Technik soll Schüler begeistern, nicht stören

Neckarsulm  Die Vorbereitungen für den Ausbau der A6 nehmen Fahrt auf. Nach den Rodungen rund um die Kreuzung A6/B27 bei Neckarsulm wurden in den vergangenen zwei Tagen nun die Lärmschutzwände an der Christian-Schmidt-Schule in Neckarsulm montiert.

Von unserem Redakteur Christian Gleichauf

Technik soll Schüler begeistern, nicht stören
Sechs Meter hoch ist die Lärmschutzwand, die die Christian-Schmidt-Schule in den kommenden sechs Jahren vor dem Lärm der näher rückenden Autobahn und der Baustelle schützen wird. Foto: privat/CSS

Schon vor Wochen wurden der Wall vor der Schule gerodet. "Das ist richtig laut geworden, seit das Gebüsch weg ist", sagt der Schulleiter der Berufsschule des Landkreises, Dr. Michael Heil. Anschließend wurden die Doppel-T-Träger in den Boden gerammt, in denen nun die hölzernen Schallschutzwände befestigt werden. "Unsere Metallbauer fühlen sich sehr sicher, seitdem sie diese mächtigen Träger gesehen haben", sagt Heil.

Sicherheit spiele eine ganz große Rolle, sagt Gerhard Dankel, Schulamtsleiter im Landratsamt Heilbronn. "Deshalb haben wir für den Bereich vor der Schule auch Tempo 60 beantragt." Nicht auszudenken, wenn ein Lkw die Lärmschutzwand durchbrechen würde. Denn künftig rücken Autobahn und Schule − mit ihren immerhin rund 3000 Schülern − noch enger zusammen. Nur neun Meter liegen zwischen den Gebäuden und der Wand, die sechs Meter hoch sein wird.

Freiwillig bezahlt der Landkreis übrigens den Aufpreis von 150.000 Euro für zwei Meter extra. "Der Bund hatte uns mitgeteilt, dass wir keinen Anspruch auf die Lärmschutzwand während der Baumaßnahme haben, vier Meter wären das Maximum gewesen", erläutert Landkreis-Kämmerern Thomas Schuhmacher. Nun ist alles perfekt: Höchste Schallschutzklasse, höchste Sicherheitsstufe. "Nur das Holz verwittert mit der Zeit", sagt Andrea Baur-Reichert vom Landkreis-Bauamt. Länger als sechs Jahre soll die Wand aber auch nicht stehen.

150 Meter lange "Werkbank"

Technik soll Schüler begeistern, nicht stören
Vertreter von Landkreis, Schule und die Projektverantwortlichen im Gespräch.

Direkt hinter der Wand wird dann das "Herzstück" für die Bauarbeiten an der neuen Neckarbrücke eingebaut, wie der Geschäftsführer der privaten Autobahngesellschaft Via6West, Alexander Herrmann, erklärt. Es ist der sogenannte Taktkeller unterhalb des Fahrbahnniveaus − "eine 150 Meter lange Werkbank". Hier werden die Teilstücke der neuen Stahlbrücke montiert, verschweißt, mit Korrosionsschutz versehen und Stück für Stück über den Neckar geschoben.

Führungen und Infozentrum

"Unsere Technik- und Meisterschüler werden sich das schon anschauen wollen", prophezeit Schulleiter Heil. Direkt von der Schule aus wird das zwar nicht möglich sein − die Wand ist nicht nur Schallschutz, sondern auch Sichtschutz. Doch wie für alle anderen Interessierten gibt es die Möglichkeit, das Infozentrum zu besuchen, das an der Austraße in Heilbronn öffnen soll. Es werde auch Führungen auf der Baustelle geben.

"Wenn dann Ihre Schüler kommen, schauen wir natürlich, dass ein Schweißer oder andere Fachleute dabei sind, die Fragen auch präzise beantworten können", verspricht Gerald Hauke, Sprecher des Projekt-Konsortiums aus den Bauunternehmen Hochtief und Johann Bunte sowie dem Fonds DIF Infrastructure IV.

Technik soll Schüler begeistern, nicht stören
Noch trennt ein Wall Autobahn und Schule. Nach Montage der Lärmschutzwand wird dieser Wall abgetragen, um Platz für die neue Brücke zu machen. Fotos: Gleichauf

Vieles muss noch auf den Weg gebracht werden. Auch die bisher rund 100 Mitarbeiter unterzubringen, ist nicht einfach. Auf rund 300 Mitarbeiter wird der Bautrupp inklusive Verwaltung vor Ort noch anwachsen. Grundsätzlich hat Via6West-Geschäftsführer Hermann bislang sehr positive Rückmeldungen aus der Bevölkerung bekommen. Er habe überall die Bereitschaft gespürt, vorübergehend auch Beeinträchtigungen hinzunehmen, wenn der Verkehr hinterher bloß wieder fließt. "Der Leidensdruck war groß, wir treffen auf Verständnis."

Umfeld in Neckarsulm könnte von besserem Lärmschutz profitieren

Vom verbesserten Lärmschutz an der Schule soll auch das Umfeld in Neckarsulm profitieren. Möglicherweise sinke der Geräuschpegel in bestimmten Bereichen sogar, hoffen die Verantwortlichen. Ansonsten wird die Schule noch eine Weile mit den Bauarbeiten am eigenen Haus beschäftigt sein. Die Fassade wird saniert, Garagen bekommen neue Tore. Fünf Millionen Euro werden investiert. Damit verbessere sich der Lärmschutz zusätzlich. Spannende Zeiten für Technik-Schüler.