Atommüll in Castoren umladen

Obrigheim - Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) beginnt am Mittwoch, 8. Oktober, 15 Uhr, in der Alten Mälzerei in Mosbach das Erörterungsverfahren zum Castorlager in Obrigheim. Rund 900 Personen hätten Einwendungen gegen das Zwischenlager erhoben, erklärt Angela Chodek von der BfS-Pressestelle in Salzgitter. Das Verfahren kann bis zu drei Tage dauern.

Von Joachim Kinzinger

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AKW Obrigheim

„Auflagen mit höchstem Sicherheitsniveau sind für das Zwischenlager ein Muss.“

Christine Denz

Obrigheim - Die Atomruine Obrigheim bleibt auch nach der bewilligten 1. Stilllegungs- und Abbruchgenehmigung mindestens 40 Jahre ein atomarer Standort. Schließlich will die EnBW Kernkraft ein Zwischenlager für Atommüll auf dem KWO-Gelände bei Mosbach errichten. Rück- und Neubau sind eng miteinander verzahnt.

Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) beginnt am Mittwoch, 8. Oktober, 15 Uhr, in der Alten Mälzerei in Mosbach das Erörterungsverfahren zum Castorlager in Obrigheim. Rund 900 Personen hätten Einwendungen gegen das Zwischenlager erhoben, erklärt Angela Chodek von der BfS-Pressestelle in Salzgitter. Das Verfahren kann bis zu drei Tage dauern.

Allein das Aktionsbündnis Atommüll-Lager Obrigheim hat hunderte von Bedenken angezeigt. „Auflagen mit höchstem Sicherheitsniveau sind für das Zwischenlager ein Muss und nicht verhandelbar“, formulieren Christine Denz und Charlotte Schneidewind-Hartnagel als Ziel ihrer Gruppe. Solche Punkte sind: Dichtigkeit der Castor-Behälter, Wärmeentwicklung, Umweltbelastungen, mögliche Folgen eines gezielten Flugzeugabsturzes oder Terrorangriffs. Zudem verheiße der Name einen vorübergehenden Zustand, erklärt Denz. Bundesweit sei jedoch kein Endlager in Sicht.

Obrigheim ist bundesweit ein Novum. Als erstes Kernkraftwerk ließen die KWO-Manager abgebrannte Brennelemente aus dem Abklingbecken des Reaktors ins Nasslager transportieren. Dort liegen derzeit 342 bestrahlte Elemente unter einer Wasserschicht in Boxen.

Warum will die EnBW die nassen Elemente in 15 Castoren umbetten und dann in eine Halle stellen? „Sie behindern den Rückbau des Reaktors“, verdeutlichte ein EnBW-Sprecher schon im Mai 2005 nach dem KWO-Aus. Pressesprecher Ulrich Schröder erklärt es so: Die nassen Elemente würden mit Systemen im Kontrollsektor gekühlt. „Wenn es so bliebe, könnten wir den Kontrollbereich nicht abbauen.“ Inzwischen haben die KWO-Leute noch rund 100 Tonnen Brennstoff aus dem Reaktorbecken umgelagert.

Betongaragen

Die EnBW wollte ursprünglich die Castoren nur unter Betongaragen parken. Dieses Konzept lehnte nicht nur das BfS ab. „Die Reaktor-Sicherheitskommission hatte dabei festgestellt, dass der ursprüngliche Antrag die Grundsätze der sicherheitstechnischen Leitlinien für Zwischenlager in einzelnen Punkten nicht erfüllt“, so die BfS-Sprecherin. Die EnBW änderte die Planung. 15 Castor-Behälter sollen 40 Jahre in einer Stahlbeton-Halle geparkt werden. Die Maße: 35 Meter lang, 18 Meter breit, 17 Meter hoch, Außenwände 85 Zentimeter dick, das Betondach 55 Zentimeter.

Laut BfS entspricht dies dem Standard der zwölf genehmigten AKW-Zwischenlager im Bundesgebiet. Hier gilt Neckarwestheim mit seinen beiden Tunnelröhren für 151 Castoren als Sonderfall. Dort fehlte schlicht der Platz für eine Halle auf dem GKN-Gelände, also mussten die Castoren unter Tage. Das Strahlenschutzamt geht noch von weiteren Prüfungen im KWO-Baugenehmigungsverfahren aus: Umweltverträglichkeits-Check oder mögliche terroristische Anschläge mit einem Flugzeugabsturz. Für die AKW-Gegner aus dem Mosbacher Raum ist der Erörterungstermin die „einzige und letzte Gelegenheit, auf die Genehmigung Einfluss zu nehmen“.