35 000 Bäume und ein neuer Gipfel

Schwaigern - Zu neuen Höhen hat es der Heuchelberg gebracht. War er vor Auffüllung der gleichnamigen Erddeponie 330 Meter hoch, so liegt der neue Gipfel jetzt 353 Meter über dem Meeresspiegel.

Von Herbert Kaletta

35 000 Bäume und ein neuer Gipfel

Schwaigern - Zu neuen Höhen hat es der Heuchelberg gebracht. War er vor Auffüllung der gleichnamigen Erddeponie 330 Meter hoch, so liegt der neue Gipfel jetzt 353 Meter über dem Meeresspiegel. Forstamt und Abfallwirtschaftsamt des Landkreises lockten gestern zu dessen Einweihung und zum Jahr der Wälder mehrere hundert Besucher auf den Höhenrücken bei Schwaigern.

Aus dem einstigen Wald ist wieder Wald geworden − jedenfalls aus dem Teil, der nicht mehr als Erddeponie dient. Immerhin zehn Hektar groß ist das, was sich die Natur mit Hilfe der Forstleute zurückerobert. Rund 35 000 Bäume, so schätzen Eppingens Forstamtsleiter Martin Rüter und der zuständige Revierförster Jochen Rüb, wurden seit 1990 gepflanzt. Erlen, Kirschen, Spitzahorn und Robinien − Baumarten, die auf Land, das vorher lange kein Wald war, gut anwachsen. Dazu rund 300 Elsbeeren. Es ist der Baum des Jahres 2011 mit den kleinen, hagebuttenähnlichen Beeren. Rund 20 Kinder des Waldkindergartens Waldwichtel e.V. aus Brackenheim sind mit ihrer Leiterin Silvia Serr-Marx da und pflanzen an die 100 neue kleine Bäumchen.

Was man später aus ihnen machen kann, zeigt Thomas Keller von Urholz aus Schwaigern-Stetten. Das braune Holz mit schöner Maserung eignet sich besonders für Möbel aller Art. Forstleute zeigen Holzarbeiten mit der Motorsäge.

Militärstandort

Was alles an (kleinen) Tieren im Wald lebt und nun wieder Lebensraum findet, präsentiert anschaulich die Nabu-Ortsgruppe Schwaigern. In der Ruhe ist die militärische Vergangenheit kaum mehr vorstellbar. Bis zu 220 US-amerikanische Soldaten waren hier oben von 1959 bis 1977 stationiert. Es gab Raketenabschussbasen. Zuletzt für Pershings mit ihren Atomsprengköpfen, bis die nach Heilbronn auf die Waldheide kamen. Heiko Eberbach und Thomas Schulz von der Militärhistorischen Sammlung Heilbronn haben zwei Fahrzeuge aus dieser Zeit aufgebaut. In einem kleinen Militärzelt machen sie mit einen Film die Geschichte lebendig.

1984 wurden Gebäude und Bunker gesprengt. "Ohne diese Einrichtung wäre das wohl keine Erddeponie geworden", sagt Martin Rüter. Denn so bot es sich an, die vielen Betontrümmer hier zu lassen, statt teuer wegzufahren. Und so ergoss sich mit der Zeit der Inhalt von rund 90 000 Lkw-Fuhren darüber und schuf den Berg, zu dem man am Sonntag in einer Art Parcour hinaufwandert. Ganz oben informiert Landkreis-Abfallberater Hubert Horak. Unweit seines Standes ragt eine Spende des Güglinger Gerüstbauers Layher empor, die den Gipfel am Sonntag noch um 8,40 Meter erhöht: Ein Metallgerüstturm mit einer Plattform, von der aus viele eine tolle Rundumsicht genießen.

Findling

Nebenan auf dem Gipfel enthüllt schließlich Schwaigerns Bürgermeister Johannes Hauser einen zwei Tonnen schweren Findlingsstein mit aufmontierter Holztafel. Und es werden drei Eiben gepflanzt. Klar, dass der neue höchste Punkt des Heuchelbergs, rund 800 Meter östlich des früheren gelegen, für Wünsche und Zukunftsgedanken gut ist. Einen festen Aussichtsturm könnten sich viele vorstellen, denen die Aussicht gefällt. Andere denken, bei stetig leichter Brise aus Westen, an Windkraftnutzung.

35 000 Bäume und ein neuer Gipfel
Bürgermeister Johannes Hauser (rechts) und Förster Jochen Rüb enthüllen den Findling. Im Hintergrund das Gipfelgerüst mit vielbesuchter Aussichtsplattform, das aber wieder abgebaut wurde.Fotos: Thomas Braun
35 000 Bäume und ein neuer Gipfel
Die Kinder des Waldkindergartens aus Brackenheim waren eifrig bei der Sache.