Wollhaus-Besitzer drängen auf Lösung

Heilbronn  Wie geht es weiter mit dem mitten in Heilbronn gelegenen Einkaufszentrum? Es fanden nun Gespräche zwischen den Stadtoberen und Eigentümer-Vertretern statt. Einig sind sich die Beteiligten darin: Der "städtebauliche Missstand müsse beseitigt" werden.

Von Iris Baars-Werner, Bärbel Kistner und stimme.de

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Keine Drohung mit Schadensersatz, keine Schadenfreude. "Es geht jetzt um ein lösungsorientiertes Miteinander", sagt Stefan Zimmermann. Der Projektentwickler, Regionaldirektor der Jones Lang LaSalle Retail Asset Management GmbH (JLL) vertritt die Alteigentümer des Heilbronner Wollhauszentrums.

Seine Firma, die vor dem Verkauf an JLL unter dem Namen Acrest firmierte und so auch in Heilbronn auftrat, treibt im Auftrag der deutschen Immobilienbesitzer Lisker, Lisker, Weiss und der Firma des dänischen Investors Tommy Paulsen, die Generalsanierung des seit Mitte der 1970 Jahren bestehenden Heilbronner Einkaufszentrums voran. Die Weiterentwicklung des Bestandsgebäudes ist deren erklärtes Ziel.

Städtebaulicher Missstand muss beseitigt werden

Gestern waren Zimmermann und Judka Lisker bei der Stadt: Oberbürgermeister Harry Mergel und die beiden Dezernenten Martin Diepgen und Wilfried Hajek waren ihre Gesprächspartner. "Das Klima war sehr angenehm", sagt Zimmermann. Man sei sich mit der Verwaltungsspitze einig, dass an dieser Stelle "der städtebauliche Missstand beseitigt werden muss". Man sei "gar nicht so weit weg voneinander", schließlich gehe es auch den Eigentümern darum, "eine zukunftsfähige Immobilie" zu haben.

Auch in einer anderen Frage ist man sich offensichtlich einig: Eine Schadensersatzforderung habe keine Aussicht auf Erfolg, so Zimmermann. "Wir wollen das auch nicht", ergänzt Judka Lisker. Bei der Stadt hört sich das so an: "Mit Schadensersatzforderungen rechnen wir nicht, weil dafür jegliche Grundlage fehlt", so ein Sprecher.
 


Konkrete Planungen beginnen

Nach den ersten Sondierungsgesprächen mit der Stadt will JLL Anfang Januar in die konkretere Planung mit der Stadt einsteigen − ungeachtet der Option für die Projektentwicklung, die die Immobilientochter des Baukonzerns Strabag bis Ende 2017 für ihre eigenen Wollhaus-Pläne hat.

Das Projekt der Alteigentümer sieht bislang eine Totalentkernung des bestehenden Gebäudes vor, mit einer völligen Neugestaltung der Fassade und mit einer veränderten Erschließung und Aufteilung des Handelszentrums. Es sei aber auch ein Teilabriss möglich, erklärte Zimmermann im Gespräch mit der Heilbronner Stimme. "Wenn es notwendig wird, dass wir auch größere Teile abreißen, dann denken wir darüber nach."
 

 

Verschiedene Konzepte für den Wollhaus-Turm denkbar

Der Wollhaus-Turm soll dabei erhalten bleiben: "Wir glauben, dass er sich sehr gut vermieten lässt", sagte Zimmermann. Mit den Eigentümern habe man erste Gespräche geführt. Für den Turm können sich die Investoren verschiedene Konzepte oder aber eine gemischte Nutzung vorstellen mit Hotel, Seniorenappartements und Wohnungen. In einem Fassadenwettbewerb soll über die Gestaltung entschieden werden. Auch müsse man die Bevölkerung in eine Lösung einbinden.

Bis ins drei Jahren, so Zimmermann, könnten die Vorarbeiten abgeschlossen sein: "Wir könnten vor der Bundesgartenschau anfangen, aber auch noch abwarten." Den Veränderungen im Einzelhandel sieht der Projektentwickler gelassen entgegen: Der Expansionsdruck im Südwesten Deutschlands halte an: "Heilbronn ist eine hochattraktive und prosperierende Stadt." Zusätzlich zum Handel kann sich Zimmermann fürs Wollhaus ein Fitness-Studio und Gastronomie − aber auch die neue Stadtbibliothek vorstellen.

 

 

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