Vom Wohnmobil-Boom noch stärker profitieren

Region  Das Reisen im Wohnmobil wird immer beliebter. Die Region möchte von diesem Boom profitieren, muss dafür aber noch an der Infrastruktur arbeiten.

Von unserer Redakteurin Bärbel Kistner

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Die Region möchte vom Wohnmobil-Boom profitieren. Bereits heute gibt es für Reisende eine ausführliche Karte mit Standorten und Touristiktipps. Foto: dpa

Eine Million Reisemobile sind in Europa unterwegs, in der Hälfte sitzen deutsche Touristen am Steuer. Für die deutschen Wohnmobilisten ist ihr eigenes Heimatland zudem das mit Abstand beliebteste Reiseziel. Von diesem Boom will auch die Region profitieren.

Die Zahl der Stellplätze ist in den vergangenen Jahren stark gestiegen, und vielerorts ist eine Ausweitung geplant − auch im Blick auf die Bundesgartenschau. Bei den Zielgruppen von Buga-Besuchern und Reisemobilisten gibt es Überschneidungen: Beide sind älter und relativ kaufkräftig.

Infrastruktur ausbauen

Tanja Seegelke, Geschäftsführerin der Touristikgemeinschaft Heilbronner Land, sieht eine Menge Potenzial. Zum einen müssten Anbieter die Infrastruktur für Reisende weiter ausbauen und beispielsweise für WLAN sorgen, zum anderen müssten die Angebote in der Region stärker vernetzt werden als bisher. Bereits heute gibt es eine ausführliche Karte mit Standorten und Touristiktipps. Die aktualisierte Neuauflage soll zur Touristikmesse CMT im Januar erscheinen.

Bei einem Workshop im Heilbronner Landratsamt trafen sich rund 40 Partner der Touristikgemeinschaft − um die Möglichkeiten auszuloten und um von Profis Tipps zu bekommen, etwa wie Wohnmobilisten ticken sowie Planungshilfen, was es beim Einrichten von Stellplätzen alles zu bedenken gibt. Für Hans-Jürgen Hess, Stellplatz-Experte der Zeitschrift Promobil, ist Wohnmobiltourismus "klassische Wirtschaftsförderung". Rund 50 Euro pro Kopf und Tag geben die Reisenden in der Gastronomie und in Läden aus. "Vor allem Weingüter jubilieren. Reisemobilisten haben Platz in ihrem Fahrzeug und können Wein kistenweise transportieren." An der Mosel biete inzwischen fast jedes Weingut Stellplätze an.

Lücken in der Region

Vom Wohnmobil-Boom noch stärker profitieren

In der Region weisen vor allem Kraichgau und Kocher-Jagst-Gebiet Lücken auf. Rund um Erlenbach und im Zabergäu gibt es dagegen bereits diverse Anbieter. "Für Weinbaubetriebe ist es sehr interessant", bestätigt Ute Frank vom Neckar-Zaber-Tourismus. In den Außenbereichen hat es in der Regel genug Platz, auch wenn dort vielfach nur einfache Stellplätze ohne Ver- und Entsorgungsstationen angefahren werden können − bauliche Maßnahmen sind nicht immer genehmigungsfähig. Einer, der auf alle Fälle investieren will, ist Walter Schneider aus Dürrenzimmern.

Dass die Buga dem Wohnmobiltourismus in der Region weiteren Aufschwung geben wird, davon ist Ute Frank überzeugt: "Brackenheim hat eine super Lage. Man kann bequem vom Busbahnhof aus nach Heilbronn kommen. " Der Brackenheimer Bauamtsleiter Heiko Bleibdrey sieht auch für einen städtischen Platz am Wiesental gute Perspektiven, um die Stadt touristisch aufzuwerten.

Nadine Ottmüller vom Rathaus Möckmühl bekräftigt ebenfalls das Interesse ihrer Kommune: "Wir suchen nach einem neuen Standort, der näher an der Stadt liegt." Es gibt bereits Stellplätze, aber diese seien zu weit außerhalb und schlecht ausgebaut. Eine bessere Infrastruktur an bestehenden Plätzen am Freibad will auch die Stadt Langenburg im kommenden Jahr schaffen. Bürgermeister Wolfgang Class hält Ausschau nach Fördermöglichkeiten.

Stressfreies Reisen

Eindeutig die Buga-Touristen im Visier hat Bad Rappenau: "Wir wollen erweitern", erklärt Dieter Wohlschlegel. Zu den bestehenden 27 Plätzen am Gradierwerk sollen zehn bis zwölf weitere dazu kommen. "Von uns können Buga-Gäste per Stadtbahn stressfrei nach Heilbronn kommen."

Die Stadt Neckarsulm dagegen verweist auf den Campingplatz an der Reisachmühle und die Stellplätze beim Aquatoll, "die hauptsächlich von Tagestouristen genutzt werden und für diesen Zweck ausreichen", sagt Andreas Bracht von der städtischen Pressestelle. Ein Ausbau des Angebots im Hinblick auf die Buga sei derzeit nicht geplant.

Tanja Seegelke verweist auf den langfristigen Effekt: Wenn zu einer Bundesgartenschau neue Plätze für Wohnmobilreisende eingerichtet wurden, dann seien diese in der Regel auch danach erhalten geblieben.