Nächste Woche startet wohl das Castor-Schiff

Neckarwestheim  Nach der Entscheidung des Berliner Verwaltungsgerichts laufen die Vorbereitungen für den ersten Transport hochradioaktiver Brennelemente auf einem deutschen Fluss.

Von Reto Bosch

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Kraftwerksbetreiber EnBW hatte das Schubschiff Edda ohne Ladung auf eine Testfahrt von Obrigheim nach Neckarwestheim geschickt. Foto: Archiv/Bosch

Nach Informationen der Heilbronner Stimme legt der Schubverband Mitte nächster Woche zum ersten Mal in Obrigheim ab, um noch am selben Tag im GKN Neckarwestheim anzukommen.

Beim Kraftwerksbetreiber EnBW, bei der Polizei, beim Transportunternehmen, aber auch bei Atomkraftggegnern, die Protesaktionen planen, bereitet man sich auf den Tag X vor. 

Neckarwestheim prüft Beschwerdeverfahren 

Die Verwaltungsrichter haben am Dienstag den Eilantrag der Gemeinde Neckarwestheim abgelehnt. Nächsten Mittwoch will der Gemeinderat darüber entscheiden, ob die Kommune ins Beschwerdeverfahren gehen soll. Gut möglich, dass zu diesem Zeitpunkt die ersten drei von insgesamt 15 Castoren bereits das GKN-Gelände erreicht haben. Einen Termin nennt die EnBW mit Verweis auf die Transportgenehmigung nicht.

Zuvor muss die Transportfirma Dräger den Schubverband aber von Neckarwestheim nach Obrigheim verlegen. Die Atomkraftgegner des Bündnisses Neckar-Castorfrei wollen dies zu einer Mahnwache in Gundelsheim neben dem Campingplatz nutzen. Für den ersten Transport planen sie ebenfalls eine Mahnwache in Gundelsheim und eine Demonstration in Heilbronn. Die Aktivisten werben um Spenden für Plakate, Flugblätter, Banner oder Technik. Nach Angaben des Bündnisses wurde eine Mahnwache bei der Heilbronner Theresienwiese angemeldet.

Bündnis Castorfrei kritisiert Lagerung

Auch wenn der Energieversorger keine Angaben macht, ist davon auszugehen, dass die ersten Castoren bereits beladen worden sind. Das Bündnis Castorfrei kritisiert, dass die Behälter ohne gültige Genehmig gelagert werden und auf dem Kraftwerksgelände auf die Abfahrt warten. Das Landesumweltministerium erklärt auf Stimme-Anfrage, dass eine solche Erlaubnis sehr wohl vorliege. Die erste Stilllegungs- und Abbruchgenehmigung für das Kernkraftwerk Obrigheim aus dem Jahr 2008 enthalte entsprechende Regelungen, unter anderem werde damit die Bereitstellung zum Transport genehmigt. 

Dass damals noch geplant war, in Obrigheim ein eigenes Zwischenlager zu bauen, und keine Rede davon war, die Brennelemente auf Reisen zu schicken, spielt aus Sicht des Ministeriums keine entscheidende Rolle. Weitere Vorgaben seien unter anderem in der im Mai erteilten Transporterlaubnis enthalten.

Nach Auskunft der Atomaufsicht darf die EnBW auf ihrem gesicherten Gelände in Obrigheim maximal drei jederzeit abfahrbereite Schwerlastroller mit beladenen Castoren bereitstellen. Vorgesehen sind insgesamt fünf Transporte mit drei jeweils rund 100 Tonnen schweren Castorbehältern. Bislang, versichert das Ministerium, gibt es keine Beanstandungen: Die Castoren seien ordnungsgemäß beladen und abgefertigt worden.