Zimmer verzweifelt gesucht

Region  Zu Beginn des Wintersemesters herrscht Wohnungsnot. Wie Studenten trotzdem eine Bleibe finden:

Von unserem Redaktionsmitglied Franziska Türk

Zimmer verzweifelt gesucht
Mit Plakaten wie hier in der Charlottenstraße wird nach Zimmern gesucht.

In Laufnähe zum Campus und zur Stadt, voll möbliert und nicht teurer als 400 Euro warm − so soll es sein, das zukünftige Zimmer einer Studienanfängerin. 6700 Studenten gibt es derzeit in Heilbronn, und wie viele andere Erstsemester steht die 23-Jährige kurz vor Beginn des Wintersemesters vor der Frage: Einzimmerwohnung, WG-Zimmer oder doch ein Platz im Studentenwohnheim?

Obwohl sie sich gleich nach der Zusage der Hochschule Anfang August auf die Suche nach einem Zimmer gemacht hat, ist die Stuttgarterin bisher nicht fündig geworden. Denn freie Zimmer sind sowohl in den Wohnheimen des Studierendenwerks als auch auf dem privaten Wohnungsmarkt knapp.

Bafög

"Es gibt noch eine kleine Anzahl von Plätzen, aber Mitte bis Ende des Monats werden die weg sein", sagt Rainer Weyand vom Studierendenwerk Heidelberg, das in Heilbronn das Alte Stuwo, das Gustav-Berger-Wohnheim und das Wohnheim in der Kennedy-Straße unterhält. Mit einem Mietpreis von 173 bis 315 Euro sind die Zimmer deutlich günstiger als in den privaten Wohnheimen. Das liegt daran, dass ein Teil des Semesterbeitrags an das Studierendenwerk geht.

Wer eines der begehrten Zimmer erhält, entscheiden auch soziale Komponenten. "Wer Anrecht auf Bafög hat, dem ist die Zuweisung eines Wohnheimplatzes schon fast sicher", erklärt Weyand. Auch die Entfernung zum Heimatwohnsitz spiele eine Rolle. Zusätzlichen Wohnraum soll das geplante neue Heim in der Cäcilienstraße schaffen − doch der Bau verzögert sich, Studenten können erst im Laufe des nächsten Jahres einziehen. Nach einer Generalüberholung präsentiert sich zumindest das Alte Stuwo seit September in neuem Licht.

Zimmer verzweifelt gesucht
18 Quadratmeter für 334 Euro: Fritz Kuch studiert Verkehrsbetriebswirtschaft und Personenverkehr und hat im Wohnheim Roberta sein Zuhause gefunden.Fotos: Dennis Mugler

Die Zimmer in privaten Wohnheimen sind ebenfalls größtenteils vermietet, trotz der höheren Preise. "Alle Zimmer sind vergeben", heißt es von der Verwaltung der Wohnheime Paula und Roberta. Der 22-Jährige Fritz Kuch ist einer der Glücklichen, die direkt beim Erstbezug 2014 eines der Zimmer in der Roberta ergattert haben. Seither gibt es durchgängig Wartelisten. Im privaten Wohnheim WGTwo, das seit diesem Jahr das WGOne erweitert, sind nur noch wenige Zimmer frei.

Ranhalten lautet also die Devise auf dem Wohnungsmarkt. Während Studenten der Hochschule bereits auf Zimmersuche sind oder ihr neues Reich schon gefunden haben, wissen einige zukünftige Studenten der Dualen Hochschule noch nicht einmal, dass Heilbronn ihr neues Zuhause wird.

"Es gibt Betriebe, die immer noch Studierende annehmen", sagt Heike Denscheilmann von der Hochschulkommunikation der Dualen Hochschule. Dementsprechend gebe es Studienplätze bis zur letzten Minute. Auch wenn die DHBW keine Zimmer zur Verfügung stellt, so gebe es doch ein Schwarzes Brett für WG-Zimmer und die Studierendenvertretung betreibe eine Wohnungssuchdatenbank und beantworte Facebook-Anfragen. Die Duale Hochschule Baden-Württemberg verweist außerdem auf die Online-Plattform Hochschulenhoch3 der Stimme.

Dort können Duale Studenten über das Schwarze Brett auch einen Tauschpartner finden, der mit ihnen im Drei-Monats-Rhythmus ein Zimmer teilt − eine besondere Herausforderung. Sonst muss während der Praxisphase im Unternehmen, das teils hunderte Kilometer entfernt ist, doppelt Miete bezahlt werden.

Umkreis

Studenten der Hochschule Heilbronn haben dieses Problem nicht, Zimmer in Wohngemeinschaften oder Wohnheimen sind jedoch auch für sie rar. "Wir empfehlen es immer, sich beim Studierendenwerk zu bewerben" sagt Melinda Wilhelms vom Studentischen Servicebüro am Campus Sontheim. "Es kann immer sein, dass man Glück hat und nachrutschen kann." Ihr Tipp außerdem: bei der Suche auch Zimmer einbeziehen, die etwas von Stadt oder Campus entfernt liegen. "Dann kommen am Ende doch alle unter." Dass wohnungssuchende Studenten campen wie aktuell vor dem Karlsruher Schloss − in Heilbronn ist das undenkbar.

Auch die eingangs erwähnte Stuttgarterin hat keine Angst, am Ende auf der Straße zu stehen. Weil sie von den Wohnheimen keine Rückmeldung bekommen hat, sucht sie nun über die Plattform WG-gesucht nach Zimmern und hatte schon einige Besichtigungen. "WG-Zimmer sind ganz klar günstiger", sagt die künftige Heilbronner Studentin, "ich bin zuversichtlich, dass es klappt."

Internet

www.wg-gesucht.de 

Hochschulenhoch3

 

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