Anwohner wollen ihren Sonntag wieder

Löwenstein - Einige Löwensteiner Anwohner entlang der B 39 haben genug. Sie wollen dröhnende Motorräder und Raser nicht länger ertragen. Von Jahr zu Jahr nehme der Lärm zu und die Ruhe ab. Sie fordern, dass die Straße für Motorräder am Wochenende gesperrt wird.

Von Nelli Nickel

Kampf um die Sonntagsruhe
Die Löwensteiner Aussichtsplatte an der B 39 ist ein beliebter Treff bei Motorradfahrern. Anwohner der Bundesstraße fühlen sich durch die Biker belästigt.Foto: Ralf Seidel
Löwenstein - Einige Löwensteiner Anwohner entlang der B 39 haben genug. Sie wollen dröhnende Motorräder und Raser nicht länger ertragen. Von Jahr zu Jahr nehme der Lärm zu und die Ruhe ab. Sie fordern, dass die Bundesstraße für Motorräder am Wochenende gesperrt wird. Ihre Beweggründe machen sie bei einem Gespräch mit der Heilbronner Stimme deutlich. Mit einem Informationsabend am Donnerstag in Hirrweiler will die Gruppe Unterstützung aus der Bevölkerung holen. Sie wollen Unterschriften sammeln, und wenn genug Interessenten zusammenkommen, eine Bürgerinitiative gründen.

Geräuschpegel


"Wir wollen Ruhe haben", sagen die Anwohner, die ihre Name noch nicht nennen wollen. Nachdem sie Flyer verteilt hatten, gab es mutwillige Beschädigungen bei einem der Initiatoren.

Ein entspannter Sonntag − Fehlanzeige bei dem Geräuschpegel durch die Masse der Motorräder. "Wir wohnen in einem Naherholungsgebiet, aber wenn wir uns erholen wollen, müssen wir wegfahren", sagen die Bürger. Nicht nur die Lärmbelästigung stört sie, sie fühlen sich auch gefährdet. Die Motorradfahrer würden durch den Ort rasen, an unübersichtlichen Kurven überholen. Die Ursache für den regen Verkehr sehen die Bürger zum einen in der attraktiven Strecke und in der Aussichtsplatte, ein beliebter Treff bei Bikern. Die Aufklärungsaktion der Polizei am Wochenende habe das Fass zum Überlaufen gebracht. Die Anwohner fürchten, dass so noch mehr Motorradfahrer angelockt werden.

Wüstenrots Bürgermeister Heinz Nägele macht sich ebenfalls gegen die Belästigung stark. Oft gebe es Beschwerden von Bürgern. Er wohnt an der Bundesstraße und bekommt direkt mit, was los ist. Schon vor vier Jahren forderte Nägele die Polizei auf, verstärkt die Strecke zu kontrollieren. Er sieht das Problem bei einem Teil der Motorradfahrer, den Rasern und denen, die mit frisierten Maschinen unterwegs sind.

"Es geht nicht, dass sich eine bestimmte Personengruppe über geltendes Recht hinwegsetzt", sagt Nägele. "Ich erwarte von der Polizei, dass sie das einschränkt." Nägele geht nicht soweit, eine Sperrung der B 39 zu fordern. Aber er ist überzeugt: Wenn Bußgelder öfter verhängt werden, würde sich die Situation verbessern.

Auch die Klinik Löwenstein beschwerte sich 2006 über die Lärmbelästigung. Seit es aber die Geschwindigkeitsbegrenzung auf 70 Stundenkilometer gebe, seien keine Klagen von Patienten mehr gekommen, sagt Geschäftsführer Dieter Bopp.

Dass Motorradfahrer in diesem Bereich teilweise zu schnell unterwegs sind, ist der Polizei bekannt. "Deshalb werden hier verstärkt Kontrollen gemacht", sagt Polizeisprecher Rainer Köller. "Das Machbare wird gemacht. Klar kommen nicht alle Raser in eine Kontrolle", sind für die Polizei laut Köller personelle Grenzen gesetzt. Dass die Aktion auf der Platte neue Biker anlockt, glaubt Köller nicht. Es kämen die, die auch übers Jahr dort sind. Die will die Polizei erreichen und Raser sensibilisieren. "Das Ergebnis der Präventionsarbeit ist nicht messbar", gibt Köller zu. "Aber einen Versuch ist sie wert."

Verständnis

Löwensteins Bürgermeister Klaus Schifferer hat "vollstes Verständnis" für die Anwohner. "Sie sind in ihrer Lebenswelt beeinträchtigt. Dazu tragen die Motorradfahrer bei." Aber kann eine Straße deshalb für einzelne Verkehrsteilnehmer gesperrt werden? "Wo fangen wir da an, wo hören wir auf?", fragt der Schultes und erinnert daran, dass auch Lkw für eine Belästigung sorgen. Dass Fahrer, die gegen Regeln verstoßen, aus dem Verkehr gezogen werden müssen, steht für ihn außer Frage. Er will aber nicht alle Biker über einen Kamm scheren. Außerdem sieht er in ihnen Besucher der Stadt Löwenstein, "die hier etwas liegen lassen".

Was für Schifferer positiv ist, hält Heinz Nägele nicht für erstrebenswert. "Das ist eine Negativbilanz", glaubt er, dass andere Touristen wegbleiben, weil sie genervt von den Kradfahrern seien. Für Schifferer ist das eine Einteilung von Touristen in erster und zweiter Klasse.

Infoabend

Der Infoabend findet am Donnerstag, 29. April, um 19 Uhr in der Weinstube Häfele in Löwenstein-Hirrweiler statt.