Wie sicher ist der Castor-Transport auf dem Neckar?

Region  In Castor-Behältern sollen 342 Brennelemente von Obrigheim nach Neckarwestheim auf dem Neckar transportiert werden. Die wichtigsten Fragen und Antworten zur Sicherheit und den Details des Transports.

Von Reto Bosch

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Entladen und rangieren: Die Genehmigungsbehörde verlangt, dass die EnBW mit leeren Castoren des Obrigheimer Typs übt. Das ist bereits geschehen.Foto: Andreas Veigel

Gefährlicher Transport oder verantwortungsbewusste Verlagerung von 342 hochradioaktiven Brennelementen von Obrigheim nach Neckarwestheim? Die EnBW ist davon überzeugt, die 15 Castoren sicher per Schiff ins GKN-Zwischenlager bringen zu können.

Atomkraftgegner behaupten das Gegenteil, sehen Risiken. Die Entscheidung über die Transportgenehmigung trifft das Bundesamt für kerntechnische Entsorgungssicherheit (BfE). Klar ist: Eine zentrale Rolle im Sicherheitskonzept spielen die 96 Tonnen schweren Castor-Behälter.

 

Was ist ein Castorbehälter?

Castoren sind Transport- und Lagerbehälter, ausgeführt in einer massiven Metallkonstruktion, ausgeführt in Gusseisen mit Kugelgraphit. Da die Brennelemente in Obrigheim andere Maße aufweisen als jene in Neckarwestheim, kommt der Castor-Typ 440/84 mvk zum Einsatz. Sie können 24 Brennelemente aufnehmen und wiegen in beladenem Zustand 107 Tonnen.

 

Was bedeutet mvK?

Die Abkürzung erklärt Michael Köbl, Pressesprecher des Behälterhersteller GNS: Der Tragekorb im Inneren der Castoren musste auf die Maße der Brennelemente angepasst werden. MvK bedeutet "mit verändertem Korb". Der Behältertyp an sich sei bewährt und werde oft genutzt. Die Modifizierung habe keinen Sicherheitsverlust zur Folge. Insgesamt seien weltweit mehr als 1000 Behälter der Castor-Baureihen im Einsatz.

 

Welche Funktionen haben die Behälter?

Sie sollen die Umwelt vor Strahlung schützen und die von den Brennelementen erzeugte Wärme abführen. Weitere Aufgaben sind, eine weitere Kettenreaktion zu verhindern und die Brennelemente vor Einwirkungen von Außen zu bewahren.

 

 

Sind Castoren sicher?

Der Hersteller, die Firma GNS, versichert, dass die Castoren "extremen Unfallbedingungen standhalten". Mit GNS-Behältern sei die weltweit größte Anzahl von Versuchen gemacht worden. Die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) verweist auf Stimme-Anfrage darauf, dass diese den Vorschriften der Internationalen Atom- und Energie-Organisation (IAEO) entsprechen müssen. "Die gefahrgutrechtlichen Prüfanforderungen decken schwere Unfälle ab", erklärt BAM-Sprecher Venio Quinque.

 

Wie sehen die Tests aus?

Laut BAM müssen Castorbehälter unter anderem den Fall aus neun Metern Höhe auf ein unnachgiebiges Fundament aushalten, ein 30-minütiges Feuer bei 800 Grad überstehen und einer Wassertauchprüfung standhalten.

 

Atomkraftgegner sorgen sich um die Dichtheit. Sind die Behälter wirklich dicht?

"Die Castoren verfügen über verschraubte Deckeldichtsysteme", sagt Venio Quinque. Sind sie beladen, werde die Dichtheit messtechnisch nachgewiesen. Die GNS ergänzt, dass die Behälter auch nach dem freien Fall aus einem Meter Höhe auf einen Stahldorn dicht bleiben. Selbst bei einem Explosionstest mit einem gasgefüllten Eisenbahnkesselwagen sei es nicht zu Verformungen des Deckelsystems gekommen.

 

Wie sicher ist das Schiff?

Kernkraftgegner haben wenig Vertrauen in Schubboot und Leichter. Die EnBW verspricht: Die Konstruktion des Schubleichters sowie technische Einrichtungen an Bord machten ein Sinken des doppelwandigen Schiffes "praktisch unmöglich". Der Schubleichter habe zudem einen eigenen Antrieb, damit er bei Bedarf auch ohne Schubboot manövrieren kann.

 

Was ist mit Terroranschlägen?

Kernkraftgegner befürchten, dass mit entsprechenden Waffen großer Schaden angerichtet werden kann. Das Bundesamt für kerntechnische Entsorgung muss seiner Entscheidung Sicherheitsanforderungen zugrunde legen, die wegen der Terrorgefahr verschärft worden sind. Zu Details dieser Sicherheitsvorschriften macht das Bundesumweltministerium keine Angaben.

 

Was sagt die Polizei?

Zuständig für die Sicherung der 50 Flusskilometer während der fünf Transporte ist der Göppinger Polizeipräsident Thomas Mürder, weil in seinem Präsidium die Fäden für derartige Spezialeinsätze zusammenlaufen. Seinen Angaben zufolge wird unter anderem die Wasserschutzpolizei das Schubschiff begleiten, ein mit Infrarottechnik ausgerüsteter Hubschrauber kreist über dem Verband. Zudem würden kritische Uferbereiche sowie die sechs Schleusen und 23 Brücken besonders geschützt. Mürder stuft den Neckar als "sicheren Transportweg" ein. Geplant sei, dass der Konvoi die Strecke von Obrigheim nach Neckarwestheim bei Tageslicht hinter sich bringt. Der Polizeipräsident rechnet mit Protestaktionen von Atomkraftgegnern.