Kampf um Stimmen der Basis

Bad Friedrichshall  Strobl hält bei CDU-Kreisparteitag engagierte Rede - Mitglieder stimmen im November über Spitzenkandidaten für Landtagswahl ab

Von unserem Redakteur Wolfgang Müller

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Thomas Strobl will nächster Ministerpräsident werden. Vor über 100 Kreisdelegierten ließ er an Grün-Rot kein gutes Haar.Foto: Wolfgang Müller

Beim parteiinternen Kampf um die Spitzenkandidatur bei der baden-württembergischen Landtagswahl 2016 weiß Thomas Strobl die Seinen hinter sich. "Hier ist Strobl-Land", gab der Kreisvorsitzende Dr. Bernhard Lasotta am Samstag beim CDU-Kreisparteitag in Bad Friedrichshall als Losung aus. Strobl nahm die Vorlage auf und hielt vor über 100 Delegierten eine engagierte Rede.

Votum

Nächster Ministerpräsident will er werden. Dafür reicht es dem Landesparteivorsitzenden nicht, die Landtagswahl zu gewinnen. Vorher muss er sich dem Votum der Parteibasis stellen und sich im November gegen seinen Konkurrenten Guido Wolf durchsetzen. Strobl zeigte sich siegessicher. "Aber ich finde es gut, dass es zwei Kandidaten gibt. Alles andere entspräche nicht meiner Vorstellung von Demokratie."

Kämpferisch und ohne Redemanuskript ließ Strobl beinahe eine Stunde lang kein gutes Haar an der grün-roten Landesregierung. Seit drei Jahren würde Baden-Württemberg "aus der Substanz heraus regiert". Und die sei auch bei einem noch so starken Land irgendwann aufgebraucht, so der 54-Jährige.

Bildung, Infrastruktur und innere Sicherheit nannte der Bundestagsabgeordnete als zentrale Punkte. Themen also, bei denen Grün-Rot Angriffsfläche schuf: Gemeinschaftsschule, keine verbindliche Grundschulempfehlung mehr, Polizeiverwaltungsreform und Straßenbau. Für Strobl paart sich in Stuttgart "Inkompetenz mit Ideologie".

Silbertablett

"Wenn es einem aus Berlin auf dem Silbertablett gereicht wird, muss man es auch nehmen", sagte Strobl und beklagte, dass Verkehrsminister Winfried Hermann 2013 rund 100 Millionen Euro Fördergelder nicht abrief. Fest stehe: Die Autobahnbrücke der A 6 muss zur Bundesgartenschau 2019 gerichtet sein. "Ansonsten machen wir in der Region richtig was los."

Wichtiger als Geld sei die Bildung, so Strobl. Mit der einseitigen Förderung der Gemeinschaftsschule betreibe Grün-Rot aber eine "Ungleichbehandlung junger Menschen, die wir wieder abschaffen". Strobl räumte ein, dass sich bei einem Regierungswechsel nicht alles sofort rückgängig machen ließe. "Wir können nicht mit der Abrissbirne die Gemeinschaftsschulen wegfegen. Dort sitzen Kinder drin."

Die Polizeireform sorge nicht für mehr Beamte auf der Straße, sondern in den Autos. Sie müssten statt bisher zwei jetzt 200 Kilometer zur Dienststelle fahren. Dass Ministerpräsident Winfried Kretschmann dem Asylkompromiss zugestimmt habe, sei gut. "Jetzt muss die Regierung aber dafür sorgen, dass abgelehnte Asylbewerber auch abgeschoben werden."

Und das Parteiprogramm für die Landtagswahl? Das werde nicht in Hinterzimmern geschrieben, sondern von 69 000 CDU-Mitgliedern. "Ich freue mich, Herrn Kretschmann beim Fernsehduell zu fragen, woher seines kommt", sagte Strobl.


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