Als Zeitzeuge von der Wahrheit berichten

Neckarsulm - Es ist erstaunlich und zeigt von echter Größe - Sally Perel hegt keinerlei Groll gegen Deutschland oder die Deutschen. Dabei hat der Israeli selbst mitbekommen, welche Gräueltaten seinem Volk während der Nazizeit angetan wurden. "Ich habe der deutschen Jugend nichts zu verzeihen, Schuld ist nicht erblich", betont der 84-Jährige.

Von Stefanie Pfäffle

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Als Zeitzeuge von der Wahrheit berichten
Sally Perel erzählt Schülern von seiner Zeit als Hitlerjunge.Foto: Stefanie Pfäffle

Neckarsulm - Es ist erstaunlich und zeigt von echter Größe - Sally Perel hegt keinerlei Groll gegen Deutschland oder die Deutschen. Dabei hat der Israeli selbst mitbekommen, welche Gräueltaten seinem Volk während der Nazizeit angetan wurden. "Ich habe der deutschen Jugend nichts zu verzeihen, Schuld ist nicht erblich", betont der 84-Jährige. Er selbst hat überlebt. Wie, beschreibt er in seiner Autobiographie "Ich war Hitlerjunge Salomon". Aus dieser Zeit hat er den Berufsfachschülern der Christian-Schmidt-Schule in Neckarsulm erzählt.

Perel will als Zeitzeuge von der Wahrheit berichten, diese in den Köpfen und möglichst auch Herzen seiner Zuhörer festsetzen. "Die Geschichte ist die beste Lehrmeisterin, nur daraus können wir lernen, welche Fehler etwa die Parteien damals gemacht haben, damit das Volk einem Hitler so zujubelt, damit eure Generation nicht die gleichen fatalen Dinge erlebt", mahnt er eindringlich. Gebannt lauschen die Schüler eineinhalb Stunden lang diesem Mann, Unterricht hautnah.

Es ist seine Geschichte, die fasziniert und die Art, wie er sie erzählt. Vier Jahre lang lebte er "in der Haut des Feindes" in der Hitlerjugendschule in Braunschweig, vier Jahre voller Angst vor Entdeckung. Vor allem seine Beschneidung, der körperliche Beweis seines Judentums, musste versteckt werden. Ständig wurde ihm Hass gepredigt, bis er sich sogar mit der Nazi-Ideologie identifizierte. "Ich war ein Hitlerjunge mit allem Drum und Dran, freute mich über Siege der Wehrmacht und sehnte den Endsieg herbei." Alles, während die Nazis andere Juden in Massen töteten. Es habe sich logisch und so wissenschaftlich angehört. Nur die Rassenkunde, die Juden als das ultimativ Böse verkaufte, die übernahm er nie. "Ich wusste ja, ich bin kein Satan."

Vergiftet

Aber das junge Gehirn sei eben sehr schnell von der Propaganda vergiftet worden, noch heute müsse er sich mit den Nazi-Doktrinen tief in seinem Unterbewusstsein auseinandersetzen. Es sei unfassbar, dass heute wieder Jugendliche in Bomberjacken und Springerstiefeln mit den gleichen Parolen aufmarschieren.

Sally Perel setzt sich für den Frieden ein, auch für den zwischen Israel und Palästina. Dabei ist er nicht, wie man vielleicht vermuten könnte, grundsätzlich auf der Seite der Juden. "Nur ein gerechter Weg ist ein dauerhafter, deswegen bin ich für einen Palästinenserstaat mit einer Hauptstadt Ost-Jerusalem", sagt er. Die Selbstmordattentäter der Araber kann er nicht gut heißen. "Es darf kein Zweck, kein Glauben und keine Ideologie bestehen, für die man ein junges Leben opfert", betonte der überzeugte Atheist.