Mit dem Mountainbike durch den Stadtwald

Heilbronn  Seit ein paar Tagen gibt es eine offizielle Mountainbike-Strecke quer durch den Heilbronner Stadtwald. Doch es kam bereits zu Fällen von Vandalismus. Wir haben die neue MTB-Tour ausprobiert, die am Sonntag offiziell eingeweiht wird.

Von Gerhard Mayer

Mit Flow durch den Stadtwald
Auf dem Mountainbike am Heilbronner Schweinsberg: Am kommenden Sonntag wird die erste Tour des neuen Trailnetzes eröffnet.Foto: Ralf Seidel

Der Trail Nummer Eins − die Heilbronner Stadtwaldrunde − beginnt am Gaffenbergparkplatz. Rauf auf das Mountainbike und los geht’s. Und das gleich richtig: In engen Serpentinen geht es auf dem Rad zum Köpferstausee hinunter. Es folgt eine längere Passage auf Schotter- und Asphaltwegen am Schießstand vorbei hinauf Richtung Jägerhaus.

Links und rechts locken kleine Wege zum Abbiegen, doch wir folgen den orangenen Schildern − und werden belohnt. Jetzt zeigt der Pfeil nach links und wir biegen vom breiten Forstweg ab auf einen schmalen Pfad, wie ihn die Biker lieben. Der Single-Trail windet sich als braunes Band durch grüne Pflanzenteppiche. Die Stollenreifen packen zu und verbinden sich mit dem Untergrund. Beim Steinbruch führt der Trail um das Naturschutzgebiet herum.

Die erste von sechs Mountainbike-Strecken

Die Stadtwaldrunde ist die erste von sechs Touren für Mountainbiker in Stadt und Landkreis Heilbronn, die am vergangenen Wochenende offiziell freigegeben wurden. Bis zur Freigabe mussten einige Steine aus dem Weg geräumt werden. "Wir haben geschaut, wo die Brennpunkte liegen", erklärt Joachim Thonig, der Leiter der Mountainbikegruppe im Heilbronner DAV, "und dann nach Lösungen gesucht." Da gab es in vielen Gesprächen und Vor-Ort-Terminen einiges abzuklären etwa in Sachen Naturschutz und mit Jagdpächtern. "Wenn wir auf eine Brutstätte hingewiesen wurden, haben wir die Strecke so abgeändert, dass der Trail drumherum führt", nennt Thonig ein Beispiel. Es gibt dabei viele Ansprechpartner. Denn hinter dem, was für Wanderer und Radler einfach nur ein Waldgebiet ist, verbirgt sich ein Puzzle aus Staats-, Kommunal- und Privatwald.

Auf dem Rundkurs führt jetzt ein wunderschöner Panoramaweg Richtung Weinsberger Sattel. Immer wieder werden Blicke über die Weinberge auf Heilbronn frei. Vom Aussichtspunkt Galgen geht es unterhalb wieder ein Stück zurück und dann Richtung Weinsberger Tal. Am Waldrand öffnet sich eine neue Perspektive: Schafe fressen eifrig Gras auf einer Wiese, im Hintergrund erhebt sich die Burgruine Weibertreu. Jetzt kommt wieder einer dieser kurzen, knackigen Anstiege, die auch mit dem leichtesten Gang die volle Kraft fordern. Mit einem Bergfahrrad ist es zu schaffen.

Trailpaten räumen Äste aus dem Weg

Für jede Tour gibt es sogenannte Trailpaten, die regelmäßig die Wege abfahren und etwa Äste nach einem Sturm wegräumen oder bei größeren Schäden auf der Strecke das Forstamt informieren. Und auch immer wieder die Beschilderung erneuern − oft weil die Schilder einfach abgerissen werden. Im Stadtwald kümmern sich die Biker des Deutschen Alpenvereins darum. Joachim Thonig weiß, dass es auch auf Radlerseite Vandalismus gibt.

So haben kürzlich bei der Uhlandslinde unbekannte Mountainbiker quer über die Serpentinen hinweg eine direkte Abfahrtsschneise gebaut. Als die DAV-Gruppe mühevoll Absperrungen aus Holz errichtet hatte, waren diese ein paar Stunden später schon wieder zerstört. Übrig blieben nur noch ein paar spitze Holzpfähle − sehr gefährlich für Radler auf der Strecke. "Solche Idioten schaden nicht nur uns, sondern allen Waldnutzern", regt sich Thonig über dieses Verhalten auf. Er fordert die Radler auf, Auffälliges gleich den DAV-Bikern zu melden. Dass sich die Mountainbiker gegenseitig in die Verantwortung nehmen, darauf setzt Remo Fuchs, Büroleiter im Kreisforstamt. Er hat bei der Streckenfindung zwischen den Gruppen moderiert und hält die Patenschaften für sinnvoll: "Wir können ja nicht ständig selbst in jeder Ecke nachschauen."

Zwischendurch schwebt das Rad durch die Kurven

Die Stadtwaldrunde ist vielfältig. Jetzt geht es Richtung Waldheide. Es gibt ganz einfache Trails, Passagen mit tollem Flow − ein Gefühl, als ob das Rad von alleine durch die Kurven schwebt. Plötzlich wird es laut, die Autobahn rauscht nebenan. Hier an der Reisbergbrücke befindet sich der Anschluss an die Tour 4 Richtung Burg Stettenfells und Löwenstein. Die Stadtwaldrunde führt wieder in den Wald hinein und das Zwitschern der Vögel verdrängt das Brummen der Motoren. Auf dem Bergrücken entlang geht es auf abwechslungsreichem Terrain Richtung Untergruppenbach. Dort befindet sich ein schönes Plätzchen für eine Pause mit Blick auf Burg Stettenfels.

Die neuen Trails sollen den im Wald verstreuten Mountainbike-Verkehr kanalisieren und Konflikte entschärfen. Der runde Tisch, den die damalige Heilbronner Forstrevierleiterin Gunda Rosenauer 2012 initiiert hatte, war der Startpunkt. Eine Kerngruppe daraus hat einen Verhaltenskodex für Radler entwickelt. "Dies hat gezeigt, dass die gemeinsame Nutzung von schmalen Wegen funktionieren kann", so Remo Fuchs. Die Verhaltensregeln der "Initiative verantwortungsvolles Biken" gelten auch im Landkreis.

Schwungvoll Der Rundkurs führt nun über einen asphaltierten Feldweg aus Donnbronn hinaus. Dieser Abschnitt hat wie die nahe Landesstraße eine Zubringer-Funktion. Allerdings nicht zur Autobahn, sondern zum nächsten schwungvollen Single-Trail, der sich vom Schweinsberg mit Blick auf Sontheim hinunter zum Gaffenberg-Parkplatz schlängelt. Wer nach zweieinhalb bis drei Stunden auf der Tour 1 noch nicht genug hat, kann sich unterhalb vom Schweinsbergturm in der Downhill-Strecke des DAV austoben − wenn das Bike dafür geeignet ist.

 

 

Rundkurs wird eingeweiht
 
Auf dem Gaffenberggelände in Heilbronn feiert der Deutsche Alpenverein (DAV) am Sonntag ab 11 Uhr die offizielle Eröffnung des neuen Mountainbike-Rundkurses im Stadtwald. Nach kurzen Reden wird die Strecke freigegeben. Die DAV-Biker bieten geführte Touren, eine Schnitzeljagd entlang der Strecke und eine Tombola an. Wer möchte, kann die Tour 1 des neuen Trailnetzes in Stadt und Landkreis auch selbst erkunden. Auf dem Gaffenberggelände gibt es Würste vom Grill und gekühlte Getränke.