SLK-Klinik dementiert: Keine Überbelegung, keine Personalnot

Heilbronn  Ärzte berichten von abgewiesenen Patienten, werdende Eltern von hoher Auslastung der Geburtshilfe im Gesundbrunnen.

Von Iris Baars-Werner

Klinik dementiert: Keine Überbelegung, keine Personalnot
Leere Betten? Das gab es im Gesundbrunnen vor Bezug des Neubaus (unser Foto), das gibt es im Sommer wegen "niedrigerer Nachfrage", so die SLK.Foto: Archiv/Berger

Die Geburtsabteilung proppenvoll, in der inneren Abteilung leere Betten, weil das Personal fehlt? Von Ärzten eingewiesene Patienten, die von der Klinik unbehandelt nach Hause geschickt werden? Eine neue Notaufnahme, in der man immer noch Stunden warten muss? Es gibt einige Kritikpunkte am SLK-Klinikum am Gesundbrunnen Heilbronn, die der Heilbronner Stimme zugetragen werden.

Betten leer

Ist das neue Krankenhaus zu stark belegt? Die SLK-Pressestelle sagt nein. Die Regelauslastung von Kliniken betrage laut Krankenhausplan des Landes 80 Prozent, im Gesundbrunnen lag man in den vergangenen Jahren "häufig leicht über diesem Wert", nie aber bei 100 Prozent. Aktuell, so die Auskunft, sei die Auslastung "bei rund 85 Prozent (kumuliert bis August)".

Dass Betten in Teilbereichen von Stationen geschlossen seien, begründet die SLK nicht mit Personalnot, sondern nennt die "niedrigere Nachfrage in den Sommermonaten" als Grund. "In Abstimmung mit den Chefärzten" würden in der Urlaubszeit Bettenbereiche einzelner Stationen "temporär nicht belegt", das führe auch zu einer "Entlastung des Pflegepersonals".

Behandlungstermine werden nach Dringlichkeit der Behandlung vergeben

Dass von niedergelassenen Ärzten eingewiesen Patienten abgewiesen wurden, dementiert die Klinik. "Patienten sind seit längerer Zeit eher schwerer unterzubringen", schildert aber der Heilbronner Arzt Dr. Markus Quintela Schneider seine Erfahrung. Eine junge Patientin mit Gallenkolik und schwerer Bauchspeicheldrüsenentzündung sei ebenso von der Medizinischen Notaufnahme weggeschickt worden wie ein Patient mit Bluterbrechen.

"Eingewiesene Patienten werden von uns nicht abgewiesen", lautet dazu die Aussage der Pressestelle. "Vor einer stationären Aufnahme erfolgt jedoch immer eine Prüfung, ob die Behandlung ambulant durchgeführt werden kann." Die Behandlungstermine würden nach "Dringlichkeit der Behandlung vergeben. Notfälle werden immer direkt behandelt." In der Notfallambulanz seien die Abläufe "seit Bezug des Neubaus noch besser strukturiert und laufen gut". Wegen der Nicht-Planbarkeit könne es "situativ zu Wartezeiten kommen".

"In der Geburtshilfe wurden bisher keine Patientinnen abgewiesen", sagt die Pressestelle. Eine junge Mutter hatte der Stimme geschildert, dass sie nicht wie geplant ihr Kind im Gesundbrunnen habe zur Welt bringen können, sie habe eine Klinik im Stuttgarter Raum aufsuchen müssen. Eine andere junge Familie berichtete, dass die junge Mutter das Zimmer habe wechseln müssen. SLK bestätigt, man verzeichne, wie andere Kliniken auch, eine erhöhte Nachfrage. Das führe dazu, "dass räumlich und personell besonders disponiert werden muss" und im Einzelfall "zu mehrmaligen Verlegungen".

 

Kommentar: Einblicke nicht erwünscht

Urteile von Patienten und deren Angehörigen über Klinikaufenthalte sind persönliche Bewertungen. Sie fallen bei ein- und demselben Krankenhaus mal sehr positiv, mal ausgesprochen negativ aus. Daneben gibt es pauschale Erzählungen: Kleine Kliniken spielen darin oft die Rolle der menschlichen Spitäler, in denen der Einzelne noch zählt, große Krankenhäuser gelten nicht selten als der Moloch, der Kranke und Besucher in der Anonymität alleine lässt. Aus all dem verlässliche Aussagen über die medizinische und pflegerische Qualität herzuleiten, verbietet sich. Deshalb gibt es Qualitätszirkel mit Beurteilungskriterien. Diesen stellen sich die SLK-Kliniken – zumeist mit guten Noten.

Das ist die eine Seite. Die andere ist die der Kommunikation. Wie reagiert eine Klinik auf Kritik und Anfragen der Presse dazu? Professionell, könnte man antworten. Wenn man „professionell“ so definiert, wie es offensichtlich die SLK-Spitze tut – und sich dabei ein Beispiel an der Wirtschaft nimmt. Fragen müssen schriftlich eingereicht werden, sie werden schriftlich beantwortet – außer, man hat ein Gespräch mit dem Geschäftsführer, einzig er antwortet direkt. Die Pressestelle aber sichert sich schriftlich ab. Nachfragen unterliegen dem selben Procedere. Daraus folgt ein langwieriges Hin und Her – und oft der Eindruck geschönter, blickdichter Sätze, wo klare Worte gefragt sind. 


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