Anti-Atom-Bus rollt nach Berlin

Warum Menschen aus der Region am Samstag gegen die Regierung demonstrieren

Von Joachim Kinzinger

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Fässer symbolisieren die Strahlungsgefahr von Atommüll.

Foto: dpa

Heilbronn - "Es wird hart", weiß Monika Knoll von der Energiewende Heilbronn. Nachts im Bus nach Berlin, mittags Protest gegen die Atombeschlüsse der Regierung, abends wieder zurück in die Region Heilbronn. Der Ausstieg vom Ausstieg macht die AKW-Gegner zur Großdemo am Samstag, 18. September, mobil. "Es soll eine machtvolle Demonstration sein", meint Monika Knoll, die die Tour organisiert.

Mehr als 40 Leute, auch Familien, sitzen ab Heilbronn im Bus, im Alter von 14 bis 60 Jahren, aus Gruppierungen wie Naturfreunde, Grüne, SPD, Energiewende, BUND. Der Widerstand gegen die Laufzeitverlängerung der Reaktoren und den "Atomdeal" mit den Energieversorgern wächst. Knoll berichtet: "Das hat viele bewegt."

Umzingelung Beim Protest mit der "Umzingelung des Regierungsviertels" ist auch Florian Lany von der Grünen Jugend in Künzelsau dabei. "Es ist wichtig, dass wir der Regierung zeigen, dass der Atomdeal von der Bevölkerung nicht akzeptiert wird", erklärt der Gymnasiast. Zehn Leute der Grünen Jugend Hohenlohe sind im Bus, der heute gegen 22.45 Uhr losfährt. Lany rechnet mit knapp 100 000 Demonstranten.

Ein Bündnis von sechs Organisationen ruft in der Bundeshauptstadt zum Protest auf. "Es läuft was schief in der Atompolitik", kritisiert Birgit Brenner aus Heilbronn. Die vierfache Mutter ist der Ansicht, es würden nur für die Mächtigen Entscheidungen getroffen − gegen das Allgemeinwohl. "Es macht den Oberen Angst, wenn viele kommen". Eine Kraftprobe mit Schwarz-Gelb zum Atomkurs wagen die Aktivisten im "heißen Herbst". Hans Drexel aus Nordheim hat es sich lange überlegt. "Als Frau Merkel den Deal gemacht hat", stand für den Umweltbeauftragten der Naturfreunde fest: "Jetzt muss ich fahren." Die Regierung lasse sich doch von den Großkonzernen über den Tisch ziehen, gerade bei der Atomkraft. Für Drexel wird es ein stressiges Wochenende. Am Sonntag baut er schon ab 10 Uhr beim Naturfreundehaus in Neuhütten wieder Nisthilfen.

Schmerzgrenze Die ganze Familie ist bei Christoph Schulz aus Nordheim dabei. Nach dem "Geheimabkommen" der Regierung mit den Strommanagern war für ihn die Schmerzgrenze überschritten: "Dies ist nicht in unserem Interesse." Es gehe um Macht und um Geld. Für Jürgen Hellgardt aus Lauffen gibt es "100 gute Gründe", nach Berlin zu fahren. Der BUND-Ortsvorsitzende hätte nicht gedacht, "dass man sich so dreist vom Atomausstieg verabschiedet". Die Mehrheit der Bürger sei dagegen. Das Kernkraftwerk GKN I in Neckarwestheim habe seine vertretbare Lebensdauer erreicht.

Spontan haben noch die Grünen und die Initiative Windkraft im Neckar-Odenwald-Kreis (NOK) einen Bus ab Mosbach geordert. "Es sind viele junge Leute dabei", sagt Christine Denz. Die Grünen-Kreisvorsitzende betont, die Absprache von Schwarz-Gelb mit den Energieversorgern habe viele Leute aufgebracht und mobilisiert.


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