Betriebsräte sollen Helfer in der Krise sein

Heilbronn - Nicht bei jedem sind sie beliebt, manchem sind sie sogar ein echter Dorn im Auge: Betriebsräte. Vor allem in Familienunternehmen, dem typischen Mittelstand, und Kleinbetrieben ist die Arbeitnehmervertretung oft noch die Ausnahme. Das will der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) mit den aktuellen Betriebsratswahlen ändern.

Von Werner Tewes

Betriebsräte sollen Helfer in der Krise sein
Eine schwache Wahlbeteiligung gibt es bei Betriebsratswahlen meist nicht zu beklagen: Laut Gewerkschaften liegen die Quoten oftmals bei 70 bis 95 Prozent.Foto: dpa

Heilbronn - Nicht bei jedem sind sie beliebt, manchem sind sie sogar ein echter Dorn im Auge: Betriebsräte. Vor allem in Familienunternehmen, dem typischen Mittelstand, und Kleinbetrieben ist die Arbeitnehmervertretung oft noch die Ausnahme. Das will der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) mit den aktuellen Betriebsratswahlen ändern. "Mitbestimmung ist wichtig − nicht nur für die Arbeitnehmer, auch Arbeitgeber profitieren von Betriebsräten", sagt die Heilbronner DGB-Regionssekretärin Silke Ortwein.

Lange Tradition
 
Ob Audi, Läpple, oder Kolbenschmidt: Die meisten großen Unternehmen im Großraum Heilbronn haben Betriebsräte. Anders sieht es jedoch bei vielen Kleinen aus. Laut DGB gibt es in nur 37 Prozent aller Betriebe mit 51 bis 100 Beschäftigten eine derartige Arbeitnehmervertretung, bei den Firmen mit 101 bis 199 Beschäftigten sind es knapp 61 Prozent. Der Grund laut Gewerkschaftsbund: Wer einen Betriebsrat gründen möchte, hat nicht selten mit erheblichem Widerstand zu rechnen.

Größere Identifikation
 
"Oft heißt es, Betriebsräte würden mittelständische Unternehmen zugrunde richten", so die Beobachtung von Jürgen Wöhrle, Betriebsratschef von Beyerdynamic. "Aber das ist falsch." 2001 hatte sich erstmals ein Betriebsrat beim Heilbronner Audiosystemhersteller gegründet. Seither verzeichnet das Unternehmen Umsatzsprung um Umsatzsprung − nur unterbrochen durch die Wirtschaftskrise. "Gibt es Mitbestimmung, steigt die Motivation der Mitarbeiter, die Identifikation mit der Firma", sagt Wöhrle. "Das ist ein gewaltiger Vorteil."

Auch in schwierigen Zeiten, das zeigt das Beispiel der Kaco-Dichtungswerke in Heilbronn. Der Autozulieferer hatte 2009 schwere Umsatzeinbrüche im zweistelligen Prozentbereich hinnehmen müssen. Trotz allem hielt die Geschäftsleitung an ihrer Mannschaft fest. Auch ein Verdienst der Mitbestimmung, ist Kaco-Betriebsratsvorsitzender Horst Schütz überzeugt. "Wir arbeiten konstruktiv mit der Geschäftsleitung zusammen", so Schütz. "Wir sehen, wo es hakt im Betrieb und können entsprechend dabei helfen, Probleme abzustellen."

Das Thema

Bis Ende Mai steht das Thema Betriebsratswahlen noch auf der Agenda etlicher Unternehmen: Bei der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) Region Heilbronn wählen insgesamt 40 Betriebe, bei der IG Metall Heilbronn-Neckarsulm 86, im Verdi-Bezirk Heilbronn-Neckar-Franken 176. Nach DGB-Schätzungen kommen 30 Prozent Betriebsräte betreut von kleineren Gewerkschaften hinzu.

Zudem sind einige Neugründungen geplant. Verdi-Chefin Marianne Kugler-Wendt ist vor allem eines wichtig: "Auch die Arbeitgeber müssen endlich erkennen, dass Betriebsräte nichts Schmuddeliges sind. Mitbestimmung trägt erheblich zum Unternehmenserfolg bei."