Zweiter Castor-Transport ist auf dem Neckar unterwegs

Region  Erneut macht sich ein Schiff mit radioaktivem Müll von Obrigheim aus auf den Weg nach Neckarwestheim. Der Schubverband hat gegen 11 Uhr Bad Wimpfen passiert - dieses Mal ohne Protestaktion.

Von Heike Kinkopf und Daniel Stahl

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Am Mittwochmorgen kurz vor 6.30 Uhr hat das Schiff mit drei Castorbehältern in Obrigheim abgelegt. Das berichten Atomkraft-Gegner, die den Transport beobachten. Auch die EnBW hat das in einer Pressemitteilung bestätigt.

Der erste Atommülltransport auf dem Neckar Ende Juni dauerte rund 13 Stunden. Damals hatten jedoch auch Gegner des Transports den Neckar für mehr als eine Stunde blockiert.

Hunderte Polizeibeamte sind auch am heutigen Mittwoch im Einsatz. Polizeiboote begleiten den Transport auf dem Wasser, Hubschrauber verfolgen den Verlauf des Großeinsatzes aus der Luft und entlang der Strecke sichern Beamte Schleusen und Straßen entlang der rund 50 Kilometer Strecke.

Gegen 11 Uhr passierte der Schubverband Bad Wimpfen - dieses Mal ohne Zwischenfälle. Beim ersten Castortransport hatten sich Aktivisten von der Wimpfener Neckarbrücke abgeseilt. Heute hatte das Anti-Konflikt-Team der Polizei nichts zu tun. 

An der vom Bündnis Neckar castorfrei angekündigten Mahnwache in Lauffen beteiligten sich laut Polizei am Morgen rund zehn Personen. 

Zum ThemaRückblick auf den ersten Castor-Transport auf dem Neckar

Das Schiff auf dem Neckar ist beladen mit Brennelementen aus dem stillgelegten Kernkraftwerk des Energiekonzerns EnBW in Obrigheim. Der Atommüll wird im Kernkraftwerk Neckarwestheim in den tonnenschweren Metallkonstruktionen der Castor-Behälter zwischengelagert.

Kritiker sprechen sich gegen Transporte aus

Die insgesamt fünf geplanten Transporte auf dem Neckar sind umstritten. Der erste im Juni war begleitet von zahlreichen Protestaktionen. Auch der Gemeinderat von Neckarwestheim spricht sich gegen die Castor-Transporte und das Zwischenlager in seiner Kommune aus. Kritiker monieren, EnBW verzichte aus Kostengründen auf den Bau eines Zwischenlagers in Obrigheim, zudem sei die Sicherheitslage in Neckarwestheim unsicherer als vom Betreiber behauptet.

Zum Thema: Neckarwestheim unterliegt vor Gericht im Streit um Castor-Transporte

Die EnBW wiederum sagt, sie treibe den Rückbau ihrer Kernkraftwerke konsequent voran. „Um Verzögerungen beim sicheren Rückbau des Kernkraftwerks Obrigheim zu vermeiden, will die EnBW dort lagernde Brennelemente in das Zwischenlager des Kernkraftwerks Neckarwestheim überführen“, heißt es auf ihrer Internetseite. Dadurch werde auch der Bau eines weiteren Zwischenlagers in Deutschland überflüssig.

Straßen gesperrt

Bei Schleusen und Brücken werden die Straßen zeitweise gesperrt. Zudem existiert ein Bade- und Schwimmverbot, das sich aus der sogenannten Binnenschifffahrtsstraßen-Ordnung ableitet.

Danach ist das Schwimmen und Baden in Schleusenbereichen, im Arbeitsbereich von schwimmenden Geräten, an durch Verbotsschilder gekennzeichneten Stellen und im Bereich bis zu 100 Meter ober- und unterhalb einer Brücke oder eines Wehres grundsätzlich verboten. Dieses Verbot gilt unabhängig von Castor-Transporten.