Viel Historie beim Reichsstadtfest

Bad Wimpfen  An diesem Wochenende prägen Teilnehmer in historischen Kostümen die Szenerie in der Wimpfener Altstadt.

Von Claudia Kostner

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Die Gallas Dragoner aus Memmingen mischen das Bad Wimpfener Burgviertel am Samstag so richtig auf. Noch bevor sich der große Festumzug zur Eröffnung des Reichsstadtfests in Gang setzt, machen sie Party. Ihr Zweiter Leutnant Klaus Kamer steht auf einem Mäuerchen und gibt den Ton an: „Rock mi heit Nacht“ klingt es aus vielen Kehlen. Und bei ihrer Aufwartung vor dem Rathaus lassen die Schützen es dann richtig krachen: Einer der Salutschüsse aus ihren Musketen reißt doch wahrhaftig ein Loch in die Reichsstadt-Fahne.

Bürgermeister Claus Brechter, im Gewand eines Schultheißen aus dem 15. Jahrhundert, nimmt es gelassen: „Beim nächsten Mal erzähle ich, dass das noch vom 30-jährigen Krieg ist.“ Ihr Lager haben die Gallas Dragoner und Rontaschiere, zwei Wallenstein-Gruppen aus eben dieser Zeit, am Birkensee aufgeschlagen. Sie sind schon zum dritten Mal beim Reichsstadtfest. „Das ganze Flair, die ganze Stadt, das passt“, findet Klaus Kamer.

Jubel und Trommelwirbel in den Gassen

Der Festumzug ist am Samstag und Sonntag der Höhepunkt des Wochenendes. Jubel und Trommelwirbel schallen durch die Gassen der Altstadt, die von Hunderten Zuschauern gesäumt sind. Wo die Zeiten doch eher düster waren im Mittelalter und zur Zeit der Reformation, die im Luther-Jahr natürlich auch in Wimpfen Thema ist. Krass der Gegensatz zwischen Klerus und Adel auf der einen und den unfreien Bauern auf der anderen Seite. „Freiheit!“ fordern dann auch lautstark die Bauern der Wimpfener Gruppe Aderlass.

Zahnlose Bettler und Bettelmönche, in abgerissenem Sackleinen, vom Staufersaga-Verein Schwäbisch Gmünd folgen auf Stauferkaiser Friedrich II, Ehefrau Konstanze und Sohn Heinrich VII., dargestellt vom Stauferpfalz-Festspielverein Bad Wimpfen. 

Dazwischen marschieren schwer bewaffnete Soldaten, wie die Grenadiere aus Villingen oder die Landsknechte von „Tillys wilder Haufen zu Hilspach“, die im Takt der Trommeln vorbeimarschieren. 750 Meter geht es durch die historische Kulisse. Ein Klacks für die Mitglieder des Staufersaga-Vereins. „Bei uns in Schwäbisch Gmünd ist der Umzug 3,5 Kilometer lang“, sagt Bettler Dagobert Arnd.

Besucher begeben sich auf Zeitreise

Aber nicht nur während des Festzugs, den ganzen Tag können die Besucher sich auf Zeitreise begeben. Wenn sie sich nur nicht mit der Pest anstecken, an den Pranger gestellt werden oder in den Bauernaufstand hineingeraten. Denn überall gibt es kleine Szenen verschiedener Gruppen. Rund 500 Beteiligte vor und hinter den Kulissen sind an beiden Tagen auf den Beinen, vor allem die Wimpfener selbst, weiß Thomas Michl vom Wimpfener Kulturamt.

Kim Kremer aus Kornwestheim ist begeistert von dem Spektakel. „Tolle Kostüme“, findet der Mittelalter-Fan. „Erstaunlich, dass so viele Bürger eines kleine Ortes mitmachen“, staunt sein Vater Friedel Kremer, der aus Wuppertal angereist ist.
 

Wimpfener Geschichte

Aus der größten Kaiserpfalz nördlich der Alpen ging im 13. Jahrhundert die unabhängige Reichsstadt Wimpfen hervor. Mit beispielhafter Ratsverfassung und einem der größten Dominikanerkloster Deutschlands. Anfang des 16. Jahrhunderts wurde Wimpfen zur Hochburg der Reformation am Neckar. Die Schlacht bei Wimpfen 1622, eine der wichtigsten des 30-jährigen Krieges, läutete einen langwährenden Niedergang der Reichsstadtzeit ein, die 1803 endgültig zu Ende war. 

Der Sonntag

Am Sonntag beginnt das Reichsstadtfest mit einem Festgottesdienst in der evangelischen Stadtkirche. Um 11.30 Uhr startet der Umzug durch die Gassen der Altstadt. Festende ist um 18 Uhr.