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Es lebe die Fahrgemeinschaft

Wie Pendler auf der Fahrt zur Arbeit die Umwelt und ihre Fahrzeuge schonen.

Von Heike Kinkopf
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Es lebe die Fahrgemeinschaft

Täglich wechselnde Arbeitszeiten, vielfältige Möglichkeiten, die Freizeit zu gestalten, individuelle Lebensstile. Dazu sind Mobilität und Flexibilität im Alltag erforderlich. Wie passt da eine Fahrgemeinschaft ins Konzept? Von guten Erfahrungen berichten Pendler in der Region, die sich an den Parkplätzen entlang der Autobahnen 6 und 81 zum Umsteigen treffen. Sie sind eine Minderheit.

Ein schwarzer Audi biegt um die Kurve. Zackige Bremsung, der Motor läuft. Tür auf, ein Mann rutscht von der Rückbank, ein zweiter folgt. Der erste steigt wieder ein, der Wagen brettert davon. "Alle wollen so schnell wie möglich heim", erzählt der Mann, der zurückbleibt, und lacht. Der 53-Jährige aus Heilbronn geht zu seinem Auto, das in Untergruppenbach auf dem Parkplatz bei der Auffahrt auf die A81 steht.

Fahrgemeinschaft zur gemeinsamen Schicht

Seit 22 Jahren arbeitet der Heilbronner bei Daimler. Das Werk in Sindelfingen sei mit öffentlichen Verkehrsmitteln schlecht erreichbar, mit Kollegen aus der gleichen Schicht bildet er eine Fahrgemeinschaft. Sie besteht seit vielen Jahren. Sie funktioniert. Kontakt halten die Männer über das Handy. Allzu viele Absprachen seien nicht nötig. Fünf Minuten wird am Parkplatz gewartet. Erscheint der Mitfahrer nicht, düsen die anderen weiter.

Weniger Schadstoff-Ausstoß 

Bei Weinsberg, direkt bei der Polizeiverkehrsdirektion gelegen, treffen sich jeden Morgen um 6.30 Uhr vier Männer. Auch sie fahren gemeinsam nach Sindelfingen. "Es muss nicht sein, dass viermal Schadstoff ausgestoßen wird", erklärt ein Mann aus Löwenstein. Der 49-Jährige gehört seit etwa 20 Jahren zu einer Fahrgemeinschaft. "Es kann ja nicht sein, dass in jedem Auto nur ein Fahrer sitzt", meint er. Etwa 60.000 Kilometer würde er mit seinem Auto jedes Jahr zurücklegen, um zur Arbeit und wieder nach Hause zu kommen.

Durch die Fahrgemeinschaft sind es etwa 15.000 Kilometer. Der Löwensteiner hat extra eine Insassenversicherung abgeschlossen. Mit den Kollegen ist er sich einig: "Wir wollen sicher ankommen." Die Gruppe müsse sich vom "Fahrstil her verstehen". Gefährliches Rasen ist tabu. Fährt einer 110, wenn die Straße frei ist, dann passt es aber auch nicht.

Entlastung durch Fahrgemeinschaften 

"Fahrgemeinschaften kommen gerade im Zuge der Diskussion um drohende Fahrverbote in Städten viel zu kurz", meint Reimund Elbe, Sprecher des ADAC Württemberg. Nur ein paar Prozent weniger Autos beispielsweise rund ums Weinsberger Kreuz könnten bewirken, dass der Verkehr auch in Stoßzeiten flüssiger fließt.

"Nach wie vor sind 80 Prozent aller Pkw mit nur einer Person besetzt", verweist Christiane Ehrhardt, Leiterin des Amts für Straßenwesen in Heilbronn, auf eine Befragung von Autofahrern vor zwei Jahren. Sie sieht in Fahrgemeinschaften ein "riesiges Potenzial".

Rund 150.000 Berufstätige im Stadt- und Landkreis Heilbronn verlassen jeden Tag ihren Wohnort, um sich auf den Weg zur Arbeit zu machen. Das zeigen Daten des Statistischen Landesamts. Größter Magnet in der Region ist Heilbronn mit etwa 55.000 Einpendlern.

Geben und Nehmen

In eine andere Richtung fährt Emma Orman aus Untergruppenbach. Die 29-Jährige und drei Kollegen fahren werktags nach Gaisbach. Sie nutzen eine spezielle Software, die anzeigt, wer in welcher Woche mit Fahren dran ist. "Damit es fair verteilt ist", sagt Orman.

Die Mitfahrer checken E-Mails, bereiten sich auf die Arbeit vor oder schlafen. Nachmittags verabreden die Vier die Heimfahrt. Eingeschränkt fühlt sich Orman nicht. Es sei ein Geben und Nehmen, jeder nehme mal Rücksicht auf die Bedürfnisse des anderen. "Es kommt auf die Menschen an, dann funktioniert’s."

 
 
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