Zweites Schiff mit Atommüll erreicht Neckarwestheim

Region  Der zweite Transport von Castor-Behältern über den Neckar verläuft weitgehend reibungslos. Das Spezialschiff legt die rund 50 Kilometer lange Strecke in elf Stunden zurück und erreichte gegen 17.30 Uhr Neckarwestheim. In Lauffen versammelten sich nachmittags 15 bis 20 Gegner.

Von Heike Kinkopf und Alexander Klug

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Nach elf Stunden Fahrt auf dem Neckar hat das Spezialschiff mit ausgedienten Brennelementen das Atomkraftwerk in Neckarwestheim gegen 17.30 Uhr erreicht. Der Transport radioaktiven Abfalls von Obrigheim nach Neckarwestheim ist weitgehend störungsfrei abgelaufen. „Das Schiff hat die Schleusen problemlos und ohne Verzögerungen passiert“, sagt Polizeisprecherin Yvonne Schmierer. „Nennenswerte Störungen gab es keine.“ Auch die Stellen, an denen es beim ersten Transport dieser Art im Juni Protestaktionen gab und der Transport aufgehalten wurde – etwa in Bad Wimpfen.

Protestaktionen von Gegnern fanden wenig Resonanz, anders als beim ersten Castortransport verfolgten dieses Mal nur vereinzelt Schaulustige das Geschehen. Die Polizei habe das eine oder andere am Vorgehen geändert, erläutert Yvonne Schmierer. Auf Details wolle sie aber nicht eingehen, ebenso nicht auf die Anzahl der Beamten. „Die Stärke vor Ort ist mit Augenmaß gewählt.“

Zwischen 15 und 20 Demonstranten

An der vom Bündnis Neckar castorfrei angekündigten Mahnwache in Lauffen beteiligten sich am Vormittag nach Angaben der Polizei rund zehn Personen. Kurz bevor das Schiff dort gegen 16 Uhr ankam, hatten sich zwischen 15 und 20 Gegner der Atommülltransporte auf der alten Neckarbrücke versammelt, um zu protestieren. „Nach zweimaliger Aufforderung durch die Polizei räumten sie die Brücke freiwillig. Das Schiff setzte seine Fahrt ohne Zeitverlust fort“, sagt die Sprecherin.

Das Schiff war um kurz vor 6.30 Uhr mit drei Castorbehältern aufgebrochen, beladen mit Brennelementen aus dem stillgelegten Kernkraftwerk des Energiekonzerns EnBW in Obrigheim. Der Atommüll wird im Kernkraftwerk Neckarwestheim in den tonnenschweren Metallkonstruktionen der Castorbehälter zwischengelagert. Wie lange das sein wird, ist ungewiss, die Suche nach einem Endlager für atomaren Abfall hat erst begonnen.

Hunderte Polizeibeamte sicherten den Transport erneut mit Booten und Hubschraubern entlang der 50 Kilometer langen Strecke. Drei weitere Transporte auf dem Neckar stehen noch bevor, insgesamt 342 ausgediente Brennelemente sollen so nach Neckarwestheim gebracht werden. Wann die Fahrten sein werden, ist noch offen.