Bürger machen gegen Mobilfunkmast mobil

Schwaigern - Eine gewisse Symbolkraft konnte man dem Treffpunkt nicht absprechen. Rund 40 Anwohner waren am Mittwochabend in der Metzgerei Bälz im Schwaigerner Ortsteil Stetten zusammengekommen, um ihrem Zorn und ihrer Wut Ausdruck zu verleihen.

Von Friedhelm Römer

Bürger machen gegen Mobilfunkmast mobil
Teils heftige Kritik musste sich Jürgen Kachel (hinten links) gefallen lassen. Die Anwohner sind mit seinem Vorgehen nicht einverstanden.Foto: Friedhelm Römer

Schwaigern - Eine gewisse Symbolkraft konnte man dem Treffpunkt nicht absprechen. Rund 40 Anwohner waren am Mittwochabend in der Metzgerei Bälz im Schwaigerner Ortsteil Stetten zusammengekommen, um ihrem Zorn und ihrer Wut Ausdruck zu verleihen. Eine Wut, die sich gegen Stadtrat Jürgen Kachel richtete, der ebenfalls gekommen war, um sich der Situation zu stellen.

Besorgt

Seitdem sich der 40-Jährige in der vergangenen Woche einen Mobilfunkmasten auf seine Scheune mitten im Wohngebiet hat installieren lassen, ist die Welt in Stetten nicht mehr die gleiche wie vorher. Denn viele Bürger befürchten durch eine mögliche Strahlenbelastung Schäden für die Gesundheit auf Mensch und Tier.

Die Emotionen kochten am Abend hoch, und einige Anwohner gingen nicht gerade zimperlich mit ihrem Nachbarn ins Gericht. "Dir geht es doch nur ums Geld. Ich würde mich schämen, und wenn du Charakter hast, dann trittst du als Stadtrat zurück", sagte Adolf Maurer. Es war von "Vertrauensbruch" die Rede, und Kachel musste sich Fragen gefallen lassen, warum er die Nachbarn nicht vorher über seine Pläne informiert habe.

Neben all dem Unmut gelang es der Initiative dennoch, sich auf Ziele zu konzentrieren. "Es geht hier doch nicht darum, Jürgen Kachel niederzumachen, sondern die Antenne wieder von der Scheune herunter zu bekommen", forderte Karin Eckstein die Rückkehr zu einer sachlichen Basis. Jürgen Kachel selbst gab sich schuldbewusst: "Es wäre besser gewesen, wenn ich die Bürger früher informiert hätte. Ich war zu blauäugig und habe dazugelernt." Schließlich gehe es ihm auch darum, wieder ein gutes Verhältnis zu den Nachbarn zu bekommen.

Die Bürgerinitiative kündigt auch Fragen Richtung Stadtverwaltung an, wann sie welche Informationen über die Pläne erhalten hat. "Das ist ein genehmigungsfreier Vorgang, da können Sie rechtlich gar nichts machen", erklärte Bauamtsleiter Claus Rehder gegenüber der Heilbronner Stimme. Wolfgang Sigle vom BUND Schwaigern, reicht dies jedoch nicht aus: "Die Bürger wurden vor den Kopf gestoßen, und dabei hat auch die Stadtverwaltung ihren Anteil, weil es ein Thema betrifft, das dermaßen kontrovers diskutiert wird."

Team
 
Schließlich kristallisierte sich ein fünfköpfiges Team heraus, das sich diesem Thema in verstärktem Maß annimmt. Seit gestern ist in Stetten eine Unterschriftenaktion im Umlauf, die den Abbau des Funkmastens fordert.

Darüber hinaus soll Jürgen Kachel dazu gedrängt werden, sich einen Anwalt zu nehmen, um die Möglichkeiten auszuloten, aus dem Vertrag wieder auszusteigen. Unterdessen setzt Bürgermeister Johannes Hauser auf eine Versachlichung des Themas: "Ich könnte mir vorstellen, dass die Stadtverwaltung einen anerkannten Experten einlädt, der Dinge wie die mögliche Strahlenbelastung aus seiner Sicht darstellt."


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