Neues Feature: Facebook zeigt, wo es WLAN gibt

Region  Ein neues Feature in der Facebook-App zeigt dem Nutzer, wo es in der Umgebung Geschäfte mit öffentlichem WLAN gibt. Es soll Nutzern und Geschäftsinhabern gleichermaßen nutzen – doch das Ganze hat seine Tücken, wie ein Blick in die Region zeigt.

Von Janis Dietz

In der Heilbronner Innenstadt leuchten über 20 Wlan-Punkte.

Wer durch die Heilbronner Innenstadt läuft, hat die volle Auswahl: gleich 20 WLAN-Netze stehen laut dem neuen Facebook-Feature zur Verfügung. Darunter etliche Restaurants und Cafés, sowie das freie Netz in der Stadtgalerie. Aber auch Geschäfte, die man dort nicht unbedingt erwartet, wie den Schreibwarenladen Seel. Gemeinsam ist ihnen, dass sie als Geschäft eine Facebookseite betreiben.

Die Idee, die hinter dem Facebook-Feature steckt: Nutzer wissen, wo sie ins Internet gehen können und Geschäfte erhalten mehr Besucher.

 

WLAN finden mit Facebook: So funktioniert’s

Über die Apps können Nutzer auf das neue Feature zugreifen.

Das neue Feature gibt es nur in der Facebook-App für mobile Geräte. Nutzer finden es über das „Mehr“-Menü (die drei Striche rechts oben) unter Apps als „WLAN suchen“.

Wer das Feature nutzen will, muss zunächst bestätigen, dass Facebook auf die Standortdaten zugreifen kann. Dann zeigt das Feature eine Liste der nächstgelegenen geschäftlichen WLAN-Verbindungen. Gleichzeitig kann man sich auf einer Karte zum nächstgelegenen Geschäft mit WLAN navigieren lassen. In dem Feature wird auch der Name des WLANs angezeigt und wann das Geschäft geöffnet hat. Per Klick gelangt man auf die Facebookseite des Geschäfts.

 

Eva Schnepf vom Schreibwarenladen Seel ist überrascht, dass ihr verschlüsseltes WLAN von Facebook gelistet wird. „Das war keine bewusste Entscheidung“, sagt die Geschäftsführerin. Man habe darüber nachgedacht, das Netzwerk frei zu geben, habe aber weiterhin rechtliche Bedenken. Das von Facebook angegebene WLAN wird im Geschäft für interne Zwecke genutzt. Zudem weist Schnepf darauf hin, dass die Stadt Heilbronn bereits an einem freien WLAN für die ganze Innenstadt arbeitet. Das WLAN von Seel zu öffnen, sei deshalb nicht nötig, findet Schnepf.

Frei, aber nicht freiwillig auf der Liste

Auch der Schreibwarenladen Seel taucht in der Liste auf. Den Besitzern ist das eher unrecht.

Peter Hawighorst ist ebenfalls überrascht, dass das Netz der VHS Heilbronn in der Facebook-Liste auftaucht. „Wir haben freies WLAN im Foyer der Volkshochschule“, erklärt der Leiter der VHS. Auch die Volkshochschule hat sich nicht selbst in die Liste eingetragen. Doch Hawighorst hat auch "kein Problem damit, dass auf dieses Angebot hingewiesen wird“. Immerhin sei die Volkshochschule ja auch Dienstleister.

Ähnlich gelassen reagiert das Heilbronner Stadtmarketing darauf, dass die Harmonie ebenfalls als WLAN-Netz gelistet wird. „Es gibt dort ein freies WLAN“, bestätigt Stadtmarketing-Sprecherin Sara Furtwängler. Auch wenn Netzwerk derzeit wegen technischer Probleme nicht funktioniert.

Wer nicht gelistet werden will, muss aktiv werden

Nach Angaben von Facebook ist das neue Feature nach einer Testphase in einigen Ländern seit Anfang Juli weltweit verfügbar. In der Pressemitteilung behauptet Facebook, dass Unternehmen die Netzwerke über ihre jeweilige Facebookseite geteilt hätten. Auf Nachfrage beim Unternehmen klingt das etwas anders: Angezeigt würden alle Netzwerke, die auf „öffentlich“ eingestellt sind, also auch solche die mit einem Passwort geschützt sind.

Für den Hamburger Datenschutzbeauftragten Johannes Caspar stellt das Feature „WLAN suchen“ kein Datenschutzproblem dar. Der Hamburger Beauftragte ist zuständig, weil Facebook Deutschland seinen Sitz in Hamburg hat. Unternehmen würden die Informationen selbst öffentlich zur Verfügung stellen, argumentiert Caspar auf Anfrage von Stimme.de.

„Wenn Unternehmen nicht wünschen, bei Facebook gelistet zu werden, sollten sie die Broadcastfunktion abstellen“, rät der Datenschutzbeauftragte.  Eine ähnliche Lösung bietet Facebook an: Wer nicht in der Liste auftauchen wolle, könne einfach der SSID des WLANs ein „_optout“ oder „_nomap“ anhängen. Wer als Geschäftsinhaber die SSID nicht ändert und das WLAN auf öffentlich eingestellt hat, taucht also in der Liste auf – ob gewollt oder nicht.

Künftig könnte der WLAN-Login über Facebook laufen

Im ländlichen Gebiet gibt es kaum WLANs, selbst in der Kreisstadt Künzelsau sind nur zwei Netzwerke gelistet.

Doch Facebook will das Feature noch weiter ausbauen. Künftig sollen sich Kunden über Facebook in das jeweilige WLAN einloggen können. Auf der Unterseite für Unternehmen beschreibt Facebook, wie sich Unternehmen registrieren können und welche Vorteile sie daraus ziehen (mehr Kundschaft und zusätzliche Werbung für die eigene Facebookseite). Diese registrierten WLAN-Standorte will Facebook auch anzeigen, wenn sie etwas weiter entfernt liegen.

Den eigentlichen Zweck – Internetzugang in schlecht vernetzten Gegenden – erfüllt das neue Feature in der Region allerdings nicht. Außerhalb von größeren Städten wie Heilbronn (insgesamt 31 WLAN gelistet), Neckarsulm (11) und Öhringen (8) zeigt die Karte für die Region kaum WLAN-Verbindungen. Einen Ausweg aus den vielen Funklöchern in der Region kann das Facebook-Feature in seiner jetzigen Form also kaum bieten.