Anreiz zum Umstieg: Was den ÖPNV attraktiver machen kann

Region  Der ÖPNV macht derzeit eher mit negativen Schlagzeilen von sich reden. Ungeachtet dessen versucht der regionale Verkehrsverbund HNV durch immer mehr Angebote, Autofahrern den Umstieg auf Busse und Bahnen schmackhaft zu machen.

Von Bärbel Kistner

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Bequemer und billiger: Wer ein E-Ticket nutzt, braucht kein Kleingeld, muss am Automaten nicht nach der passenden Fahrkarte suchen und spart obendrein noch 25 Prozent.Foto: Andreas Veigel

Jüngstes Beispiel ist eine neue Kooperation mit dem Besucherbergwerk in Bad-Friedrichshall-Kochendorf: Ab 1. September gibt es dort für alle, die mit der Stadtbahn kommen, Rabatt auf den Eintritt. Fünf Euro sind es beim Familienticket, 1,50 Euro bei Einzelkarten.

Salzwerke-Mitarbeiterin Svenja Krauskopf weiß zwar nicht, wie viele der pro Saison 50.000 Besucher bereits die Stadtbahn nutzen, aber die Anbindung sei perfekt: Die Haltestelle liegt nur zwei Minuten entfernt vom Eingang.

Für HNV-Geschäftsführer Gerhard Gross haben Kooperationen eine zunehmende Bedeutung: um bei Großveranstaltungen Staus zu vermeiden und um den ÖPNV in ein positiveres Licht zu rücken. Mit Tickets aus dem Vorverkauf kann man im gesamten HNV-Bereich umsonst zum Event fahren. Pro verkaufter Eintrittskarte zahlt der Veranstalter "einen kleinen Obolus" an den HNV, dieser liege "unter einem Euro".

Gespräche mit den Buga-Machern

Wunschpartner für 2019 ist natürlich die Bundesgartenschau. "Beide Seiten wollen es, wir sind im Gespräch", berichtet Gross. Offen sei derzeit noch die Frage, wie man auch benachbarte Verkehrsverbünde einbeziehen kann.

Funktionierende Vereinbarungen gibt es mit dem Heilbronner Theater, mit Veranstaltern großer Konzerte in Frankenstadion und Wertwiesenpark, mit Württembergischen Kammerorchester, Sinfonieorchester, Provinztour und Kulturring. Auch Sportangebote sind dabei: Die TSG Hoffenheim ist HNV-Partner, Trollinger-Marathon-Läufer können über die Startgebühr Busse und Bahnen nutzen, ebenso Teilnehmerinnen beim Frauenlauf.

Um das Angebot noch auszubauen, wünscht sich Gerhard Gross, dass die Heilbronn Marketing mit allen Anbietern von Veranstaltungen in der Harmonie einen Generalvertrag abschließt , der die ÖPNV-Kombi zur Bedingung macht: "Das ist bislang in Heilbronn leider noch nicht zustande gekommen." Dass es funktioniert, zeigten Beispiele aus Stuttgart und Mannheim.

Museen als Partner

Bei den Partner-Museen greift die Variante vom Salzbergwerk. Wer sein ÖPNV-Ticket vorzeigt, erhält einen Nachlass auf den Eintritt. Partner sind unter anderem Experimenta, Stadt- und Zweiradmuseum Neckarsulm, Freilichtmuseum Wackershofen, Autotechnik-Museum oder Weygang-Museum Öhringen. Im Gegenzug macht der HNV für die Kooperationspartner Werbung.

Aufgekündigt haben unlängst die Städtischen Museen Heilbronn die Kooperation mit dem HNV − das heißt, ÖPNV-Nutzer erhalten keine Ermäßigung mehr. Bei Gerhard Gross stößt dieser Schritt auf Unverständnis: "Das passt nicht in unsere Zeit." Zumal die Stadt Anfang 2017 ihr neues Mobilitätskonzept präsentiert hat, mit dem Ziel, den Anteil des ÖPNV zu stärken.

Eine neue Ära hat 2013 das E-Ticket eingeläutet: Der bargeldlose Kartenkauf macht die ÖPNV-Nutzung nicht nur bequemer, sondern auch 25 Prozent billiger. Zahlen zeigen nach oben: 2016 registrierte der HNV 5000 E-Ticket-Nutzer, aktuell haben bereits 7500 Fahrgäste die Karte in der Tasche.

 


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