Heilbronn
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Weindorf zwischen Tradition und Moderne

Beim Gestaltungswettbewerb auf dem Heilbronner Weindorf wurden am Montag die schönsten Stände ausgezeichnet.

Von Kilian Krauth
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Weindorf zwischen Tradition und Moderne
Platz eins ernteten − wie im Vorjahr − die Lauffener Weingärtner. Ihr Stand überzeugte die Jury in architektonischer Hinsicht, aber auch wegen der dezenten Deko im Innern und vor allem durch den selbstbewusst-stimmigen Dachaufbau.Fotos: Andreas Veigel

Rund ums Rathaus reden fast alle von den drei neuen Ständen. Auch beim traditionellen Blumenschmuck- und Gestaltungswettbewerb, bei dem seit 1974 auf Initiative der Heilbronner Stimme, die schönsten Weindorf-Stände ausgezeichnet werden, sorgten sie für Diskussionen.

Als die Jury am Montagnachmittag mit kritischen Blicken durch die Gassen streifte, war das Häuschen der Weinpiraten am Hafenmarkt aber vom Erdboden verschwunden. Heilbronn-Marketing-Chef Steffen Schoch wusste warum: "Es war Teil der Ausschreibung, dass die Ausschankstelle nur donnerstags bis sonntags steht und in der Zwischenzeit nicht einfach ungenutzt rumstehen kann."

Weindorf zwischen Tradition und Moderne
Der Käthchen-Sonderpreis für Imbissstände ging an die Bäckerei Mitterer.

Immerhin: Eine lobende Erwähnung bekam Marcel Küffners hipper Voltino-Küchencontainer. Er verkörpere das Thema Streetfood zeitgemäß, etwa auch durch die pfiffigen Paletten-Stehtische, und sei "wegweisend für die Zukunft". Die Jury vermisste aber − bis auf die Rebstöcke in Kübeln − florales Dekor. Der zweite Neuling, die traditionsbewusste Laube des Caterers Erwin Gollerthan, passe in Gestalt und Deko zwar gut zum Fest, spare aber auf dem Dach mit schmückenden Elementen. Nichtsdestotrotz: Die beiden neuen Häuschen sind für die Lohtorstraße ein "städtebaulicher Gewinn", wie Jurymitglied Adolf Herzog betonte.

Die Sieger

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Die Weingärtner Stromberg-Zabergäu kamen auf den zweiten Platz.

Platz eins belegten die Lauffener Weingärtner. Ihr Holz-Kubus und seine selbstbewussten Aufbauten sind laut Jury "aus einem Guss". Zweiter wurde der dicht bepflanzte und mit Wildtieren aus Cortenstahl bevölkerte Heilbronner Wengerterstand. Die Weingärtner Stromberg-Zabergäu landeten mit ihrem herbstlichen Farbenspiel auf Rang drei. Der Käthchen-Sonderpreis für den schönsten Imbissstand ging einmal mehr an die Bäckerei Mitterer, sie hebt auf die Buga ab.

In die Bewertung ließ die Jury nicht nur Blumen, sondern die Gesamterscheinung einfließen. Längst beschränken sich die über 30 Beschicker nicht mehr darauf, nette Gestecke aufs Dach zu stellen. Oft spannen fantasievolle Installationen den Bogen zu den Themen Wein, Herbst, Gastronomie und Tourismus − bis hin zur Buga. Der gestalterische Ehrgeiz kommt auch in der Architektur zum Ausdruck. Manche Bauherren haben bis zu 50 000 Euro in ihre noble Hütte gesteckt. Für die Dekoration geben ambitionierte Betriebe jährlich um die 2000 Euro aus.

Die Details

Auch zwischen den Ständen ist das Dorf − motiviert durch den Wettbewerb − immer schöner geworden: herausgeputzte Weinpressen und standesgemäße Barriques wirken einladend. Schade, dass die − auch bei Regen − nützlichen Sonnenschirme an manchen Ecken den Blick Dächer und Fassaden verstellen.

Weindorf zwischen Tradition und Moderne
Platz drei belegte bei dem Wettbewerb der Heilbronner Wengerterstand.

Großzügiger als die einstigen "Beduinenzelte" wirken die neuen Segel am Marktplatz, wobei es beim dortigen Gastro-Zelt noch Optimierungspotenzial gibt. Die Bühne wirkt durch das Stadtmotiv im Hintergrund nicht mehr wie ein schwarzes Loch. Auch Stellwände. Vitrinen und Vordächer mit Wein-Fotos passen gut ins Bild und schirmen abseitige Ecken einigermaßen ab. Dass neben den Dorftoren Pressen und Betonpoller die Zufahrt blockieren, ist der Sicherheit geschuldet.

Die Randbereiche

Zur Aufwertung des Umfeldes hat auch die Stadt beigetragen, etwa mit der stimmigen Beleuchtung der Gebäude am Marktplatz. Zum Bedauern der Wengerter wurde der Umbau von Lohtorstraße, Rathausgasse und Rathausinnenhof, inklusive denkmalgeschütztem Kunstmosaik, auf die lange Bank geschoben. Erst nach der Buga 2019 soll hier mit der Neubebauung des Reim-Areals alles auf Vordermann gebracht werden.

 
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