Bienenvölker schwärmen für ihre Paten aus

Imkerverein stellt Stöcke in privaten Gärten auf − Am Ende der Saison gibt es Honig als Dank

Von Ulrike Bauer-Dörr

Bienenvölker schwärmen aus
Bodo Peter (links) zeigt Gisela Haellmigk, Ruth Reinwald, Rolf Gminder und Christian Haellmigk eine Bienenwabe. Foto: Andreas Veigel

Heilbronn - Familie Gminder beherbergt seit ein paar Tagen 20.000 Gäste. Die haben es sich mitten in ihrem blühenden Garten vor ihrer Terrasse gemütlich gemacht. Sie stören nicht und machen keine Arbeit, denn sie sind Selbstversorger. Erst wenn die Temperatur über 15 Grad ansteigt, tauchen sie aus ihrer Holzbehausung auf und schwärmen aus. Bis zum Sommer werden sie sich auf 60.000 vermehrt haben.

Franziska und Professor Rolf Gminder aus der Heilbronner Jägerhausstraße sind Gastgeber der brummigen Schar. Seit Samstag dürfen sie sich offiziell Bienenpaten nennen, eine Urkunde belegt es. Die hat ihnen Bodo Peter, Vorsitzender des Bezirksimkervereins Heilbronn, überreicht. Auch Gminders Nachbarn, Gisela und Dr. Christian Haellmigk, sind von der Idee begeistert, genauso wie Ruth Reinwald, die in der Innenstadt wohnt. Mit einem Glas Sekt stießen sie "Auf unsere Bienen" an.

Gut betreut

Alle drei haben jetzt ein fleißiges Völkchen im Garten, aufgestellt von den Heilbronner Imkern. Die werden alle zehn Tage im Bienenstock nach dem Rechten sehen. Als Dankeschön bekommen sie im Herbst einen Teil des Honigs ihrer Gäste − ein gesundes Volk produziert zwischen zehn und 20 Kilo.

Der Tisch ist reich und gesund gedeckt: Im Gminder"schen Garten blühen jetzt Frühlingsblumen, bald sind es Kirsch-, Pflaumen- und Apfelbäume, gefolgt von Heckenrosen und Sommerflieder. Ganz nebenbei werden die Bienen eine nicht hoch genug einzuschätzende Leistung für die Natur erbringen, indem sie für die intensive Bestäubung der Blüten in ihrer Umgebung sorgen. "80 Prozent der landwirtschaftlich genutzten Pflanzen in Deutschland sind auf die Bestäubung durch Bienen angewiesen", sagt Peter und ergänzt: "Ohne Bienen würde ein Schaden von 20 Milliarden Euro entstehen."

Die wertvollen Bienenbestände sind wegen des harten Winters und der Varroa-Milbe, die ihnen im letzten Sommer zugesetzt hat, stark geschwächt. Viele Unterländer Imker hatten bei der Auswinterung ihrer Tiere einen Totalverlust zu beklagen. Umso wichtiger ist es den 250 Vereinsimkern, dass ihre Bienenvölker an sehr unterschiedlichen Standorten unterkommen, damit sie ihre Vitalität zurückgewinnen. Bis zu 20 Bienenpaten könnten in diesem Jahr ein Volk bekommen.

Keine Gefahr

Anders als Wespen ernähren sich Bienen ausschließlich von Nektarien und pflanzlichem Eiweiß. Sie werden sich niemals über süße Getränke, über die Grillwurst oder das Marmeladenbrot von in der Nähe essenden Menschen hermachen. "Bienen greifen nur an, wenn sie sich bedroht fühlen oder ihren Stock verteidigen wollen", stellt Bodo Peter klar. Bienengiftallergiker sollte man allerdings nicht sein, wenn man Bienenpate werden möchte.

Für Bienenstichopfer noch ein Rat vom Fachmann: Sofort den Stachel gegen die Stichrichtung entfernen und das Gift aus der Haut mit dem Mund heraussaugen.