Heilbronns Problembär ist zurück

Heilbronn  Die putzige Skulptur musste 2011 dem Allee-Umbau weichen und wurde danach von der Stadtverwaltung beinahe vergessen. Heute tauchte er wieder auf. Das 1,40 Meter große Tier war 1960 von Willy Brandt enthüllt worden.

Von Kilian Krauth und stimme.de

 

Nach der längsten Nacht des Jahres kehrte am Mittwochfrüh der Problembär von Heilbronn auf den Berliner Platz zurück. Im Morgengrauen hoben ihn drei Mitarbeiter des städtischen Betriebsamtes auf einen eigens betonierten Sockel vor dem Stadttheater. 

Eine kleine Rathaus-Abordnung mit Bürgermeister Wilfried Hajek, Dr. Christoph Böhmer vom Stadtplanungsamt und Betriebsamtschef Dieter Klenk sowie einige Zaungäste gab ihm die Ehre.

Die putzige Skulptur des Stuttgarter Künstlers Ernst Kiebler stand einst mitten auf der Allee und hatte 2011 dem Stadtbahn-Einbau weichen müssen. Danach wurde sie von der Stadtverwaltung beinahe vergessen. Dabei war sie vielen Bürgern ans Herz gewachsen.

Dass der Termin beinahe auf den 103. Geburtstag von Willy Brandt (18. Dezember 1913 − 8. Oktober 1992) fällt, ist nach Angaben von Pressesprecher Christian Britzke purer Zufall.

 

1960: Willy Brandt enthüllt Bär

 

Ältere Heilbronner erinnern sich: Das 1,40 Meter große Tier war 1960 von keinem geringeren als dem damaligen Regierenden Bürgermeister von Berlin enthüllt worden, also vom späteren Kanzler Brandt. Ursprünglich war Meister Petz Teil einer Brunnenanlage. Das Gesamtensemble am Berliner Platz musste 1975 dem Neubau des Stadttheaters weichen. Nach der Theatereinweihung 1982 fand zumindest der Bär einen neuen Platz: auf dem begrünten Mittelstreifen am Nordende der Allee.

 

2011: Neugestaltung der Allee 

Im Januar 2011 schließlich entschwebte der allseits beliebte Bär ein weiteres Mal: weil er der Neugestaltung der Allee und dem Stadtbahn-Ausbau Platz machen musste.

Seit 2013 ist die Straße fertig, doch vom Bär fehlte dort bis gestern jede Spur. Von der Stimme darauf angesprochen meinte Baubürgermeister Wilfried Hajek einmal "etwas flapsig gesprochen: Er liegt noch im Winterschlaf". Und weiter: "Nein, ganz im Ernst, wir hatten schon einen neuen Platz und waren ganz nah dran", aber dann seien wichtigere Vorhaben dazwischen gekommen, so dass das längst mit Hochdruckreiniger gesäuberte Teil noch in der Stadtgärtnerei liege.

Museumsdirektor Marc Gundel sprach später offen von "unserem Problembär". Der Feingeist machte keinen Hehl daraus, dass er die grobe Skulptur vergessen habe − was man durchaus könne: wegen deren geringem künstlerischen Wert. Tatsächlich habe man sich mit dem Baudezernat nach einem Suchlauf − er führte über die SPD-Zentrale an der Unteren Neckarstraße bis zum Willy-Brandt-Platz − bereits 2014 auf einen neuen Standort verständigt: "Natürlich Berliner Platz, dort gehört er auch hin."