Verlässt die Zabergäubahn das Abstellgleis?

Region  Eine Expertenrunde hat am Donnerstagabend die Machbarkeitsstudie vorgestellt, die der Landkreis Heilbronn zur Zabergäubahn in Auftrag gegeben hat. Nun geht es um die Berechnung der volkswirtschaftlichen Kosten und Nutzen, die bei einer Reaktivierung der Strecke entstehen würden.

Von Rolf Muth

Podiumsdiskussion zur Zabergäubahn

Die Brückenbauwerke sind erstaunlicherweise gut in Schuss, die Trasse für die Schiene auch drei Jahrzehnte nach der Stilllegung der Zabergäubahn frei.

"Das ist ein großer Gewinn", stellt Dr. Reinhard Bickelhaupt, Chef der Planungsabteilung der Karlsruher Albtal-Verkehrsgesellschaft (AVG) fest. Für die 140 Zuhörer der vom Verein Zabergäu pro Stadtbahn eingeladenen Expertenrunde hat der Ingenieur aber auch schlechte Nachrichten mitgebracht: Bei der Betrachtung des Abschnitts zwischen Lauffen und Zaberfeld fällt der vielfach durchwurzelte Unterbau auf, zum Teil ist der Bahndamm erheblich unterspült und daher auf großen Strecken ein kompletter Sanierungsfall. "Und auch wenn der eine oder andre noch existierende Übergang so aussieht: Es geht kein rotes Lichtchen an."

Aber aufgeben? Von wegen

Bickelhaupts Fazit sieht letztlich ganz anders aus: "Die Zabergäubahn ist eine sehr reizvolle Strecke, die nach Reaktivierung schreit." Und dafür erntet er im Saal der Weingärtner Cleebronn-Güglingen schier frenetischen Beifall. Reinhard Bickelhaupt hat im Auftrag des Landkreises Heilbronn die Machbarkeitsstudie für die Zabergäubahn erstellt.

"So weit wie jetzt waren wir noch nie", betont die Zweite Vorsitzende des Vereins, Friederike Wilhelm. Das weiß auch Claus-Jürgen Renelt, Chefplaner des Landkreises Heilbronn. Er hält die Idee, die Stadtbahn Nord nicht am Bahnhof Heilbronn enden zu lassen, sondern nach Zaberfeld im 30-Minuten-Rhythmus durchzutakten für hervorragend. Die AVG komme so mit weniger Fahrzeugen aus. Immerhin kostet eine Stadtbahn heute fünf Millionen Euro.

Reizthema Betriebskosten

An den vier bis fünf Millionen Euro Betriebskosten jährlich scheiden sich allerdings die Geister. Renelt erklärt warum. 1986 wurde auf der Strecke der Personenverkehr eingestellt, 1994 fuhr der letzte Güterzug, und ein Jahr später wurde die Strecke offiziell stillgelegt. 1996 wurde die Deutsche Bahn privatisiert. Sogenannte Regionalisierungsmittel werden seitdem jährlich vom Bund an die Länder für den Betrieb zugeteilt. Nicht aber für die Zabergäubahn. "Denn diese gab es nicht mehr", macht Philipp Hendricks den Zuhörern klar.

Er ist Referent für den Schienenpersonennahverkehr im baden-württembergischen Verkehrsministerium. So müssen sich Kommunen und Landkreis diesen jährlichen Unterhalt zur Hälfte teilen. "Die Distanz Heilbronn-Lauffen ist jedoch Vollbahnstrecke. Das ist Ländersache", sagt Hendricks und geht von der Finanzierung der Betriebskosten durch das Land auf diesem Abschnitt aus. "Ich will aber nichts versprechen."

"Ich glaube an die positive Zukunft der Zabergäubahn"

Die Finanzausstattung des Landes für den Schienenverkehr werde ab 2021 jedoch wesentlich besser sein, als sie es derzeit ist. Nahverkehrsberater Hartmut Jaißle sieht ebenfalls den zusätzlichen finanziellen Spielraum des Landes: "Ich glaube an die positive Zukunft der Zabergäubahn."

Die im Raum stehenden, einmaligen 52 Millionen Euro Baukosten seien zu stemmen, darin sind sich die Experten einig. Denn in dieser Investitionshöhe ist der Bund zuständig. Während das Land, zuständig bei Projekten unter 50 Millionen Euro, nur 50 Prozent fördert, ist die Quote beim Bund weit höher, rechnet Hendricks vor. Die Zabergäubahn würde mit 60 Prozent vom Bund bezuschusst, 20 Prozent kämen vom Land und 20 Prozent blieben beim Vorhabenträger. Die Region hätte deutlich weniger für die Reaktivierung der Zabergäubahn zu bezahlen.

Spannend wird der nächste Schritt

Die sogenannte standardisierte Bewertung soll Aufschluss darüber bringen, ob die Kosten-Nutzen-Rechnung für die Strecke sinnvoll ist. Renelt: "Unter dem Wert 1,0 sieht es für die Zabergäubahn sehr düster aus. Dann bekommen Sie von Land und Bund keine Fördermittel."

"Die Chance , etwas zu reißen, ist so groß wie nie", betont Zuhörer Siegfried Götz aus Leonbronn zum Auftakt einer langen Diskussion. Allerdings müsse das ganze Zabergäu mehr zusammenhalten als bisher: "Wir haben hier zu viel Egoismus", sagte er mit Blick auf die Alleingänge der Kommunen.