hätte er in der vorangegangenen Ballnacht nicht so viel getrunken, den Zuschauern wäre etwas entgangen. Sie belohnen ihn immer wieder mit Szenenapplaus. Es ist aber auch zu köstlich, wie er schwankt und lallt. Wie verzweifelt er ist, als ihm klar wird, dass ihn seine Tante Lieselotte (Bettina Wiedmann) in der Nacht dazu gebracht hat, ihm einen Heiratsantrag zu machen, obwohl er doch Jutta (Claudia von Langen Kühner) liebt. Oder wie er am nächsten Morgen glaubt zu halluzinieren. Denn plötzlich gibt es drei Tanten. Die echte und zwei verkleidete: Charlys etwas naiver Bruder Thomas (Marcel Rieschl), dem seine intrigante Frau Silvia (Annette Moll) eingeredet hat, dass der vermeintliche Fremdenlegionär Willy (Alexander Schmidt), in den sich Tante Lieselotte verliebt hat, ein Erbschleicher ist. Und Frank, der mit der Maskerade erreichen will, dass seine Verlobte Gabi (Sandra Wakunda) einen Job in Charlys und Lieselottes Firma bekommt.

Verwirrung Als auch noch Gabi und Jutta als Charly verkleidet auftauchen, ist die Verwirrung komplett. Ein Missverständnis folgt aufs nächste. Wie auf den Leib geschneidert ist Andreas Adam die Schlüsselrolle des Butlers Karl, der als einziger weiß, wer wer ist, und sich seine Ratschläge und sein Schweigen von den Familienmitgliedern teuer bezahlen lässt. „Ich bin mein Geld wert“, stellt er fest. Auch das Publikum weiß das zu honorieren.