Baukosten steigen um bis zu 15 Prozent

Region Heilbronn - Der Zeitplan für die Stadtbahn Nord ist kaum zu halten. Laut Landratsamt Heilbronn können die Züge nur dann Ende 2012 starten, wenn alle weiteren Planungsschritte optimal verlaufen.
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Von Wolfgang Müller

 

Region Heilbronn - Ob die Stadtbahn Nord wie geplant im Dezember 2012 ihre Fahrt aufnehmen wird, ist inzwischen mehr als fraglich. "Wenn alle Beteiligten optimal zusammenarbeiten, ist der Zeitplan zu halten", sagt der Chef des Planungsamtes im Heilbronner Landratsamt, Claus-Jürgen Renelt. Sicher scheint dagegen, dass die Baukosten für den Landkreis Heilbronn und die Landkreiskommunen entlang der Strecke die ursprünglichen Schätzungen von 57 Millionen Euro übersteigen werden. Derzeit geht Renelt von 62 bis 65 Millionen Euro aus. Keine Überraschungen erwartet die Stadt Heilbronn. Der Bau dieser rund drei Kilometer langen Strecke wird laut Cristian Britzke, Sprecher der Stadt Heilbronn, insgesamt 77 Millionen Euro kosten, 19,4 Millionen davon bezahlen die Stadtwerke Heilbronn.

Unwägbarkeiten

"Bei Projekten dieser Größenordnung gibt es viele Unwägbarkeiten", erklärt Renelt. Dass der Bau der Stadtbahn Nord laut aktueller Kostenberechnung für Landkreis und Kommunen aber knapp 15 Prozent teurer wird als geplant, hat vor allem zwei Gründe: Die Eisenbahnbrücke in Bad Wimpfen muss entgegen der Planung abgerissen und neu gebaut werden. Die Mehrkosten beziffert Renelt auf bis zu zwei Millionen Euro. Und der rund 2,5 Kilometer lange Streckenabschnitt zwischen Heilbronn und dem Bahnhof Neckarsulm ist schwerer zu realisieren als gedacht. Renelt kalkuliert hier Mehrkosten von rund vier Millionen Euro ein.

"Die erste Idee war, beim zweigleisigen Ausbau der Eisenbahnbrücke in Bad Wimpfen Fachwerk und Pfeiler zu erhalten." Genauere Untersuchungen hätten aber ergeben, "dass der statische Nachweis nicht zu führen ist", so Renelt. Die rund 140 Jahre alte Brücke könnte demnach dem Stadtbahnverkehr eventuell nicht Stand halten.

Noch mehr Zusatzkosten verursacht der Neubau der Strecke zwischen Heilbronn und dem Neckarsulmer Bahnhof. "Die Baugrundverhältnisse sind schwieriger als gedacht", sagt Renelt. In dem abfallenden Gelände seien zusätzliche Stützmaßnahmen erforderlich, "um die Trasse sicher bauen zu können", erklärt der Kreisplaner.

Zuschüsse

Einen Entwurf für den Bau- und Finanzierungsvertrag hat die Deutsche Bahn inzwischen auf den Tisch gelegt. Was die kommunale Seite am Ende zahlen muss, wird aber erst in ein paar Monaten klar sein. Renelts Ziel ist es, dass Kreistag und Gemeinderäte noch vor der Sommerpause grünes Licht für Bau und Finanzierung erteilen. Bis dahin müssen konkrete Zahlen vorliegen. Fest steht für Renelt schon jetzt: "Die Finanzierung steht." Bund und Land werden sich laut Gemeindefinanzierungsgesetz an den Baukosten beteiligen. Landrat Detlef Piepenburg hofft auf eine Förderung von 80 Prozent.

Keine Zuschüsse gibt es dagegen für die Planungskosten. Die liegen bei einem Viertel der Baukosten, also bei rund 16 Millionen Euro. Ebenso wenig beteiligen sich Bund und Land am Kauf der 15 Stadtbahnfahrzeuge, von denen jedes 4,6 Millionen Euro kostet. Laut Renelt werden die Fahrzeuge nicht vom Stadtbahnbetreiber Albtal-Verkehrs-Gesellschaft (AVG) gekauft, sondern von den Kommunen. "Weil sie günstiger an Darlehen kommen, was den Betrieb billiger macht", sagt Renelt. 

Trassen- und Stationspreis

Wenn die Stadtbahn im nördlichen Landkreis Heilbronn ihre Fahrt aufnehmen wird, fallen neben Anschaffungs- und Unterhaltungskosten für die Stadtbahnfahrzeuge weitere Kosten an. So muss der Stadtbahnbetreiber Albtal-Verkehrs-Gesellschaft (AVG) sogenannte Trassenpreise an den Besitzer der Gleise bezahlen. Das sind die DB Netz und die Stadtwerke Heilbronn. Der Betreiber muss auch bezahlen, wenn er eine Haltestelle anfährt. Diese sind im Besitz der DB Station und Service. Die Kommunen beteiligen sich laut Sprecher des Landratsamtes Heilbronn, Hubert Waldenberger, mit 20 Prozent an den Kosten. wom

 

Grafik Stadtbahn
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