Aus der Unterwelt ins Rampenlicht

Region - Am Anfang konnte ich mir keinen Reim drauf machen", gibt Dr. Gerhard Götz zu. "Das riecht doch alles irgendwie holzig", sagte sich der damalige Direktor der Weinbauschule Weinsberg, als er Mitte der 80er Jahre erstmals Württemberger Wein in kleine Eichenholzfässer, kurz Barriques, legte.

Von unserem RedakteurKilian Krauth

Aus der Unterwelt ins Rampenlicht
Dieter Blankenhorn im Weinsberger Keller mit Barriques und alten Fässern.

Region - Am Anfang konnte ich mir keinen Reim drauf machen", gibt Dr. Gerhard Götz zu. "Das riecht doch alles irgendwie holzig", sagte sich der damalige Direktor der Weinbauschule Weinsberg, als er Mitte der 80er Jahre erstmals Württemberger Wein in kleine Eichenholzfässer, kurz Barriques, legte. Ähnlich erging es den amtlichen Prüfern. Als die ersten Tropfen der Studiengruppe Hades zur Qualitätsweinprüfung kamen, rauschten sie als "fehlerhaft und atypisch" durch. Man musste Tafelwein aufs Etikett schreiben. "Grad zum Possen", also ganz bewusst, machten sich sechs Schwaben einen Spaß draus und hielten an dieser despektierlichen Deklaration lange fest − obwohl sie als Speerspitze der neuen deutschen Holzfasswelle längst rund um den Globus Lorbeeren ernteten.

Pioniere

Vor 25 Jahren, am 23. Oktober 1986, trafen sich die Barrique-Pioniere zu ihrer Gründungsversammlung auf Burg Schaubeck in Kleinbottwar. Der Ort war mit Bedacht gewählt, experimentierte der aufgeschlossene Hausherr Michael Graf Adelmann doch bereits mit Holzfässchen, neben den Badenern Franz Keller und Wolf-Dietrich Salwey als erster Winzer in Deutschland, so heißt es.

Der Name Hades spielt vordergründig auf die griechische "Unterwelt" an und ist ein Akronym, also ein Begriff, der sich aus den Anfangsbuchstaben der sechs Weingüter zusammensetzt: Hohenlohe-Oehringen, Adelmann (Kleinbottwar), Drautz-Able (Heilbronn), Ellwanger (Winterbach), Sonnenhof (Vaihingen). Eigentlich müsste Hades mit zwei S geschrieben werden, denn das Staatsweingut Weinsberg konnte sich den Studien natürlich nicht verschließen.

Weinsberg kommt eine weitere Schlüsselrolle zu, denn die Hades-Väter fanden im Grunde über ihre Weinbauschüler zueinander. Ideengeber war der aus dem Murrtal stammende, inzwischen gestorbene, Rainer Zierock. Der Agraringenieur pflegte gute Kontakte zu Weinsberg, lehrte in der norditalienischen Partnerschule San Michele und kam nicht erst mit seiner Ehefrau, der Südtiroler Starwinzerin Elisabetta Foradori, in der Welt rum. Wenn alle großen Rotweine der Weinwelt erst im Barrique zu voller Entfaltung gelangten, warum nicht auch die Württemberger?, sagte er sich und fand schließlich mit sechs innovativen Schwaben passende Mitstreiter.

Furore

Gleich bei der ersten Präsentation im März 1987 in Friedrichsruhe sorgten die Holzfassweine für Furore. Sie schlugen Wellen, die bald alle ambitionierten deutschen Winzer erfassten. Heute gehört es zum guten Ton, Barriques im Keller zu haben, und sei es nur zur Schau. Nicht alle wissen damit umzugehen. "Kleine Weine werden im Fass kleiner, große größer", weiß der Chef-önologe der Weinbauschule, Dr. Dieter Blankenhorn. Nur höchste Qualitäten von speziellen Rebsorten sind dem Holz gewachsen und entwickeln sich darin ideal: extraktreiche Rotweine, aber auch körperreiche Weißweine wie Grauburgunder, Chardonnay und Sauvignon blanc. Hades hat über den Keller hinaus auch im Weinbau viel bewegt: von neuen Rebsorten über die Wahl der Lage bis hin zur zielgerichteten Kultivierung von Trauben, der eigentlichen Basis für große Weine.

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Die Väter von Hades in den 80ern (von links): Siegfried Röll, Michael Graf Adelmann, Richard Drautz, Jürgen Ellwanger, Albrecht Fischer, Gerhard Götz.Fotos: Archiv/Kugler
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