OB spricht von Meilenstein der Wohnbaupolitik

Heilbronn  In nur vier Jahren sollen im Heilbronner Stadtgebiet 2000 neue Wohnungen entstehen. Den Großteil soll die Stadtsiedlung Heilbronn GmbH stemmen, die dafür 60 bis 80 Millionen Euro in die Hand nehmen möchte.

Von unserem Redakteur Kilian Krauth

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Auf dem 5,5 Hektar großen Areal des Südbahnhofs entsteht derzeit ein Wohnquartier für 800 Menschen. Kräne stehen bald an vielen anderen Großbaustellen. Foto: Archiv/Veigel

Am Mittwoch kommt im Heilbronner Gemeinderat ein dickes Grundsatzprogramm auf den Tisch, das der Wohnungsnot entgegenwirken will. Oberbürgermeister Harry Mergel spricht bereits im Vorfeld von einem "Meilenstein in der städtischen Wohnungsbaupolitik" und vom − neben der Formulierung des Stadtetats 2017/2018 − "wichtigsten kommunalpolitischen Projekt des Jahres": Bis ins Jahr 2020 sollen im Stadtgebiet mindestens 2000 neue Wohneinheiten entstehen. Das wären 810 mehr als bereits vorgesehen sind. 

Den Großteil werde das Tochterunternehmen Stadtsiedlung Heilbronn GmbH stemmen und dafür "in den nächsten vier Jahren 60 bis 80 Millionen Euro in die Hand nehmen", wie Direktor Robert an der Brügge sagt. Je nach Standort würden 30 bis 40 Prozent dieser Wohnungen "sozial" sein, also mit Mietpreis und Belegungsbindung errichtet. Wie der Oberbürgermeister betonte, seien zur Umsetzung des ehrgeizigen Programms "auch private Firmen und Genossenschaften geladen".

Als Standorte für Neubauten hat eine "Task Force Wohnen" nach bestimmten Kriterien wie Lage, Verfügbarkeit, Größe und Baurecht aus 50 geprüften neun Standorte ausgewählt. Wie Liegenschaftsamtsleiter Helmut Semenass berichtet, sei dabei neben acht Flächen, die schon im Flächennutzungsplan waren, auch ein ganz neues Areal: nämlich der fünf Hektar große Nonnenbuckel, der zwischen Klinikum und Freibad Gesundbrunnen liegt und bisher landwirtschaftlich genutzt wird. Hier sollen bald neben einem neuen Schwesternwohnheim fünf- bis sechsstöckige Gebäude für insgesamt 500 Wohneinheiten entstehen. Hier und in den anderen Arealen seien die Grundstücke bereits in Besitz der Stadt.

 

 

Um die Schlagkraft im Baudezernat zu erhöhen, bekommt das derzeit fast überlastete Amt für Planung und Baurecht zwei neue Mitarbeiter und versucht die Zahl der Bebauungspläne auf zwei Dutzend pro Jahr zu verdoppeln, erklärt Amtschef Dr. Christoph Böhmer. Weil man den Großteil trotzdem nach außen an Privatbüros vergeben müsse, setze das Rathaus hier insgesamt 4,4 Millionen Euro.

Wie dringlich der Bau neuer Wohnungen ist, untermauert Juri Jacobi von der Stabstelle Stadtentwicklung und Zukunftsfragen mit Prognosen zur Bevölkerungsentwicklung. Bis 2030 werde die Zahl der Bürger unterm Strich wohl auf 130 000 wachsen. Eine gewisse Unsicherheit resultiere dabei aus der schwer vorhersehbaren Flüchtlingszuwanderung und deren Bleibequote. Die "obere Prognose" geht von einem Bevölkerungswachstum um 7200 bis zum Scheitelpunkt 2027 aus, die untere von "nur" 4650.

"Die Nachfrage nach Wohnungen geht nicht von Personen aus, sondern von Haushalten", erläutert Jacobi weiter. Der Bedarf wachse bis zum Jahr 2030 von derzeit gut 61 000 auf über 65 000 − und werde auch danach noch ansteigen, denn die Zahl der Ein- und Zwei-Personen-Haushalte nehme weiter zu. So sei der zusätzliche Wohnraumbedarf nach 2020 auf 470 bis 530 neue Einheiten pro Jahr zu beziffern.

Schon vor dem aktuellen Baupaket hat die "Task Force Wohnen" laut OB Mergel einige Einzelmaßnahmen umgesetzt. So sei das kommunale Förderprogramm "Junge Familien" grundlegend überarbeitet worden: Neu definiert ist der Personenkreis, der eine Förderung beantragen kann. Nun erhalten Familien, die über genügend Eigenkapital verfügen − nämlich mehr als 50 Prozent der Gesamtkosten −, zukünftig keinen Zuschuss mehr. Auch Familien, die außerhalb des Stadtkreises ausreichend Wohneigentum besitzen, werden nicht mehr gefördert. "Im Ergebnis werden die städtischen Mittel künftig deutlich wirkungsvoller eingesetzt", meint Mergel. Zudem sei durch die Einführung unterschiedlicher Einkommensgrenzen sowie der Höhe des Zuschusses eine neue soziale Komponente berücksichtigt.