Auf Lothar folgten sieben Jahre rote Zahlen

Ilsfeld - Der Anblick umgeworfener Bäume, der sich im Ilsfelder Forstrevier immer wieder bot, ging Förster Gerhard Rau "unter die Haut". Der 290 Hektar große Gemeindewald war bis zum Durchzug von Orkan Lothar vor zehn Jahren zu 30 Prozent mit Fichte bestockt.

Von Carsten Friese

Auf Lothar folgten sieben Jahre rote Zahlen
Ilsfelds Förster Gerhard Rau umfasst eine Vogelkirsche auf einer Lothar-Aufforstungsfläche. Rund acht Meter sind die Bäume inzwischen gewachsen.Foto: Friese

Ilsfeld - Der Anblick umgeworfener Bäume, der sich im Ilsfelder Forstrevier immer wieder bot, ging Förster Gerhard Rau "unter die Haut". Der 290 Hektar große Gemeindewald war bis zum Durchzug von Orkan Lothar vor zehn Jahren zu 30 Prozent mit Fichte bestockt. Am zweiten Weihnachtsfeiertag 1999 fielen 16 500 Festmeter Sturmholz um - der elffache Jahreseinschlag lag am Boden.

Eliminiert

"Das finanzielle Rückgrat des Gemeindewaldes war über Nacht eliminiert worden", sagt Kreisforstamtsleiter Karl-Heinz Lieber. Heute, zehn Jahre später, betont er, dass Lothar trotz aller Schäden auch etwas Gutes hatte. Beispiel Ilsfeld: Der neue Jungwald ist viel artenreicher als sein Vorgänger. Wo sich vorher der Flachwurzler Fichte breit machte, stehen heute Eiche, Vogelkirsche, Hainbuche, Douglasie, Ahorn, Buche, Esche, insgesamt 13 Arten. Lieber nennt sie "Zukunftswald". Er ist überzeugt: Den Artenwandel, den der Klimawandel den Wäldern bescheren wird, "haben wir dort hinter uns".

Die Verluste nach Lothar waren heftig. Der Preis für den Festmeter Fichte fiel von 100 auf rund 40 Euro. "Wir haben das Holz fast verschenkt", blickt Lieber zurück. Insgesamt seien die Holzpreise schlagartig um bis zu 60 Prozent gesunken. Auf 40 Hektar Sturmfläche musste Ilsfelds Revierförster Gerhard Rau mit seinen Mitarbeitern erst einmal das Sturmholz aufarbeiten. Die Gemeinde kaufte eigens einen gebrauchten Kettenbagger mit Greifer, um die Bäume herausziehen zu können. "Eineinhalb Jahre dauerten die Aufräumarbeiten", bilanziert der Revieförster. 50 000 neue Pflanzen wurden gesetzt.

Von 2000 bis 2006 war der Ilsfelder Waldhaushalt defizitär, rund 100 000 Euro Minus musste die Gemeinde ausgleichen. Seit 2007 schreibt das Revier eine schwarze Null. Bürgermeister Thomas Knödler ist mit der Entwicklung sehr zufrieden. "Der Wald hat Lothar verkraftet." Der Orkan habe den Gemeinderat zudem für eine nachhaltige Bewirtschaftung sensibilisiert.

Faustpfand

Mittlerweile gibt es Hölzer aus Ilsfeld, die für Pfahlbauten in Venedig oder nach Japan, China und Vietnam verkauft werden. "Qualitätshölzer haben weltweit eine hohe Nachfrage", betont Karl-Heinz Lieber, der die Holzexportquote im Landkreis auf ein Drittel beziffert. Die breite Baumpalette ist für ihn ein Faustpfand für die Zukunft. Und einen Orkan wie Lothar würden die Folgehölzer sicher auch besser überstehen.

"Beruhigender" empfindet es Revierförster Rau, wenn er heute durch seinen Wald läuft. Ein besonders Schmankerl gibt es zudem zu sehen. Der Heimatverein hat als Besonderheit einige Mammutbäume gepflanzt. Fünf gingen ein. Fünf stehen heute noch.