Trollinger-Marathon: Fans feuern auch bei Regen an

Heilbronn  Die Unterstützung für die Läufer an der Strecke war zwar lautstark, dafür aber weniger als sonst. Großer Andrang herrschte am letzten Weinstand vor dem Ziel. So schön (und nass) war der 17. Trollinger-Marathon.

Von Carsten Friese

Kernige Trolli-Fans feuern auch bei Regen an
Auf die Plätze... Viele Kinder waren beim Mini-Marathon am Start, der getrennt nach Geschlechtern organisiert wurde.

Als die Halbmarathonläufer auf der Trolli-Strecke die harte Steigung am Haigern bei Talheim emporlaufen, stehen trotz des Nieselregens die Raubritter des Fanfarenzugs Talheim schon bereit. Sie haben ein halboffenes Zelt mit nach oben gebracht und wollen die Sportler mit kerniger Blasmusik anfeuern.

Was sie im Gepäck haben? "Power of love" und "Ice in the sunshine", sagt Stabführer Marco Heinrich schmunzelnd. Ihm mache der Regen nichts aus. "Wir sind ja überdacht."

Einige Zaungäste sind mit Regenschirmen und Klapperutensilien an den Rand des Höllenaufstiegs gekommen, wo die Läufer Sprüche auf dem Asphalt wie "Keine Gnade für die Wade" überqueren.

"Auf geht’s", "Super", "gleich geschafft" kommen Anfeuerungsrufe. "Bei schönem Wetter kann’s jeder", erklärt die Lauffenerin Silke Baumann ihr Kommen. Birgit Sautter ist schon fünf Mal mitgelaufen. Jetzt seien mal die anderen dran. Sie feuert Ehemann Andreas an − wenn er irgendwann kommt.

>> Zum Nachlesen: Der Stimme-Blog zum Trolli 2017

Kernige Trolli-Fans feuern auch bei Regen an
Das tut gut: Entspannung nach dem Zieleinlauf im kalten Kneipp-Becken.

Nur ein paar Sekunden hat eine Gruppe um Martin Schübel und Klaus-Peter Lobmüller am Morgen beim Blick auf die Regenwolken überlegt, ob sie mit dem Bauwagen samt Aussichtplattform wirklich wieder auf den Haigern fahren sollen.

Dann war klar: Kneifen gilt nicht. Mit Sprudel, Saft und Lemberger saßen sie erst mal im Trockenen im Wageninnern. Als die ersten Läufer ab 10.47 Uhr kommen, gehen auch sie zum Anfeuern raus ins Freie.

Ist der Trollinger-Marathon für die Spaliersteher Ehrensache? Nicht überall. Deutlich weniger Fans zieren bei dem Regen die Strecke. Viel Arbeit haben die Helfer am Wasserstand.

"Die hauen einem ja den Becher aus der Hand", sagt eine Ehrenamtliche trocken. In vollem Lauf nehmen viele der schnellen Teilnehmer den Becher mit, verschütten die Hälfte − nur keine Zeit verlieren.

 

Kernige Trolli-Fans feuern auch bei Regen an
Am Weinstand in Klingenberg: Vater und Tochter Hofmann ließen sich nicht hetzen.Foto: Friese

Trollinger schenkt Michael Hirth gegen 11.10 Uhr ein paar Meter weiter aus. Ganz wenige Läufer bleiben anfangs stehen, sieben Becher hat Hirth bisher beim Halbmarathon gezählt, beim Marathon waren es vier Flaschen. "Heute ist kein Trollinger-Wetter", sagt er. Aber: Die "Genießer" unter den Läufern "kommen noch", weiß er aus Erfahrung

Szenenwechsel, 12 Uhr in Klingenberg. Rund vier Kilometer sind es noch bis zum Ziel an dem Punkt, wo Marathon- und Halbmarathonläufer auf der langen Gerade zusammentreffen.

Die Musikkapelle, die sonst hier für Stimmung sorgt, ist mit Blick auf das Nass von oben nicht gekommen. Dafür feuern zahlreiche Bürger die Läufer an, aber auch hier deutlich weniger als sonst.

>> Zum Durchklicken: Die schönsten Motive entlang der Strecke in unseren Bildergalerien

Kernige Trolli-Fans feuern auch bei Regen an
Mit Deutschlandtröte und Pfeife in die Vollen: Die Läufer können jede Anfeuerung gebrauchen.

"Go, go, go" steht auf einem riesigen Plakat an einer Wand. Mit Begeisterung halten Jakob (3), Tiana (2) und Jairo (4) den Läufern ihre ausgestreckten Hände entgegen, viele klatschen die Kinder ab. "Sie haben einen Riesen-Spaß dabei", freut sich eine Mutter.

Beim Blick auf die Läuferschar fällt auf: Urig Kostümierte sind nur wenige dabei. Mal eine Art Steinbockhut, mal Engelsflügel, ein Hase, rosa Luftballons um die Taille, ein Darth Vader oder Läufer in bunten Küchenschürzen − insgesamt ebbt die Lust auf kreatives Outfit offenbar ab.

Am Weinstand des SSV Klingenberg ist mittlerweile Hochbetrieb. Die gemächlicheren Läufer machen hier in Ruhe Pause, trinken ein Zehntel Trollinger, Riesling oder Weißherbst. "Seit Jahren mache ich hier Weinprobe, das ist Tradition", meint Läufer Ulrich Selmikat.

Aus Peine (Niedersachsen) ist Roland Hofmann angereist, läuft gemeinsam mit Tochter Nathalie, die in Heilbronn studiert. "An jedem Stand wird probiert. Wer schnell ist, der ist selbst schuld", sagt er lachend.

Für Fritz Vogel vom SSV-Weinstand ist es dieses Flair, das den Reiz des Trolli ausmacht. "Es macht einfach Spaß − auch bei Regen."

 

Die Sieger beim Trollinger Marathon

Marathon Männer

1. Dickson Kurui, Die Unglaublichen (2:31:16)

2. Simion Sang, Die Unglaublichen (2:31:54)

3. Jordanis Theodosiadis, Hellas Heilbronn (2:45:52)

 

Marathon Frauen

1. Veronica Clio Hähnle-Pohl, Teusser Team/TSG 1845 Heilbronn (2:49:28)

2. Bettina Englisch, Teusser Team/TSG 1845 Heilbronn (2:49:52) 

3. Maria Magdalena Veliscu, Running Frenzy (3:06:42)

 

Halbmarathon Männer

1. Joseph Dapal, Fast Men (1:07:23)

2. Emmanuel Kiprono, Fast Men (1:07:28)

3. Michael Kipkemboi Chelule, run2gether (1:07:30)

 

Halbmarathon Frauen

1. Betty Chepkwony, Hirsch-Apotheke Bad Homburg (1:19:13)

2. Mary Wanjiku, Hirsch-Apotheke Bad Homburg (1:19:45)

3. Hannah Arndt, run2gether (1:27:21)

 

Alle Ergebnisse gibt es auf der Seite des Trollinger Marathons.