Weihnachtsgeschichte beginnt am Neckarufer

Heilbronn  Andreas Walter aus Heilbronn hat in den 1970er Jahren am Neckar in Heilbronn einen Siegelring gefunden. Knapp 35 Jahre später findet das Schmuckstück zu seinem Besitzer. Einem ehemaligen US-Soldaten aus Texas, der in Heilbronn stationiert war.

Von unserem Redakteur Jürgen Kümmerle

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Andreas Walter (50) findet Anfang der 1970er-Jahre einen Siegelring am Neckarufer beim Eisstadion. Er recherchiert und spürt dessen Eigentümer auf. Foto: Kümmerle

Es muss Anfang der 1970er-Jahre gewesen sein. Andreas Walter aus Heilbronn ist damals vielleicht sechs oder acht Jahre alt. So genau kann er sich nicht mehr erinnern. Beim Spielen am Neckarufer fällt ihm ein glitzernd-goldener Ring auf. Seinen Schatz schenkt er seiner Oma.

Als sie stirbt, ist unter dem Nachlass auch der Ring, der in den Besitz seiner Eltern übergeht. Knapp 35 Jahre später findet das Schmuckstück zu seinem Besitzer. Einem ehemaligen US-Soldaten aus Pasadena im Bundesstaat Texas. Dahinter steckt eine der schönsten Weihnachtsgeschichten, die Andreas Walter je erlebt.

Hip Hop

Es ist Anfang der 1980er-Jahre in Heilbronn: Walter trifft sich mit den GIs aus den Wharton-Barracks. Sie tanzen zusammen Hip Hop und kaufen im PX der Kasernen US-amerikanische Waren ein. "Viele der Jungs trugen damals einen ähnlichen Ring", sagt der 50-Jährige heute. "Mir war klar, dass es ein Siegelring eines Colleges oder einer High School sein muss." Doch wieder vergehen Jahre.

2002 stirbt Walters Mutter. Erneut fällt ihm der Ring in die Hände. "Ich hatte das Gefühl, der Ring will irgendwas von uns." Er ist fest entschlossen, den Eigentümer des Schmuckstücks ausfindig zu machen. Unterm Vergrößerungsglas erkennt er einen blauen Stein und die eingravierten Initialen D.B.R. "Und irgendwas, das aussah, wie ein Büffelkopf."

Das Internet hilft ihm bei der Suche. Die Milby High School in Houston/Texas trägt einen Büffel in ihrem Wappen. Er durchforstet deren Internetseite und findet Jahrbücher der 1950er-Jahre. Mehrere Absolventen haben sich dort mit ihrer E-Mail-Adresse eingetragen. Unter anderem eine gewisse Marianne Wyatt. "Mir hat einfach ihr Vorname gefallen", sagt Walter, der als Produktionsleiter bei der Firma Lavatec arbeitet. Er schreibt ihr eine E-Mail auf Deutsch. "Ich wusste nicht, wie ich den Sachverhalt auf Englisch umschreiben soll."

Unbeantwortet

Die Tochter einer Freundin übersetzt die Mail. Wyatt kann die Geschichte zunächst kaum glauben, macht sich aber dennoch auf die Suche. Laut ihrer Jahrbücher gibt es nur einen D.R − Dennis B. Rogers aus Pasadena. Unzählige Male versucht sie, den Mann telefonisch zu erreichen. Ohne Erfolg. Ein Brief bleibt unbeantwortet. Also fährt sie zu ihm und hinterlässt eine Notiz in seinem Briefkasten. Noch am selben Nachmittag ruft er sie an. "Er erzählte mir, dass es definitiv sein Ring sein muss", wird Wyatt im Houston Chronicle zitiert. Die Tageszeitung ist ebenfalls auf die Geschichte aufmerksam geworden.

Unfassbar

Walter erhält von Wyatt die Adresse des GIs. Kurz vor Weihnachten kommt der Siegelring in Pasadena an. Postwendend schreibt der damals 71-jährige Rogers einen Brief an Walter. "Er hat sich wahnsinnig gefreut und sich 100 Mal bedankt. Für ihn ist es unfassbar, dass er den Ring nach so vielen Jahren zurückbekommt." Rogers schreibt, er war 1956 in den Wharton-Barracks in Heilbronn stationiert. Er sei damals im Neckar geschwommen und habe zuvor den Ring abgelegt. Für Walter schließt sich der Kreis. "Endlich ist der Ring wieder bei seinem Eigentümer."