Lange Liste für eine mobile Region

Region  Der Raum Heilbronn-Neckarsulm hat am Mittwoch einen Mobilitätspakt mit Beteiligung der Wirtschaft und des Landes geschlossen. Es war ein Tag, der Bewegung in die Verkehrsplanung bringen dürfte. Ob er auch Bewegung in den häufig stillstehenden Verkehr bringen wird, bleibt abzuwarten.

Von Christian Gleichauf

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40 Seiten umfasst das Papier, das Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) im Neckarsulmer Zweiradmuseum vorstellte. Die Erkenntnis, dass "die prekäre Verkehrssituation" inzwischen "eine ernsthafte Bedrohung für den Wohlstand und die Wirtschaft in diesem Raum" darstellt, wie Heilbronns OB Harry Mergel formulierte, hat sich bis Stuttgart herumgesprochen.

Die im Pakt vorgestellten Maßnahmen sind teilweise sehr konkret.

Stadtbahn: Schon zum Fahrplanwechsel im Dezember soll die Stadtbahn mehrmals täglich einen zusätzlichen Halt vor dem Audi-Werkstor einlegen. Das Land bestellt außerdem täglich ein zusätzliches Zugpaar von Neckarsulm nach Sinsheim und zurück nach Heilbronn. Somit sollen Audi-Schichtarbeiter zum Umstieg auf die Bahn bewegt werden. Das ist neu.

Ein Jahr später könnte der durchgehende Stundentakt auf der Linie S 42 nach Sinsheim und der lang ersehnte Halbstundentakt auf der S 41 nach Neckarelz eingeführt werden. Doch noch wird das geprüft, die Finanzierung ist offen.

Frankenbahn: Die Regionalexpress-Linie Stuttgart−Würzburg, die aktuell nur in einem Zwei-Stunden-Takt mit einzelnen Verdichtungen verkehrt, wird ab Dezember 2019 täglich ganztägig in einem Stundentakt verkehren. Diese Maßnahmen waren bekannt. Zudem sind Verbesserungen an Bahnhöfen in Heilbronn, Züttlingen und Möckmühl beschlossen und können kurz- und mittelfristig umgesetzt werden.

Straßenverkehr: Hier gibt es die meisten Sofortmaßnahmen, die teilweise schon im Herbst umgesetzt werden können. So etwa die Optimierung der Ampelanlagen, wo unter Federführung von Audi eine neue Technik zum Einsatz kommen könnte, die einen Datenaustausch mit Fahrzeugen ermöglicht.

Deutlich wird auch: Der in Neckarsulm umstrittene Anschluss der Binswanger Straße (L 1101) an die B 27 ist Teil eines Gesamtkonzepts. Zurückhaltend ist das Regierungspräsidium beim dreispurigen Ausbau der B 27 zwischen Neckarsulm und Bad Friedrichshall-Kochendorf. Hier gebe es aktuell keine Planungen, erklärte der zuständige Referatsleiter Jürgen Holzwarth gegenüber unserer Zeitung. Weiter gediehen sei dagegen der Knotenpunkt Jagstfeld. Derzeit würden Baugrunduntersuchungen in Auftrag gegeben. Genauere Zeitangaben seien aber nicht möglich.

Neu ist ein Vorstoß im Bereich des Trendparks, die A 6-Brücke über die Südtangente im Zuge des Neubaus zu verbreitern und damit einen späteren Ausbau der Südtangente zu ermöglichen. Das Land holt Angebote beim Straßenbaukonsortium ViA6West ein, um die Mehrkosten abschätzen zu können.

Als weiteres Nadelöhr wurde der Kreisverkehr L 1101/Südtangente in Neckarsulm identifiziert. Hier könnten zwei Bypässe die Leistungsfähigkeit erhöhen.

Radverkehr: Mit mindestens vier oder fünf Jahren ist bis zur Eröffnung der Radschnellverbindung zwischen Bad Wimpfen und Heilbronn zu rechnen. Nadelöhr ist die Wehrbrücke in Neckarsulm. Der Radweg soll künftig unter der Wehrbrücke hindurchführen und dann über Rampen zurück auf das Brückenniveau gebracht werden. Wenn das rund 100 Jahre alte Bauwerk als Wehrbrücke nicht mehr benötigt wird, kommt ein Neubau infrage.

Schwarz-Gruppe/Audi: Die zwei Firmen versuchen, mit zahlreichen Konzepten dem drohenden Stillstand entgegenzuwirken. Neben dem vergünstigten Jobticket bieten sie Modelle für das Leasing von Fahrrädern und E-Bikes. Außerdem werden neue Mitfahrer-Apps getestet, um Pendler mit ähnlichen Wohnorten und Arbeitszeiten zusammenzubringen. Auch Carsharing und Shuttle-Busse zwischen den Werkteilen und Unternehmens-Standorten sollen den Individualverkehr reduzieren.

 
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